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26.07.18

Vier junge Waldrappe werden ausgewildert

Der Zoo Zürich stellt vier junge Waldrappe zum Auswildern für das europäische Wiederansiedlungsprojekt «Reason for Hope» zur Verfügung.

Am Mittwoch haben vier junge Waldrappe den Zoo Zürich Richtung Österreich verlassen. Die im Mai dieses Jahres geschlüpften Vögel, zwei Männchen und zwei Weibchen, werden im Rahmen eines europäischen Waldrapp-Wiederansiedlungsprojekts ausgewildert.

Junger Waldrapp wird für den Transport eingeladen.
Die jungen Waldrappe werden für den Transport verladen.

Der Zoo Zürich hat in der Vergangenheit schon mehrfach Jungvögel und Eier in das Projekt gegeben. Der Waldrapp gehört zu den am stärksten bedrohten Vogelarten weltweit und ist heute als Zugvogel faktisch ausgestorben.

Flugroute mit App verfolgen

Unsere vier Jungvögel werden in eines der Brutgebiete des Waldrappteams gebracht (mehr dazu siehe unten). Dort werden sie nach einer kurzen Eingewöhnungszeit besendert und beringt und kommen dann in den Freiflug mit anderen Waldrappen, die die Strecke in das Wintergebiet bereits einmal geflogen sind. Die Vögel werden sich zuerst noch einige Zeit im Brutgebiet aufhalten, ehe sie im Herbst dann selbstständig ins Winterquartier in die Toskana ziehen.

Juvenile Waldrappen beim Vogelzug.
Juvenile Waldrappe beim Vogelzug. Bild: C. Esterer | Copyright Waldrappteam, LIFE Northern Bald Ibis.

Die Flugrouten unserer Vögel können über die kostenlose Live-Tracking-App «Animal Tracker» verfolgt werden. Ihre Namen sind Säntis, Selun, Strela und Silvretta – alles Referenzen an Schweizer Berge oder Gebirgsgruppen. Der Anfangsbuchstabe S steht für das Geburtsjahr 2018.

Waldrappe müssen Flugroute lernen

Dass unsere Jungvögel zu zugerfahrenen Leitvögeln gesetzt werden, ist sehr wichtig. Waldrappe werden nicht mit einem «inneren Kompass» ihrer Zugrouten geboren, sondern müssen den Weg zuerst lernen; im Normalfall von ihren Eltern. Bei den ersten Auswilderungen, als noch keine zugerfahrenen Waldrappe zur Verfügung standen, mussten deshalb menschliche «Zieheltern» den Jungvögeln mit einem Leichtflugzeug voraus fliegen und ihnen so den Weg in ihr Überwinterungsgebiet zeigen.

Ein Leichtflugzeug zeigt den jungen Waldrappen die Flugroute.
Zu Beginn der Auswilderungen mussten menschliche «Zieheltern» den jungen Vögel ihrer Wanderroute zeigen. Bild: P. Przewang | Copyright Waldrappteam, LIFE Northern Bald Ibis.

Überwachung während des Vogelzugs

Die Vögel werden bei ihrer Wanderung in den Süden vom Waldrappteam genau überwacht. Es kann zum Beispiel sein, dass ein Jungvogel auf der Reise den Anschluss an die Gruppe verliert. Dank seines GPS-Senders kann ihn das Waldrappteam orten, einsammeln und zur nächstgelgenen Gruppe bringen.

Damit das Einfangen in einem solchen Fall schnell und möglichst stressfrei von statten geht, konditioniert das Waldrappteam die jungen Vögel bereits bei ihrer Ankunft im Brutgebiet auf einen Futterkasten mit Mehlwürmern. Der Vogel lernt, dass er sich bei diesem Kasten Futter holen kann. Verliert er unterwegs seine Gruppe, stellt das Waldrappteam in der Nähe des Vogels in einer Volière einen solchen Futterkasten auf. Der Waldrapp erkennt den Kasten und geht in die Volière, um sich Futter zu holen. Das Waldrappteam kann ferngesteuert die Türe der Volière schliessen und den Vogel so holen.

Das für die Auswilderung zuständige Waldrappteam wurde 2002 gegründet. Es ist aus der Konrad Lorenz Forschungsstelle im österreichischen Grünau entstanden. Unter dem Projekttitel «Reason for Hope» will es zusammen mit verschiedenen Partnern aus den Alpenländern den Waldrapp in Europa wiederansiedeln. Ziel ist es, dass bis 2019 wieder mehr als 120 Waldrappe zwischen dem nördlichen Alpenvorland und der Toskana migrieren.

Seit 2013 ist das Unterfangen ein von der EU gefördertes «LIFE+ Biodiversity»-Projekt. Es verfügt aktuell über die zwei Brutgebiete Kuchl (Salzburg, Österreich) und Burghausen (Bayern, Deutschland) sowie über ein Wintergebiet in der Toskana (WWF Oasi Laguna di Orbetello). Ein weiteres Brutgebiet soll in Überlingen am Bodensee entstehen.

Das Waldrapp-Projekt «Reason for Hope» des Waldrappteams.

Website des Waldrappteams:

waldrapp.eu

Live-Tracking-App «Animal Tracker»:

waldrapp.eu/app