Premiere: Zebra-Fohlen in der Lewa Savanne
Zum ersten Mal sind in der Lewa Savanne junge Grevyzebras unterwegs. Was die Fohlen besonders macht und weshalb Grevyzebras auch als Art besonders sind, berichten wir hier.
Erstmals haben wir in der Lewa Savanne Nachwuchs bei den stark gefährdeten Grevyzebras. In der Nacht auf den 4. Oktober kam das erste von insgesamt drei erwarteten Jungtieren zur Welt. Zwei Tage später folge das zweite Fohlen, wie das erste ein Hengst. Die dritte Geburt erfolgt voraussichtlich in den nächsten Tagen.
Update 4. November 2025: Das dritte Fohlen kam am 3. November 2025 zur Welt. Es ist eine Stute und wie die beiden Hengste gesund und munter.
Video: Zoo Zürich, Tim Benz
Die Geburten verliefen reibungslos. Vater der Jungtiere ist der Hengst Rashidi, der im Sommer 2024 aus Lissabon in den Zoo Zürich kam (wir berichteten).
«Die Jungtiere sind die ersten Grevyzebras, die im Zoo Zürich zur Welt gekommen sind. Es ist ein toller Erfolg für unser Engagement zum Erhalt der stark gefährdeten Art», freut sich Zoodirektor Severin Dressen.
Nadelstreifen Deluxe: Grevyzebras haben von allen Zebra-Arten die feinsten Streifen. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Gross und fein gestreift
Es gibt drei Zebraarten: Steppenzebra (Equus quagga), Bergzebra (Equus zebra) und Grevyzebra (Equus grevyi). Grevyzebras sind die grössten und seltensten Vertreter ihrer Gattung. Sie erreichen eine Schulterhöhe von bis etwa 140 bis 160 cm. Ihr Fell weist im Vergleich zu den anderen beiden Zebra-Arten ein besonders dichtes und enges Streifenmuster auf, das bis zu den Hufen reicht. Unterseite und Bauch sind weiss und ihre Ohren besonders gross und plüschig.
Auf langen Beinen: Grevyzebras sind die grösste aller Zebra-Arten. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz
Territorien statt Harems
Auch ihre Sozialstruktur unterscheidet die Grevys von den anderen Zebra-Arten. Grevyzebra-Hengste haben keine Harems, sondern Territorien, die sie verteidigen. Die Stuten durchstreifen in kleineren Gruppen die verschiedenen Territorien der Hengste. Die Hengste paaren sich so mit unterschiedlichen Stuten.
Im Unterschied dazu leben Steppen- und Bergzebras in Haremsstrukturen. Jeder Hengst führt einen Harem aus mehreren Stuten mit Jungtieren und verteidigt diesen gegen Konkurrenten und Fressfeinde.
Die Welt erkunden macht hungrig: Das Fohlen stärkt sich bei Mama für die nächsten Abenteuer. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Wildtiere vs. Nutztiere
Grevyzebras gelten laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als stark bedroht. Unter anderem ihre besondere Fellzeichnung hat dazu geführt, dass die Art stark bejagt wurde.
Inzwischen gelten strikte Schutzmassnahmen. Die Wilderei ist aber nach wie vor ein Problem. Hinzu kommt der Lebensraumverlust, vor allem auch durch das starke Bevölkerungswachstum und die damit verbundene Ausweitung der Rinderzucht. Dadurch stehen Grevyzebras zunehmend in Konkurrenz zu Nutztieren um Weideland und Wasserstellen.
Grevyzebras waren einst weit verbreitet. Heute sind sie in der Natur stark gefährdet. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz
von 20'000 auf 2500
Waren Grevyzebras einst über weite Teile Ostafrikas verbreitet, kommen sie heute nur noch in den trockenen Savannen Kenias und in kleinen Populationen in Äthiopien vor. Drastische Einbrüche der Bestände verzeichnete die Art insbesondere zwischen 1980 und den 2000-er Jahren, als der Bestand von etwa 20'000 Tieren auf Stand heute 2500 bis 3000 Tiere schrumpfte.
Dank Schutzmassnahmen ist die heutige Population einigermassen stabil. Infektionskrankheiten und Dürren setzen der Art jedoch immer wieder zu. Ausserdem ist die Reproduktionsrate der Grevyzebras die niedrigste aller drei Zebraarten. Jungtiere bleiben lange beim Muttertier, wodurch dieses erst spät wieder empfänglich ist. Dadurch haben Grevyzebras durchschnittlich nur alle zwei bis drei Jahre Nachwuchs.
Grevyzebra-Fohlen bleiben relativ lange bei ihren Müttern. In der Natur haben Grevyzebras nur etwa alle zwei bis drei Jahre Nachwuchs. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Erhalt vor Ort und in Zoos
Umso bedeutsamer ist der Erhalt der Art in stabilen Reservepopulationen. Die Haltung und Zucht der Tierart wird deshalb innerhalb des europäischen Zooverbandes EAZA in einem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) koordiniert. Auch der Zoo Zürich ist seit 2019 daran beteiligt.
Zeitgleich unterstützen wir durch unser Engagement im Naturschutzprojekt Lewa bereits seit 27 Jahren den Erhalt der Grevyzebras sowie weiterer gefährdeter Arten vor Ort in Kenia. Dank der von uns mitfinanzierten Schutzbemühungen ist die Grevy-Population im Lewa Wildlife Conservancy zuletzt um 19 Prozent auf etwa 350 Tiere angewachsen.
Ein Monitoring-Programm überwacht den Bestand der Grevyzebras in Lewa genau. Dieses verfolgt neben dem Schutz der Tiere auch das Ziel, das Streifgebiet der Zebras zu erweitern.
Die Grevyzebras im Zoo Zürich sind Teil der international koordinierten Reservepopulation für die stark gefährdete Art. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz