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Austernfischer mit Jungtier im Zoo Zürich.
Seehund beim Schwimmen im Zoo Zürich.

Medien-Apéro Juni: Austernfischer & Seehund

Von alleinerziehendem «Fischer» und zugezogenen «Berliner Schnauzen»: ein Austernfischer-Weibchen betreut seine Jungen und zwei aus Berlin zugezogene Seehunde verjüngen unsere Gruppe.

Unser Ausflug führt uns heute an zwei Stationen der Nordsee, zuerst zu den Austernfischern.

Schwarz-weisser Charaktervogel

Der Austernfischer ist mit seinem schwarz-weissen Gefieder und dem langen orangeroten Schnabel ein Charaktervogel der Nordseeregion. Sein Verbreitungsgebiet beschränkt sich aber nicht auf Küstenregionen, in gewissen Gebieten wie etwa Schottland oder Irland ist der Vogel auch im Binnenland anzutreffen. Nicht nur optisch setzt sich der Austernfischer in Szene, er verfügt auch über eine kräftige Stimme, mit der er pfeifend oder trillernd sein Revier markiert. Als Zugvögel durchqueren Austernfischer im Frühjahr und Spätsommer auch die Schweiz.

Monogame Paarbeziehung

Austernfischer führen in der Regel eine monogame Paarbeziehung. Sie sind Bodenbrüter, ihr Gelege besteht meist aus drei Eiern. Diese werden von beiden Paarpartnern während 26–27 Tagen bebrütet. Die Jungen sind Nestflüchter und sind schon kurz nach dem Schlupf aktiv unterwegs und erhalten von den Eltern Futter angeboten.

Alleinerziehendes Austernfischer-Weibchen mit zwei Küken

Am 7. Juni sind im Zoo Zürich zwei Junge geschlüpft, die sehr aufmerksam von ihrer Mutter betreut werden. Unablässig stochert sie im Boden herum und fördert Würmer und Insektenlarven zutage, die sie ihren Jungen anbietet.

Bei einer monogamen Paarbeziehung stellt sich – da die Mutter alleinerziehend – die Frage nach dem Vater. Den gibt es, er ist aber im sprichwörtlichen «Vaterschaftsurlaub». In der Brutzeit halten Austernfischer rigoros Artgenossen von ihrem Brutrevier fern. Dieser Aufgabe widmete sich der Vater der Jungen letztes Jahr so vehement, dass er nach dem Schlupf der Jungen auch das Weibchen angriff. So blieb die Betreuung der Küken aus, was zu deren Tod führte. Dieses Jahr wurde das Männchen um den Schlupftermin herum vorsorglich in eine andere Voliere umgesetzt. Das Männchen könnte sehr wohl den fürsorglichen Vater abgegeben, hat dieses Paar doch 2016 und 2017 je ein Küken erfolgreich aufgezogen.

Seit 1975 gehören die Austernfischer zum Tierbestand des Zoo Zürich. 33 Junge sind bis anhin hier geschlüpft. Das aktuelle Paar besteht aus einem 2007 in Zürich geschlüpften Weibchen und einem Männchen mit Jahrgang 2011 aus dem Zoo Augsburg.

Zuzug zweier junger «Berliner Schnauzen»

Ein weiterer Schritt in der Verjüngung unserer Seehund-Gruppe wurde vollzogen: Letzten Dezember kamen vom Zoo Berlin zwei junge Weibchen, 2018 geboren, nach Zürich. Die beiden Weibchen, Sinya und Skadi, sind Halbschwestern. Angesichts unseres ältesten Seehundes kann man wirklich von einer Verjüngung sprechen: Das Weibchen Farah ist vierzig Jahre älter als die Neuankömmlinge. Farah steht mit ihren 41 Jahren an der Spitze der Alterspyramide der in der elektronischen Zootierdatenbank Zims erfassten Tiere, nur noch übertroffen von einem 45-jährigen Weibchen.

Auch für die Jüngsten gibt es ein tägliches Training

Die beiden «Berliner Schnauzen» werden seit ihrer Ankunft ins tägliche Training miteinbezogen. Mit diesem Training wird die Grundlage gelegt, um die Tiere regelmässig stressfrei kontrollieren und medizinisch versorgen zu können. Dies ist wichtig, da Seehunde für den Tierarzt keine einfachen Pfleglinge sind. Will man sie näher untersuchen, kann man sie nicht einfach festhalten. Auch Narkosen sind risikoreich, da unter der Haut eine dicke Fettschicht liegt, die der Regulierung des Wärmehaushalts dient. Diese Fettschicht erschwert eine kontrollierte Dosierung des Narkosemittels.

Gut auf dieses Training spricht insbesondere Sinya an. Sie ist sehr vif und impulsiv und macht interessiert mit, wofür sie auch belohnt wird (sie ist denn auch eher gut genährt). Sinya kommt beim Training an Land und lässt sich auch anfassen. Da ist ihre Halbschwester Skadi schon deutlich zurückhaltender. Sie ist eher ein «Finöggeli» und tut sich noch schwer, sich anfassen zu lassen.

Seehunde – Robben generell – sind spielerisch veranlagt, neugierig und interessiert. Diese Eigenschaften nutzen die Tierpfleger gezielt, um ein Vertrauensverhältnis zu den Neuankömmlingen aufzubauen. Die angestrebte Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier beruht dabei auf Freiwilligkeit und wird ohne Druck und Strafe erzielt.

Chancen einer Reproduktion

Die weiteren Mitglieder der Seehund-Truppe sind das Weibchen Pila, 2015 im Neunkircher Zoo im Saarland geboren, und das Männchen Inuit, der 2008 im Zoo Zürich zur Welt kam. Weibliche Seehunde erlangen die Geschlechtsreife mit drei bis sechs Jahren. Während es bei den Berliner Damen noch ein paar Jahre dauern wird, bis sie sich an der Fortpflanzung beteiligen, dürfte es bei Pila demnächst so weit sein (Paarungszeit ist im Juli). Für unsere Seniorin Farah ist dieses Thema seit ein paar Jahren abgeschlossen.