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  • Orangeaugen-Laubfrosch im Zoo Zürich.

    Frosch vs. Pilz

    In der Forschungsstation ist ein neue Froschart eingezogen. Was sie auszeichnet, womit sie in der Natur kämpft und was wir dagegen tun, berichten wir hier.

    Die Suche nach dem Orangeaugen-Laubfrosch (Agalychnis annae) in Raum 3 der Forschungsstation ist gar nicht so einfach. Denn der mehrheitlich nachtaktive Frosch faltet sich tagsüber klein zusammen und verharrt reglos in einer Art Ruhemodus. Die Gliedmassen legt er dafür eng an den Körper, die Augen sind nur noch kleine Schlitze.

    In der Forschungsstation verharrt er so auf Blättern oder an den Glasscheiben des Terrariums. Von oben sieht er dabei aus wie ein grüner Stein – von unten durch die Glasscheibe betrachtet hingegen wie ein Saugnapf.

    Video: Zoo Zürich, Tim Benz

    Der Orangeaugen-Laubfrosch gehört zur Familie der Greiffrösche. Er ist deshalb ein ausgesprochen guter Kletterer. Ausserdem kann er seine Farbe verändern. So ist sein grüner Körper tagsüber eher blass. In der Dämmerung und Nacht, der aktiven Zeit des Froschs, verstärkt sich die Farbe und wird kräftiger. Man nennt dies «Metachrose». Sie hilft dem Frosch bei der Tarnung, der Kommunikation und der Temperaturregulierung.

    Auf Bäumen zu Hause

    Das natürliche Verbreitungsgebiet des Orangeaugen-Laubfrosches sind die tropischen Wälder Costa Ricas. Dort bewohnt er vor allem die unteren, feuchten Baumetagen. Er verfügt über ein grosses Repertoire an Lauten und Rufen. Die Männchen locken damit entweder Weibchen an oder grenzen ihr Territorium gegenüber Konkurrenten ab.

    Orangeaugen-Laubfrosch im Zoo Zürich.

    Flink im Geäst: der Orangeaugen-Laubfrosch ist ein Kletterkünstler. Foto: Zoo Zürich, Albert Schmidmeister

    Der Orangeaugen-Laubfrosch ist bedroht. In grossen Teilen seines natürlichen Verbreitungsgebiets ist er sogar bereits ausgestorben. Dafür gibt es vor allem drei Gründe: Lebensraumverlust durch Abholzung; Veränderung der klimatischen Bedingungen durch den Klimawandel; und der Chytridpilz.

    WEltweite Bedrohung

    Der Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis) befällt ausschliesslich Amphibien. Er hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer der grössten Bedrohungen für Amphibienarten weltweit entwickelt. Er ist mit ein Grund, warum Amphibien als die am stärksten gefährdete Wirbeltierklasse gelten. 41 Prozent aller Amphibienarten weltweit drohen zu verschwinden.

    Orangeaugen-Laubfrosch im Zoo Zürich.

    Es grünt so grün: Der Orangeaugen-Laubfrosch kann die Intensität seiner Körpferfarbe variieren. Man nennt das Metachrose. Foto: Zoo Zürich, Albert Schmidmeister

    Der Chytridpilz ist dabei kein Phänomen tropischer Regenwälder. Auch in der Schweiz kann er alle Amphibienarten befallen. Der Pilz ist deshalb auch hierzulande eine ernste Bedrohung für die Amphibienvielfalt.

    Störung der Hautfunktion

    Der infektiöse Pilz befällt die Haut von Amphibien. Bei befallenen Tieren verdickt sich die Hornschicht, vermutlich als Abwehrreaktion des Körpers. Diese Verdickung beeinträchtigt wichtige Körperfunktionen wie zum Beispiel die Thermoregulation oder die Wasseraufnahme. Ausserdem wird der Sauerstoffaustausch stark beeinträchtigt, was oft zum Tod führt – Amphibien atmen unter anderem über ihre feuchte Haut.

    Orangeaugen-Laubfrosch im Zoo Zürich.

    Schau mir in die Augen, Kleines: Der Orangeaugen-Laubfrosch fasziniert mit seinen goldgefärbten Augen. Foto: Zoo Zürich, Albert Schmidmeister

    Der Ursprung des Pilzes liegt vermutlich in Asien. Dass viele der dort lebenden Amphibienarten gegen den Chytridpilz resistent sind, untermauert diese Theorie. In den 1980-er Jahren wurde der Pilz aus Asien verschleppt und verbreitete sich zunächst vor allem in Südamerika und Australien. Inzwischen hat er sich zu einer globalen Epidemie entwickelt.

    Schwierige Behandlung

    Die Wissenschaft erforscht den Pilz intensiv. Unter kontrollierten Laborbedingungen gibt es erste wirksame Gegenmassnahmen. Eine flächendeckende Anwendung dieser Massnahmen in der Wildnis ist bisher jedoch äusserst schwierig bis unmöglich.

    Orangeaugen-Laubfrosch im Zoo Zürich.

    In der Natur ist der Orangeaugen-Laubfrosch bedroht. Hauptgründe dafür sind der Lebensraumverlust, der Klimawandel und der Chytridpilz. Foto: Zoo Zürich, Albert Schmidmeister

    Amphibienschutz in Kolumbien

    Der Zoo Zürich engagiert sich seit bald 20 Jahren – genauer seit 2006 – mit dem Naturschutzprojekt «Amphibian Survival» für die Erforschung und den Schutz von über 70 Froscharten in Südamerika. Kolumbien zählt zu den Ländern mit der grössten Vielfalt an Amphibien weltweit und ist ein Hotspot der Biodiversität.

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    Orangeaugen-Laubfrosch im Zoo Zürich

    Im Zoo Zürich ist der Orangeaugen-Laubfrosch in der Forschungsstation zu finden. Foto: Zoo Zürich, Albert Schmidmeister