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  • Sonderausstellung Conrad Gessner

    Medien-Apéro März: Conrad Gessner

    Heute Mittwoch hat der Zoo Zürich seine Sonderausstellung «Conrad Gessner: erster moderner Mensch und Vater der Zoologie» eröffnet. Die dezentrale Ausstellung an dreizehn Standorten im ganzen Zoogelände ist bis am 23. Oktober 2016 zu sehen.

    2016 jährt sich der Geburtstag des berühmten Zürcher Mediziners, Naturforschers und Universalgelehrten Conrad Gessner zum 500. Mal. Der Zoo Zürich zeigt aus diesem Anlass die Sonderausstellung «Conrad Gessner: erster moderner Mensch und Vater Zoologie». Sie beleuchtet an dreizehn verschiedenen Standorten im Zoo Aspekte der zoologischen Forschung Conrad Gessners.

    Die Ausstellung verfolgt zwei Ziele:

    • Erstens will der Zoo Zürich dem heutigen Menschen die Denkweise Gessners näherbringen. Im Zoo kann der Besucher die beschriebenen Tiere mit dem Original direkt vergleichen;
    • Zweitens ist Conrad Gessner einer der grössten Wissenschaftler Zürichs und der Schweiz. Er war einer der ersten, der Zürich zur Wissenschaftsstadt gemacht hat, unterstützt durch die Humanisten der Reformation, insbesondere durch Zwingli. Noch stärker als die Ausstellungen im Landesmuseum und im Zoologischen Museum setzt der Zoo Zürich darauf, die breite Bevölkerung mit diesem ausserordentlichen Menschen und seinen Leistungen in einer attraktiven Ausstellung bekannt zu machen.

    Wettbewerb «Gessner-Trophy»

    Zur Gessner-Sonderausstellung im Zoo Zürich gehört weiter ein Wettbewerbs-Parcours. An zwölf der dreizehn Standorte gibt es eine Frage zu beantworten und den entsprechenden Lösungsbuchstaben in die Karte der «Gessner-Trophy » einzutragen. Alle Teilnehmer mit dem richtigen Lösungswort nehmen an einer Verlosung teil, bei der es Schweizer Museumspässe zu gewinnen gibt.

    Die Person Conrad Gessner

    Conrad Gessner gilt als Begründer der modernen Zoologie. Wenn man von ihm spricht, stehen meist seine zoologischen Werke im Vordergrund. 1532 schrieb er «von einem Heisshunger, von allen Dingen so viel wie möglich kennenzulernen» und: «Woher bezog Aristoteles seine Kenntnisse so vieler Dinge, der Pflanzen und Tierwelt, wenn nicht einzig und allein vom Reisen her. Es ist doch keineswegs wahrscheinlich, dass ihm das ein Geist eingab, während er zu Hause hinterm Ofen hockte». Hier wird sein naturwissenschaftliches Interesse ersichtlich, nicht nur jenes für Pflanzen, sondern auch für Tiere. Zudem zeigt sich hier, wie der damals 16-jährige Gessner dachte und Wissenschaft betreiben wollte und, noch wichtiger, seine Entdeckung des für ihn so wichtigen Aristoteles, auf dessen Grundlage er seine Studien aufbaute.

    Für den frommen Gessner waren die Früchte und das Ziel seiner Arbeit die Bewunderung der Werke Gottes, auch von «unnützen» Tieren. Es ging ihm um die Kenntnis an sich. «Ein armer und engdenkender Geist ist einer wirklich, der überall nach Nutzen und Profit strebt. Viele wundervolle Dinge bringen ihrem Besitzer keinen Nutzen und Profit, gefallen und faszinieren aber allein durch ihre Schönheit». Gessner vergleicht Tiere mit Juwelen, die bewundert werden wegen ihrer reinen Schönheit, ihres Funkelns in verschiedenen Farben – sie sind aber tote, unbewegliche und «inerte» Gegenstände.

    Gessner war mit Sicherheit sehr stolz auf seine «Historia animalium». In seiner Widmung der Icones an Königin Elisabeth von England schreibt er, die Betrachtung aller und jeglicher Dinge des Universums sollte uns zur besseren Erkenntnis Gottes führen, und unsere Herzen durch fromme Gesinnung zum Schöpfer erheben.

    Für Konrad Gessner galt als Forschungsgrundsatz «observando, dessecando, peregrinando, scribendo». Gessner stellte die eigene Beobachtung über alles. Nur was er selbst nachgeprüft hatte, war für ihn Tatsache. Deshalb war die Beobachtung der Tiere, ihre Anatomie und ihr Verhalten für ihn wichtig.

    Conrad Gessners Zoologie

    In seiner mehrbändigen «Historia animalium» beschreibt Conrad Gessner Vierbeiner, Vögel, Wassertiere, Schlangen und Skorpione. Die Sonderausstellung im Zoo Zürich geht auf eine Auswahl davon ein. Hier folgen vier Beispiele:

    Das Kamel oder Trampeltier

    Bereits vor Jahrtausenden wurden sie domestiziert und dem Menschen nutzbar gemacht: Die Wüstenschiffe waren als Transporttiere auf der Seidenstrasse wesentlich dafür verantwortlich, dass sich unsere europäische Kultur entwickeln konnte. Viele Handelsgüter, Gewürze und Stoffe wären ohne Trampeltiere erst viel später zu uns gekommen. Die Tiere sind ausdauernd und nur wenig hitze- und kälteempfindlich.

    In der Schlussfolgerung, die weichen Sohlen der Kamele seien empfindlich und müssten auf langen Strecken geschützt werden, irrte sich Conrad Gessner. Hingegen wusste er schon recht gut Bescheid über das Verdauungssystem der Tiere: Kamele sind Wiederkäuer. Parallel zu den eigentlichen Wiederkäuern haben die Kameliden zur effizienteren Verdauung von Pflanzenmaterial ein vergleichbares Verdauungssystem entwickelt, das einen dreiteiligen Magen und das Wiederkauen einschliesst.

    Die Kamele waren nicht nur wichtig für den Austausch von Kulturgütern, sie haben mit ihren vielfältigen Anpassungen an harsche Lebensbedingungen dem Menschen die Besiedlung der innerasiatischen Steppen ermöglicht. Nicht nur als Tragtiere sind sie dabei von Bedeutung, sie tragen mit Milch und Fleisch zur Ernährung bei, liefern wertvolle Wolle und ihr Kot kann als Brennstoff eingesetzt werden.

    Der Mongolische Wolf

    Der Wolf ist der grösste Vertreter der Familie der Hundeartigen, das Körpergewicht variiert je nach Unterart zwischen 15 und 80 Kilogramm. Die Jäger leben in Rudeln mit komplexer sozialer Organisation. Dank dieser Gruppenstruktur sind sie in der Lage, Beutetiere zu erlegen, die ihre eigene Körpergrösse wesentlich übertreffen. Nur das Alpha-Paar pflanzt sich fort. Es wird bei der Aufzucht der Jungen durch die anderen Gruppenmitglieder unterstützt.

    Der Wolf ist das am weitesten verbreitete Säugetier, sein Verbreitungsgebiet umfasste ursprünglich ganz Eurasien mit Ausnahme der tropischen Regionen sowie Nordamerika. In verschiedenen Teilen dieses Verbreitungsgebietes ist der Wolf ausgerottet oder sind seine Bestände durch Bejagung oder Veränderung des Lebensraums stark dezimiert worden.

    Den Wölfen eilt nicht gerade ein guter Ruf voraus. Dieser Ruf basiert in der Regel jedoch nicht auf eigener Erfahrung, sondern auf (übler) Nachrede. Wohl tritt der Wolf als Konkurrent auf, wenn er demselben Wild nachstellt wie der Mensch, oder als «Schädling», wenn er sich an Haustieren gütlich tut. Eine direkte Gefahr für den Menschen stellt er aber – ausser im Märchen – nicht dar. Ganz im Gegenteil: Der Wolf ist die Stammform des Haushundes und damit des ältesten und treuesten Wegbegleiters des Menschen. Und wenn man all die Vorzüge und Qualitäten der Haushunde in Rechnung stellt, so muss der Wolf als deren Vorfahre ein Säugetier der Superlative sein!

    Eventuell ist der Wolf an verschiedenen Orten domestiziert worden. Eine These besagt, dass der Haushund auf einen kleineren Wolf zurückgeht, der vor 12'000 bis 15‘000 Jahren in China domestiziert worden ist. Sollte die (eine) Wiege des Haushundes tatsächlich in China liegen, so dürfte der Mongolische Wolf (Canis lupus chanco) die Ausgangsform gewesen sein für die gegen 200 heute bekannten Hunderassen, vom Pekinesen bis zur Dogge.

    Zu den Mongolischen Wölfen gehören auch die im Zoo Zürich gepflegten Wölfe. Auf die Eröffnung der neuen Wolfsanlage im Jahr 2002 wurden Tiere aus der Mongolei importiert. Auch wenn die Viehzüchter dort bis zu zwei Prozent ihrer Haustierbestände durch Wölfe verlieren, trachteten sie ursprünglich nicht nach deren Ausrottung. Da die Nachfrage nach den Körperteilen des Wolfes, die in der chinesischen Medizin vielfältige Verwendung finden, gestiegen ist, sind die Wölfe heute aber in der Mongolei massiven Jagddruck ausgesetzt.

    Der Waldrapp

    Erstmals erwähnt finden wir den Waldrapp in der «Historia avium» von Conrad Gessner. Dort ist eine Abbildung dieses seltsamen Vogels zu finden und Gessner schreibt, er habe ein «Streuslein hinter sich gricht» und lebe in schroffen Felsen. Jahrhundertlang rätselte man über die Verwandtschaft dieses seltsamen Vogels. Wegen seiner schwarzen Farbe wurde er insbesondere den Krähen zugeordnet. 1897 stellten die Ornithologen Rotschild, Hartert und Kleinschmidt fest, dass der Waldrapp identisch ist mit dem 1825 am Roten Meer entdeckten Schopfibis.

    Im 16. Jahrhundert war der Waldrapp in der Schweiz offenbar noch häufig anzutreffen. Anfangs 17. Jahrhundert wurde er in den europäischen Alpen aber ausgerottet. Einerseits, weil verschiedene für die Nahrungssuche wichtige Sumpfgebiete melioriert wurden, andererseits, weil vor allem die Jungvögel eine beliebte Speise waren. Auch dürften Klimaveränderungen zum Rückgang der Bestände beigetragen haben. Als die Wissenschaft den Waldrapp zu Beginn des 19. Jahrhunderts wieder entdeckte, beschränkte sich dessen Verbreitungsgebiet auf die Türkei, Algerien und Marokko.

    Im deutschen Namen Waldrapp finden sich keine konkreten Hinweise, die eine Charakterisierung des so genannten Vogels erlauben. Konkreter ist da schon der lateinische Gattungsname Geronticus: der Greisenhafte. Adulte Waldrappe teilen das Merkmal vieler insbesondere älterer Leute, nämlich die Glatzköpfigkeit. Das Gefieder des Waldrapps ist schwarz mit metallisch grünem, purpurfarbenem Glanz. Den unbefiederten, in der Brutzeit kräftig blutrot gefärbten Kopf säumen lange Nackenfedern (ein früherer lateinischer Artname lautet comatus: langhaarig, gut frisiert). Mit seinem langen und gebogenen Schnabel gehört der Waldrapp in die Familie der Ibisse und Löffler.

    Waldrappe sind ausgesprochen soziale Vögel. Sie brüten in Kolonien, gehen in Trupps auf Futtersuche und finden sich abends in grösseren Gruppen an Schlafplätzen ein. Als Brutplätze bevorzugen sie steile Felswände, wo sie auf Simsen, in Spalten und Höhlungen ihre Nester anlegen. Das Gelege umfasst 1 bis 4 Eier und wird während 28 Tagen bebrütet. Die Jungen werden mit 40 bis 50 Tagen flügge und erreichen mit 2 bis 3 Jahren die Geschlechtsreife. Die Nahrung besteht aus Kleintieren wie Schnecken, Heuschrecken, Käfern und deren Larven, Reptilien und Krebsen.

    Sechs Waldrappe aus dem Zoo Basel haben 1971 den Grundstock für die Kolonie in Zürich gelegt. Seit ein paar Jahren wird in einem Projekt in Österreich versucht, den Waldrapp im Alpenraum wieder heimisch zu machen. Handaufgezogene und auf das Nachfolgen eines Leichtflugzeuges trainierte Vögel wurden von einem Sommereinstand in Österreich zu einem Überwinterungsgebiet in Italien geleitet. Hier geht es darum, wieder eine Population mit einer Zugtradition aufzubauen, damit der Alpenraum überhaupt als Lebensraum genutzt werden kann. Auch Jungvögel aus der Kolonie des Zoo Zürich sind für dieses Projekt zur Verfügung gestellt worden.

    Die Galapagos-Riesenschildkröte

    Rund 1000 Kilometer vom ecuadorianischen Festland entfernt erhebt sich eine Vulkankette aus dem Pazifik. Die erdgeschichtlich sehr jungen Galapagosinseln sind die Heimat der Riesenschildkröten. Riesenformen dieser Reptilien finden sich heute noch auf den Seychellen und auf Aldabra. Vor einigen Jahrhunderten lebten Riesenschildkröten im Indischen Ozean auch auf Madagaskar, Mauritius, Reunion und Rodriguez, bevor sie durch menschliche Einflüsse ausgerottet wurden.

    Die Chronologie der Ausrottungen verlief auf allen Inseln ähnlich: Mit dem Zeitalter der Seefahrt wurden die kleinen Inselgruppen von Wal- und Robbenfängern, von Piraten und Siedlern «entdeckt» und mit ihnen auch das wohlschmeckende Schildkrötenfleisch. Zu Tausenden wurden die Riesenreptilien in Schiffe verladen, wo sie aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit als «lebende Konserven» über Monate eine willkommene Abwechslung zum Schiffszwieback darstellten. Beschrieb schon Conrad Gessner die Verwendung von Schildkröten in der Küche und in der Heilkunde und bediente sich in historischer Zeit die Seefahrt dieser Tiere als Proviant, so stellt der Kochtopf bis heute insbesondere im asiatischen Raum einen ganz erheblichen Gefährdungsfaktor für viele Schildkrötenarten dar.

    Die Seefahrer plünderten nicht nur die Bestände der Riesenschildkröten, sie brachten zu allem Übel auch noch Schweine, Hunde, Katzen und Ratten mit auf die Inseln, die sich an den Gelegen und an den frischgeschlüpften Schildkröten gütlich tun. Eingeführte verwilderte Esel und vor allem Ziegen stellen überdies überlegene Nahrungskonkurrenten für die pflanzenfressenden Riesenschildkröten dar. Vier Unterarten der Galapagos-Riesenschildkröte wurden durch menschliche Einflüsse bereits ausgerottet. Die zehn verbleibenden Unterarten sind alle sehr stark bedroht.