Schwalbe mit Schnurrbart
In der Voliere beim Haupteingang ist eine neue Vogelart eingezogen: die Inkaseeschwalbe. Weshalb ihr «Schnurrbart» nicht wirklich ein Bart aber trotzdem wichtig ist und wie es in der Natur um den Vogel steht, berichten wir hier.
Die Gäste können im Zoo Zürich neu Inkaseeschwalben (Larosterna inca) beobachten. Anfang April sind sieben Männchen und fünf Weibchen in die Voliere beim Haupteingang eingezogen. Ihren Lebensraum teilen sie sich mit Roten Ibissen, die ebenfalls ursprünglich aus Südamerika stammen und wie die Inkaseeschwalben das Wasser lieben. Als Koloniebrüter sind die Inkaseeschwalben sehr gesellig und lassen sich häufig beim ausgiebigen und gemeinsamen Baden beobachten.
Video: Zoo Zürich, Tim Benz
Massiver Rückgang
Inkaseeschwalben gehören mit ihren markanten weissen Federn im Gesicht zu den auffälligsten Küstenbewohnern Südamerikas. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt sie auf der Roten Liste als gefährdet auf. Zwar konnte sich die Inkaseeschwalbe in der Vergangenheit nach starken Bestandseinbrüchen jeweils wieder erholen. Insgesamt sind die Wildbestände aber von Millionen von Tieren auf nur noch rund 150'000 zusammengeschrumpft. Und die Tendenz ist weiter abnehmend.
Von millionenfach zu 150'000: Die Anzahl Inkaseeschwalben in der Natur ist drastisch zurückgegangen. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz
Artenschutz gehört zu den Hauptaufgaben des Zoo Zürich. Mit dem Einzug der Vögel beteiligt sich der Zoo im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) für diese Art am Erhalt einer Reservepopulation der Inkaseeschwalbe ausserhalb ihres natürlichen Lebensraums.
Auffälliger Federschmuck
Auffälligstes Merkmal der Inkaseeschwalbe ist ihr weisser «Schnurrbart», der korrekterweise allerdings gar kein Bart ist, sondern aus Backenfedern besteht. Beidseits des knallroten Schnabels ziehen sich lange schneeweisse Federn, geschwungen wie ein aufwendig gepflegter Schnurrbart, über das ansonsten schwarze Erscheinungsbild des Vogels.
Hübsch mit «Schnurrbart»: Sowohl das Männchen als auch das Weibchen der Inkaseeschwalbe trägt den auffälligen weissen Federschmuck im Gesicht. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.
Sowohl Männchen wie Weibchen tragen den auffälligen Federschmuck. Die Wissenschaft geht davon aus, dass der weisse «Schnurrbart» mit dem Gesundheitszustand der Tiere zusammenhängt. Untersuchungen haben gezeigt: Je länger und üppiger die Federn, desto besser die körperliche Verfassung. Ein grosser Pluspunkt bei der Balz, denn so verspricht der Federschmuck gesünderen und resistenteren Nachwuchs.
Geschickte Fischjäger
Ihren Namen verdankt die Inkaseeschwalbe auch dem legendären Volk der Inka. Das natürliche Verbreitungsgebiet des Vogels erstreckt sich entlang der Pazifikküste von Peru bis nach Chile – dort, wo die Inkas lebten.
Am Wasser zu Hause: Die Inkaseeschwalbe ist eine Küstenbewohnerin. Foto: Zoo Zürich, Fabio Süess
Als Küstenbewohner sind Inkaseeschwalben ausgezeichnete Fischjäger. Ihre Hauptnahrungsquelle sind Sardellen, die im Pazifik in grossen Schwärmen vorkommen und reichlich Beute versprechen. Anhaltende Überfischung sowie klimabedingte Veränderungen von Meeresströmungen und Wassertemperaturen führen jedoch dazu, dass die Fischschwärme zunehmend unregelmässiger auftreten oder sogar ganz ausbleiben.
In der Natur ist die Peruanische Sardelle die wichtigste Beute der Inkaseeschwalbe. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.
Bei uns im Zoo verfüttern wir keine Sardellen. Die Inkaseeschwalben erhalten stattdessen einen hochwertigen Mix aus Muscheln, Fischen, Mehlwürmern und spezifischen Pellets für fischfressende Vögel.
Eine weitere, zunehmende Gefahr für die Inkaseeschwalbe ist die Vogelgrippe. Gerade bei in Kolonien lebenden Wasservögeln kann sie verheerende Auswirkungen haben.
Gemeinsam statt einsam: Inkaseeschwalben brüten in grossen Kolonien. Foto: Zoo Zürich, Fabio Süess