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Junger Roter Vari im Masoala Regenwald im Zoo Zürich.
Mähnenibis mit Jungtieren im Masoala Regenwald im Zoo Zürich.
Junger Roter Vari im Masoala Regenwald im Zoo Zürich.
Roter Vari im Masoala Regenwald im Zoo Zürich.

Medien-Apéro Juni: 15 Jahre Masoala Regenwald

Auch nach 15 Jahren ist der Masoala Regenwald immer für Entdeckungen gut. Aktuelle Beispiele: die unterschiedlichen Kinderstuben von Roter Vari, Mähnenibis und Co.

In wenigen Tagen, am 30. Juni, ist es 15 Jahre her, seit der Masoala Regenwald fertig erstellt und eröffnet wurde. Erklärtes Ziel war es, einen möglichst naturnahen Regenwaldausschnitt zu gestalten und den Besuchern diesen Lebensraum «im Kleinen» mit allen Sinnen erlebbar zu machen. Zudem schlägt der Regenwald auf dem Zürichberg die Brücke zum Masoala Nationalpark in Madagaskar, einem bedeutenden Naturschutz-Engagement des Zoo Zürich.

Wenn der Masoala Regenwald vor 15 Jahren «fertig erstellt» wurde, so betrifft dies nur die bauliche Hülle. Das Innenleben, die Vegetation, ist bis heute einem dynamischen Prozess unterworfen. Was in den Anfängen wie eine Parklandschaft aussah, hat sich weitgehend zu einer Naturlandschaft entwickelt. Etwa 500 verschiedene Pflanzenarten stehen untereinander in Konkurrenz um Licht und Raum.

Das prägende Gestaltungselement ist die Vielfalt der Pflanzen mit ihren verschiedenen Blattformen und Grüntönen. Was uns Menschen optisch anspricht und fasziniert, hat aber auch als Lebensraum einer Vielzahl von Tieren zu genügen. Und auch diese Tiergemeinschaft ist dynamisch: Verschiedene Arten vermehren sich regelmässig und ihre Bestände müssen gut im Auge behalten werden.

Nachwuchs bei den Roten Varis …

Die Roten Varis sind die grössten Säugetiere im Masoala Regenwald und – wenn sie miteinander kommunizieren – auch die lautesten Bewohner der Anlage. Sie bringen saisonal ein bis drei, im Extremfall sogar bis fünf Junge zur Welt. Für die Geburt sucht sich das Weibchen eine Plattform, die sie mit Blättern und kleinen Zweigen etwas auspolstert. Die Jungen sind schon kurz nach der Geburt mobil und klettern im Nestbereich herum.

Bei der Wahl der Kinderstube zeigen die Tiere unterschiedliche Vorlieben. Am 22. Mai brachte das Weibchen Harena zwei Jungtiere in einem Schraubenbaum zur Welt. In einem dort wachsenden Vogelnestfarn hatte sie ein paar Ästchen als Nestunterlage zusammengetragen. Mit etwas Geduld waren die Jungtiere vom Baumkronenweg aus zu entdecken. Später hat die Mutter ihre Jungen in einen anderen Vogelnestfarn gezügelt, und in den letzten Tagen war die Familie auf der Seite des Restaurants unterwegs.

Etwas technophiler war die Nestplatzwahl des Weibchens Horaka. Sie hat ihr einzelnes Jungtier am 4. Juni auf dem unter der Passerelle des Baumkronenweges gespannten Stahlnetz auf einem Haufen abgestorbener Blätter geboren. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Roten Varis technische Einrichtungen nutzen. Oft bewegen sie sich auf der Stahlkonstruktion der Halle, überqueren diese so auch in schwindelerregender Höhe. Ein Weibchen nutzte auch schon eine Plattform der Unterhaltsbühne als Neststandort.

Ungewöhnlich ist hingegen, mit welcher Selbstverständlichkeit Horaka ihr Jungtier dann auf der Passerelle selbst absetzte – dort wo die Besucher zirkulieren. Das funktioniert nur, solange die Besucher diszipliniert sind und nicht versuchen, die Tiere zu berühren. Wohl wegen Bauarbeiten beim Turm verbrachte sie den gestrigen Dienstag mit ihrem Jungtier in einem nahegelegenen Baum.

… und bei den Mähnenibissen

Einen ersten Brutversuch startete ein Mähnenibis-Paar bereits im März in einem Nest vis-à-vis des Wasserfalls. In diesem Nest wurden in den vergangenen Jahren mehrere Bruten grossgezogen. Doch Mitte April stürzte das Nest mitsamt der kurz vor dem Schlupf stehenden Eier zu Boden.

Einen nächsten Brutversuch beobachteten wir in einem Blumenkistchen an der Aussenseite des grossen Aussichtsturms des Masoala Baumkronen-Wegs. Abgesehen vom Umstand, dass dieses Kistchen nur sehr beschränkt Platz bietet, hängt es nur knapp 50 Zentimeter von der Treppe entfernt, auf der die Besucher den Turm besteigen. Ein Dreier-Gelege bebrütete das Paar, aus dem um den 20. Mai etwas gestaffelt drei Küken schlüpften. So bot sich den Besuchern die Möglichkeit, aus nächster Nähe die Aufzucht der Küken zu beobachten.

Mit zunehmender Grösse der Jungen wurden die Platzverhältnisse im Blumenkistchen immer prekärer. Die ersten Trainings mit den Flügeln wurden ob der Enge zu einem richtigen Balanceakt. Gestern Dienstag stürzte dann das jüngste Küken ab und zog sich dabei tödliche Verletzungen zu.

Ein zweites Mähnenibis-Paar hat anfangs Mai im Dickicht eines Baumes ein Nest gebaut. Dort ist um den 10. Juni zumindest ein Küken geschlüpft – dasNest ist nur schwer einsehbar.

In den Bäumen brütende Ente

Der Masoala Regenwald beherbergt mit den Madagaskar- und Bernierenten zwei inzwischen im Bestand gefährdete madagassische Entenarten. Während die Madagaskarente ein Bodenbrüter ist, legt die Bernierente ihr Nest in den Bäumen in Aufsitzerpflanzen wie Farnen an. Die Jungen springen dann nach dem Schlupf ein paar Meter in die Tiefe, um mit den Eltern ein Gewässer zu erreichen.

Ein Paar hat sich aktuell auch ein Blumenkistchen an der Aussenseite des grossen Turms, noch etwas höher als die Mähnenibisse, zum Brüten ausgesucht. Dort sitzen die Altvögel gut sichtbar im mit Daunenfedern ausgepolsterten Nest.

Start in ein zunächst unscheinbares Leben

Während die erwachsenen Panterchamäleons sehr farbenprächtig sein können, sind die Jungtiere unscheinbar gefärbt und von ihrer Grösse her nur schwer zu entdecken. Die Weibchen heben zur Eiablage am Boden eine Grube aus, legen ihre bis zu vierzig Eier hinein, schütten die Grube wieder zu und verwischen alle Spuren. Rund 280 Tage bis über ein Jahr dauert die Inkubationszeit, bis die Jungtiere schlüpfen.

Wir haben einerseits eine «natürliche» Fortpflanzung im Masoala Regenwald, andererseits nehmen wir auch Weibchen kurz vor der Eiablage in den Hintergrund und brüten die Eier anschliessend kontrolliert in Inkubatoren aus. In der Halle aufgefundene Jungtiere werden – um ihre Überlebenschance zu erhöhen – bis zu einer gewissen Grösse im Hintergrund betreut.

Noch diskreter sind die nachtaktiven Plattschwanzgeckos. Sind schon die sich auf ihre Tarnung verlassenden erwachsenen Tiere nicht leicht zu entdecken, machen da die nur etwa acht Zentimeter langen Jungtiere noch mehr Mühe. Jeweils zu zweien legen die Plattschanzgeckos ihre Eier in Nischen wie an Bäumen hochwachsenden Farnen ab. Sowohl frisch geschlüpfte Jungtiere wie auch Eier werden gelegentlich in der Halle entdeckt.