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Goldgelbes Löwenäffchen im Zoo Zürich.

Olympisches Feuer für Löwenäffchen

Im Vorfeld der Olympischen Sommerspiele in Brasilien hat ein kleines Tier einen prominenten Auftritt erhalten: das Goldgelbe Löwenäffchen. Es ist ein Beispiel für ein erfolgreiches Arterhaltungsprojekt.

Olympisches Feuer für das Goldgelbe Löwenäffchen: Die Artenschützerin Andréia Fonseca Martins von der Associação Mico Leão Dourado durfte am Dienstag die Olympische Fackel durch die Stadt Rio Bonito tragen. Die Veranstalter der Olympischen Sommerspiele in Rio 2016 würdigen damit das grosse Engagement der Biologin für die stark bedrohte Affenart – auch in Zusammenarbeit mit Zoos, die Tiere für Wiederansiedlungen zur Verfügung gestellt haben.

Im Zoo Zürich können die Besucher die Goldgelben Löwenäffchen kennen lernen, ohne um die halbe Welt reisen zu müssen. Die faszinierenden Tiere sind im Exotarium zu Hause. Und so tönen sie:

Rückkehr der Löwenäffchen: eine Erfolgsgeschichte

Der Atlantische Küstenwald in Brasilien ist einer der weltweit fünf wichtigsten Biodiversitäts-Hotspots. Früher erstreckte er sich über eine Fläche von rund 1.3 Mio Quadratkilometern. Mit der Ankunft der Portugiesen im 16. Jahrhundert begann seine Zerstörung: Grosse Flächen fielen dem Siedlungsbau und der landwirtschaftlichen Nutzung zum Opfer. Heute existieren nur noch sieben Prozent der ursprünglichen Waldfläche, aufgeteilt in viele kleine Teilflächen. Die Goldgelben Löwenäffchen besiedeln eine kleine Teilfläche dieses Waldes im Bundesstaat Rio de Janeiro.

1960 bemerkte man, dass die Goldgelben Löwenäffchen im Freiland nahezu ausgestorben waren. Nebst der Lebensraumzerstörung und -fragmentierung hatte insbesondere der Handel dazu beigetragen. So gelangten zwischen 1960 und 1965 300 Tiere in den Handel. 1967 wurden die Goldgelben Löwenäffchen in Brasilien unter Schutz gestellt, 1969 erliessen die USA ein Importverbot für die Art.

Die zu dieser Zeit in Menschenobhut betreuten Bestände entwickelten sich nicht zufriedenstellend: Die Reproduktion war gering, die Sterblichkeit hoch. 1972 trafen sich deshalb Biologen aus Europa, den USA und Brasilien zu einer Konferenz, an der die Weichen für ein gezieltes Zuchtprogramm gestellt, Schutzmassnahmen formuliert und Forschungsziele definiert wurden. Der wohl wichtigste Faktor für die Förderung des Zuchtprogramms war das Verständnis des Fortpflanzungssystems der Löwenäffchen: Monogamie, kooperative Fortpflanzung (Helfer) und Unterdrückung der Fortpflanzung bei untergeordneten Weibchen (Töchtern).

Waren 1969 in einem stark fragmentierten Lebensraum noch rund 600 Tiere gezählt worden, gab es 1975 nur noch 100 bis 200 überlebende Tiere. 1974 wurde ein erstes Reservat von 5500 Hektaren für die Goldgelben Löwenäffchen geschaffen. Nebst der Erweiterung des Kenntnisstandes über diese Art durch die Haltung in Zoos und Langzeitstudien im Freiland wurde die ansässige Bevölkerung in die Information über Umweltfragen einbezogen. Als Schutzziel wurde eine Population von 2000 Individuen in einem mindestens 250 Quadratkilometer grossen, geschützten und vernetzten Lebensraum bis ins Jahr 2025 formuliert.

Um die freilebende Population langfristig zu sichern, musste einerseits die Individuenzahl und andererseits die genetische Diversität erhöht werden. Mit zwei Massnahmen wurde der freilebende Bestand diesbezüglich unterstützt: mit Wiederansiedlungen und Umsiedlungen. Zwischen 1984 und 2000 wurden insgesamt 146 in Zoos in Europa und den USA geborene Tiere ausgewildert. Sie durchliefen vor ihrer Freilassung ein «Freiland-Training». Die ausgewilderten Tiere wurden bis zur vollen Selbständigkeit mit Futter versorgt und soweit nötig veterinärmedizinisch betreut. Die Freilassungen erfolgten zunächst im Reservat zur Stärkung der dort ansässigen Population. Später wurden dann auch private Grundstücke neu mit Goldgelben Löwenäffchen besiedelt. 2005 umfasste die Population der wiederangesiedelten Tiere 589 Individuen in 87 Gruppen. Zwischen 1994 und 1998 wurden 42 Tiere in 6 Gruppen aus kleinen, isolierten Flächen heraus gefangen und in ein zweites, neugeschaffenes Reservat umgesiedelt. Aus diesen Umsiedlungen resultierte bis 2006 ein Bestand von 220 Tieren in 30 Gruppen.

Weitere Bemühungen zielen nun dahin, die verschiedenen inselartigen Lebensräume der Goldgelben Löwenäffchen mittels Waldkorridoren zu verbinden, um so einen Austausch zwischen den Teilpopulationen zu ermöglichen und weitere Lebensräume zu erschliessen. Aktuell wird der freilebende Bestand an Goldgelben Löwenäffchen in den zwei Reservaten und über 25 privaten Schutzgebieten auf einer Fläche von etwa 150 Quadratkilometern auf rund 1700 Tiere geschätzt. Über ein Drittel davon sind Nachkommen ausgewilderter zoogeborener Tiere. Von den sechs als überlebensfähig eingestuften Teilpopulationen gehen drei aus Wiederansiedlungen und eine auf Umsiedlungen zurück. Weiterhin besteht ein Zuchtprogramm für diese Tiere, das weltweit rund 560 Tiere umfasst und in das über 130 Zoos involviert sind. Die Tiere sind eine Leihgabe, sie gehören dem Brasilianischen Staat.

Gefährdung durch andere Primaten

Nebst der Lebensraumzerstörung hat sich eine neue Gefahr für die freilebenden Bestände der Goldgelben Löwenäffchen ergeben: Durch den unkontrollierten Handel mit Wildtieren wurden im Verbreitungsgebiet der Goldgelben Löwenäffchen vielerorts ortsfremde Krallenaffenarten ausgesetzt. Insbesondere Weissbüschel- und Schwarzbüscheläffchen und daraus resultierende Hybriden treten als Nahrungskonkurrenten der Goldgelben Löwenäffchen auf. Zudem stellen diese Tiere auch ein gesundheitliches Risiko für die Löwenäffchen dar, da sie ohne veterinärmedizinische Überwachung freigelassen wurden. Rund 50 Kilometer von einem Bestand Goldgelber Löwenäffchen entfernt wurden zudem Goldkopf Löwenäffchen freigesetzt. Um einer allfälligen Hybridisierung zwischen den beiden Arten vorzubeugen, wurde eine Rückführung der Goldkopf Löwenäffchen in deren Verbreitungsgebiet beschlossen.