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  • Madagaskarweber im Zoo Zürich.

    Madagaskarweber

    Foudia madagascariensis

    Die Webervögel gehören zu den Finken. Der Wissenschaft sind 126 Arten bekannt, die meisten leben in Afrika. Weniger häufige sind sie auf den Inseln des Indischen Ozeans und in Asien. In Madagaskar leben vier verschiedene Webervogelarten. Der Madagaskarweber ist der häufigste Vogel Madagaskars. Die Männchen des Madagaskarwebers fallen während der Brutzeit durch ihr rotes Gefieder auf. In der übrigen Zeit sehen sie den Weibchen und Jungvögeln sehr ähnlich. Dann sind die Vögel für den flüchtigen Betrachter leicht mit unseren "Spatzen" (Haussperlingen) zu verwechseln. Während der Brutzeit lebt der Madagaskarweber paarweise, in der übrigen Zeit in grösseren Gruppen von bis zu mehreren hundert Tieren. Der Madagaskarweber bewohnt auch völlig entwaldete Gebiete, in Savannen und in Gärten und Parks. Er ernährt sich von Grassamen, Reiskörnern und Nektar, während der Fortpflanzungszeit auch von Insekten, Spinnen und Raupen. Das kugelförmige Nest wird etwa zwei Meter über dem Boden an einem Ast hängend gebaut. Es besteht aus geflochtenen Gräsern. Im oberen Bereich des Nestes wird seitlich ein kurzer, breiter Eingangstunnel geflochten. Der Madagaskarweber legt drei bis vier Eier. Die Vogelart wurde auf den vor Madagaskar liegenden Inseln (Seychellen, Komoren, La Réunion, Mauritius, Rodrigues) eingebürgert.

    Verwandtschaft Sperlingsvögel, Singvögel (4000 Arten), Webervögel (119 Arten)
    Lebensraum lichte Wälder, Savannen, landwirtschaftliche Gebiete, Siedlungen bis 2500 Meter über Meer
    Vogelzug standorttreu
    Sozialstruktur in grossen Schwärmen, in der Brutzeit paarweise und territorial
    Futter Hirse, Grassamen, Reis (dabei verursachen sie grosse Ernteschäden), Insekten, Spinnen, Nektar
    Nahrungserwerb am Boden, in Feldern, in der unteren Vegetationsschicht
    Gewicht 14 bis 19 g
    Körperlänge 12 cm (inkl. Schwanz)
    Gelege 2 bis 4 Eier (zweimal pro Jahr)
    Nest geflochtenes Einzelnest in Bäumen und Palmen bis 8 Meter über dem Erdboden
    Brütende Tiere Weibchen, Aufzucht durch beide Elternteile
    Brutdauer 11 bis 14 Tage
    Lebenserwartung unbekannt
    Nutzung kulturell (in Geschichten und Märchen)
    Aktueller Bestand häufigste Vogelart auf Madagaskar, eingeführt auf den Komoren, Réunion, Mauritius, Rodrigues, Seychellen, Bahrain, British Indian Ocean Territory, Ascension, Tristan da Cunha, St. Helena
    Im Zoo Zürich seit 2003

    Verbreitung

    Verbreitungskarte Madagaskarweber

    Ein madagassisches Märchen

    Es lebte in Madagaskar einmal ein altes Ehepaar, welches ein Reisfeld bebaute. Der alte Mann lief durch die Felder und schlug auf einen alten Kanister, seine Frau folgte ihm und schrie "Hosy, hosé!". So wurden die roten Webervögel von den Feldern vertrieben. Die Vögel wurden aber nicht getötet, weil sie verehrt wurden.
    Der Reis war eine der letzten Erfindungen von Gott. Die Menschen hatten Hunger und weil sie mit dem Befehl auf die Erde geschickt worden waren, nie mehr in den Himmel aufzusteigen, baten sie die mit Flügeln ausgestatteten Webervögel, bei Gott für die Menschen ein gutes Wort einzulegen. Das taten diese mit Beflissenheit. Gott schickte Samen, welche die Menschen säten. Der Hunger hörte auf. Doch die Menschen fingen an zu behaupten, dass die Reiskörner ihren Vorfahren gegeben wurden, ohne dass die Webervögel ein Anrecht auf einen Anteil hätten. Schliesslich waren die Webervögel nur die Vermittler. Deshalb werden heute die Webervögel als Diebe verurteilt und sie werden vertrieben.
    Unsere zwei Alten beurteilten das aber anders. Nach ihrer Meinung gehört der Reis den Vögeln, denn Gott hatte ihnen die Körner übergeben. Weil die Vögel den Reis aber nicht selber anbauen konnten, haben sie die Körner den Menschen anvertraut. Die Menschen sind daher nur die Pächter der Webervögel und haben bloss Anrecht auf einen Drittel der Ernte. Die Vögel sind frei, ihre zwei Drittel zu fressen. Unsere zwei liebenswerten Alten begnügen sich deshalb damit, sie durch Schreie von ihrem Grundstück zu vertreiben. "Hosy, hosé!" bedeutet übrigens so viel wie "Geht weg, trampelt nicht auf dem Boden herum!". Der einzige triftige Grund, die auf die Körner versessenen Vögel zu vertreiben, sei nämlich, so meinen die beiden Alten, dass sie den Boden zertreten. Glücklicherweise gibt es nur zwei alte Spinner unter den madagassischen Bauern.

    Paten

    Dr. R. U. Munzinger, Erlenbach
    A. Trittenbass, Dübendorf
    W. Demuth, Hüntwangen
    U. Kohli, Kloten
    Familie A. + R. Lüthi, Villmergen
    R. Brügger, Cham
    A. Walther, Zürich
    L. Burgherr Meier, Steinmaur
    S. Buob, St. Gallen
    B. Ruesch, Pfungen
    Image
    Pate werden

    Preis für eine Patenschaft: CHF 200.–

    IUCN RedList