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  • Westlicher Flachlandgorilla Bwana im Zoo Zürich.

    Zoonews-Magazin Herbst 2025: Bwana und sein Quartett

    Das Printmagazin «Zoonews Herbst 2025» ist erschienen. Im Fokus der Ausgabe steht die Neuzusammensetzung der Gorillagruppe. Wir erklären, wie die Zusammenführung des neuen Silberrückens mit den Weibchen funktioniert und was die Ziele für die Zuchtgruppe sind.

    Zoonews Herbst 2025

    Das Zoonews Herbst 2025 als PDF herunterladen:

    Fokusthema: Kopfüber in die Zukunft

    Im künftigen Ndoki Wald trägt die erfolgreiche Zucht der vom Aussterben bedrohten Gorillas zum Artenschutz bei. Schon heute ist die Gruppe dafür komplett. Aber ist sie auch bereit?

    Text: Dominik Ryser

    Zunächst nur ein prüfender Blick aus dem Durchgang der Hintergrundanlagen, dann tritt der massige Körper des Silberrückens Bwana hervor. Hat er Futter gefunden und seinen Platz eingenommen, ist dies das Zeichen für die vier Gorilla-Weibchen, ihrem Haremsführer zu folgen. Doch bis es zur heute erfolgreichen Gruppenbildung kam, musste Bwana seine Stellung als Chef beweisen.

    Westliches-Flachlandgorilla-Weibchen Ivindo im Zoo Zürich.

    Eines der Gorilla-Weibchen in Bwanas Harem: Ivindo. Foto: Zoo Zürich, Fabio Süess

    Der Anführer und seine Aufgaben

    Der Silberrücken ist das dominante Männchen in einer Gorilla-Gruppe, die aus mehreren Weibchen und ihren Jungtieren besteht. Man erkennt ihn an seiner Grösse und am silbrig glänzenden Rückenfell. Als Anführer der Gruppe trägt er grosse Verantwortung: Er sorgt für Sicherheit und Zusammenhalt. Da können auch mal die Fetzen fliegen.

    Die neue Gruppe formt sich

    Im Mai dieses Jahres trafen Bwana aus dem Zoo Warschau, das Zürcher Weibchen Haiba und drei weitere Weibchen aus verschiedenen europäischen Zoos erstmals aufeinander. Die Gruppenkonstellation hat das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) definiert. Diese Gruppe wird in ein paar Jahren auch in den Ndoki Wald ziehen.

    Die ersten Wochen der neuen Gruppe verliefen in einem Auf und Ab. Bei der Klärung der Rangordnung kam es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen. Bwana setzte seine Regeln autoritär durch, wobei die Weibchen zum Teil Verletzungen davontrugen. Dieser Prozess war zu erwarten. Dieses Verhalten zeigen Gorillas sowohl in Zoos als auch in der Wildnis.

    Westliche Flachlandgorillas Mayumi (l.) und Virunguita im Zoo Zürich.

    Mayumi. Foto: Zoo Zürich, Fabio Süess

    Heilsame Prozesse

    Wildtiere wie die Gorillas verfügen über eine schnelle Wundheilung. Mit der zusätzlichen medikamentösen Unterstützung der Tierärztinnen können die Spuren der Auseinandersetzungen daher gut und zügig verheilen. Und: Die Angriffe durch Bwana werden immer seltener. Ein deutliches Zeichen, dass sich die Rangordnung in der Gruppe stabilisiert.

    Erhalt der bedrohten Gorillas

    Seit Ende Juni beobachten wir erste Paarungen. Ein weiteres wichtiges Signal für die einkehrende Ruhe in der Gruppe. So könnte es durchaus sein, dass mit etwas Glück bereits ab nächstem Jahr die ersten Jungtiere zur Welt kommen. Das bringt uns auch unserem übergeordneten Ziel einen Schritt näher. Denn mit dem dringend benötigten Nachwuchs unterstützen wir den Erhalt der Reservepopulation des vom Aussterben bedrohten Westlichen Flachlandgorillas.

    Westliches-Flachlandgorilla-Weibchen Virunguita im Zoo Zürich.

    Virunguita. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini