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15.05.19

Kinderstuben in luftiger Höhe

21 freifliegende Storchen-Brutpaare haben sich auf dem Zürichberg eingefunden.

Über dem Zoo Zürich herrscht derzeit reger geräuschloser Flugverkehr. Daran beteiligt sind einerseits Graureiher, die mit einigen Brutpaaren im Zoo residieren. Ein weit grösseres «Flugvolumen» erzeugen aber die Weissstörche. Sie fliegen heuer 21 Horste im Zoobereich an – ein neuer Höchstwert für Zürich!

Europäische Weissstörche im Zoo Zürich.
Gut behütet: junge Weissstörche mit einem ihrer Eltern. Foto: Zoo Zürich, Robert Zingg

Von den 21 diesjährigen Paaren sind 11 Vögel unberingt. 6 der Störche sind aus Deutschland zugeflogen, 3 im Zoo Basel geschlüpft und einer in den Langen Erlen (Basel). Weitere Vögel sind zugezogen aus den Gemeinden Hombrechtikon, Riedikon (Uster), Mönchaltdorf, Steinmauer, Wetzikon, Meerenschwand, Muri und Murimoos, Brittnau, Möhlin und Uznach. 5 Störche sind «Eigengewächse», auf dem Zürichberg geschlüpft und zur Brut hierher zurückgekehrt. Dazu zählt auch das bereits erwähnte Weibchen aus dem ersten Freiflieger-Jahrgang, das nunmehr 29 Jahre alt ist! Die Ringnummern verraten uns auch, das eines der Brutpaare ein gleichaltriges Geschwisterpaar ist.

Europäische Weissstörche im Zoo Zürich.
Die Europäischen Weissstörche sind saisonal im Zoo Zürich. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini

Die Störche schleppen derzeit Nestmaterial zum Ausbessern der Nester und insbesondere Futter für ihre heranwachsenden Jungen an. Wie viele Jungvögel dieses Jahr geschlüpft sind, können wir derzeit noch nicht sagen. Da und dort sieht man aber bereits Junge ihre Hälse recken, wenn ein Altvogel Futter ans Nest bringt. Einen guten Einblick hat man in den Horst in der Kamel- und Kropfgazellen-Anlage, wo drei Jungstörche heranwachsen.

Europäischer Weissstorch im Zoo Zürich.
Europäischer Weissstorch. Foto: Zoo Zürich, Tobias Kramer

Rückkehr dank Wiederansiedlungen

Dass es in der Schweiz überhaupt wieder freiliebende Störche gibt, ist Wiederansiedlungen zu verdanken. Illegale Jagd, Industrialisierung, Umweltverschmutzung und Lebensraumverlust sowie später storchenunfreundlich gebaute Stromleitungen und der Strassenverkehr hatten die Storchenbestände ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stark zurückgehen und den Storch Mitte des letzten Jahrhunderts schliesslich ganz verschwinden lassen.

Audio-Track: Wie klingt ein Storch?

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Beringung der Jungstörche

Jedes Jahr beringen wir im Zoo Zürich mit der tatkräftigen Hilfe von Schutz & Rettung Zürich die jungen Weissstörche in ihren Horsten – zum Teil in schwindelerregender Höhe.

Archivvideo der Storchenberingung 2015. Video: Zoo Zürich, Nicole Schnyder

Dank der ums Bein gelegten Marken können die Tiere überall auf der Welt eindeutig identifiziert werden.

Storchenzug erforschen

Als Zugvögel sind die Europäischen Weissstörche saisonal im Zoo Zürich zu Gast. Ihr Zugverhalten wird in einem Projekt erforscht, das der Zoo Zürich unterstützt. In den vergangenen Sommern waren einige Jungstörche mit einem GPS-Datenlogger versehen worden, um Daten zu den individuellen Wanderrouten der Tiere zu sammeln. Zudem werden im Zoo Zürich nicht nur alle Jungstörche beringt, sondern es wird auch über jeden Zuchterfolg Buch geführt. Die gewonnen Daten gibt der Zoo an die Vogelwarte Sempach weiter.

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