Wer schützen will, muss bilden
In den Naturschutzprojekten des Zoo Zürich geht es nicht nur um Tiere und Lebensräume, sondern auch um die Menschen, die in unmittelbarer Nähe zu diesen leben. Integrierter Naturschutz heisst das und bedeutet nichts anderes, als dass die lokale Bevölkerung in den Natur- und Artenschutz miteinbezogen wird. Ein schönes Beispiel dafür, wie dies aussehen kann, ist die Eröffnung von vier neuen Klassenräumen an der Rugusu-Primarschule im Südosten des Naturschutzgebiets Lewa in Kenia.
Ende Januar war es soweit: Mit einem feierlichen Festakt durften die Schüler*innen der Rugusu-Primarschule ihre brandneuen und voll ausgestatteten vier Klassenräume in Empfang nehmen. Ein grosser und freudiger Moment für alle Beteiligten.
Purity Kinoti, Leiterin Edukation Lewa Wildlife Conservancy und Naturschutzbeauftragte des Zoo Zürich, spricht an der Eröffnungsfeier für die vier neuen Schulzimmer. Foto: Lewa Wildlife Conservancy.
In den vergangenen zwei Jahren hatte die Anzahl Schüler*innen an der Grundschule am südöstlichen Rand des Naturschutzgebiets Lewa von 362 auf fast 600 stark zugenommen. Die Kapazitäten reichten bei weitem nicht mehr aus. Es gab nur drei provisorische und völlig unzureichend ausgestattete Behelfsräume. Förderliches und sicheres Lernen war kaum noch möglich.
Bildung ist Basis für Artenschutz
Ein Zustand, der letztlich auch dem Natur- und Artenschutz schadet. Denn Bildung ist die Grundlage von Natur- und Artenschutz. Nur wer die Natur versteht, ihren Wert schätzt und weiss, dass die eigene Existenz von einer funktionierenden Natur abhängt, ist auch bereit, sich für diese einzusetzen. Und je früher diese Erkenntnis einsetzt, desto effektiver ist sie. Denn mit grosser Wahrscheinlichkeit wird ein Mensch, der diese Zusammenhänge kennt, sein Leben anders führen als jemand, dem dies nie erklärt wurde.
In unseren Naturschutzprojekten geht es daher nicht nur um Tiere und Lebensräume, es geht auch um Menschen, gerade auch um junge Menschen. Und genau deshalb haben wir im Rahmen unseres Naturschutzprojekts Lewa in Kenia – möglich auch dank einer grosszügigen Spende des Rotary Clubs Zoo Zürich – im vergangenen Jahr nicht nur den Bau der Klassenzimmer an der Rugusu-Primarschule ermöglicht, sondern insgesamt den Bau von sieben Schulzimmern (verteilt auf drei Schulen) finanziert, fünf weitere renoviert und, wo möglich und sinnvoll, diese mit digitalen Wandtafeln ausgestattet. Zudem wurde die Wasser- und Stromversorgung an den Schulen sichergestellt und es wurden Wasch- und Kochmöglichkeiten geschaffen. Dinge, die auf den ersten Blick selbstverständlich erscheinen, es aber in vielen Regionen Kenias nicht sind.
An der Rugusu-Primarschule bieten die neuen Klassenräume, die digitale Ausstattung und auch die sanitären Verbesserungen nun sehr gute Bedingungen für einen Lernerfolg. Wer sich wohl fühlt, bei dem steigt automatisch auch die Motivation. Und so fällt nicht nur den Lernenden das Lernen, sondern auch dem Lehrpersonal das Lehren deutlich leichter. Kleine Dinge, die aber viel bewirken.
Gemeinsamer Kraftakt
Bildung ist kein Nice-to-have, es ist der Schlüssel zu einem besseren Leben. Das gilt umso mehr, je schwieriger die Lebensumstände sind. Und so ist es nicht nur im Interesse der Schule, der Behörden oder des Zoos, Bildung sicherzustellen. Die Aufwertung entstand in enger Zusammenarbeit mit der lokalen Gemeinschaft, den Eltern und Schüler*innen. So war beispielsweise der Landankauf für den Erweiterungsbau ein gemeinsamer Erwerb zusammen mit den Eltern.
Das Schild ehrt den gemeinsamen Kraftakt von Eltern und der Lewa Wildlife Conservancy. Foto: Lewa Wildlife Conservancy.