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  • Europäischer Ziesel im Zoo Zürich.

    Nager in Nöten

    Die Europäischen Ziesel zählen noch nicht allzu lange zu den Bewohnern des Zoo Zürich. Nun haben die stark bedrohten Kleinnager erstmals Jungtiere. Das bringt zusätzlichen Schwung in die ohnehin schon quirlige Wohngemeinschaft. In der Wildnis ist die Lage der Ziesel angespannt.

    Viel Betrieb im Lebensraum der Europäischen Ziesel im Zoo Zürich: Während einer der Kleinnager Erdhaufen vor dem heimischen Eingangsloch verschiebt, rupft ein anderer Grasbüschel. Ein dritter kratzt sich, hält aber plötzlich inne, stellt sich auf die Hinterbeine und kontrolliert den Himmel. Doch die Krähe ist weitergeflogen. Zwei Meter weiter macht ein Jungtier einem Erwachsenen ein Randenstück streitig.

    Untermalt wird das bunte Treiben von einer eindrücklichen Geräuschkulisse. Das akustische Spektrum der Kleinnager reicht von kommunikativem Zirpen über eine Art Grunzen zu lautstarken Alarmrufen. Acht verschiedene Rufe sind beim Europäischen Ziesel bisher bekannt.

    Video: Zoo Zürich, Tim Benz

    Gemeinsam jeder für sich

    Europäische Ziesel sind tagaktiv. Sie leben in Kolonien, gelten aber trotzdem nicht als besonders sozial. Die unterirdischen Erdbauten sind voneinander getrennt: Jedes Tier bewohnt seine eigene, etwa 1,5 Meter tiefe Höhle.

    Das Kolonieleben dient vor allem der Sicherheit. Kleinnager haben von Natur aus viele Feinde; das Leben zwischen Vielen erhöht die Chance, dass es bei Gefahr einen anderen trifft.

    Hilfreich ist auch das Mehraugen-Prinzip: Wird ein Räuber entdeckt, gibt der Entdecker einen Warnruf von sich. Ein solcher Warnruf alarmiert nicht nur generell über eine Gefahr, sondern gibt je nach Ruf sogar Auskunft über das Ausmass der Bedrohung.

    Europäischer Ziesel im Zoo Zürich.

    Ziesel leben in Wiesen und offenen Waldzonen. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz

    Das natürliche Verbreitungsgebiet des Europäischen Ziesels erstreckt sich über Mittel- und Südeuropa, ungefähr von Tschechien bis in die Türkei. Weil es in diesen Regionen während der Wintermonate sehr kalt werden kann und das Nahrungsangebot knapp ist, hält der Ziesel einen Winterschlaf. Von Oktober bis März zieht er sich in seinen Bau zurück.

    Auf der Überholspur

    Wegen des Winterschlafs zählt die aktive Phase des Ziesels nur wenige Monate. In dieser Zeit passiert viel.

    Die Männchen erwachen oft etwas früher aus dem Winterschlaf als die Weibchen und beginnen, ihr Territorium abzustecken. Noch kurz die Energiereserven auffrischen und schon beginnt die Paarungszeit. Die Saison ist kurz, da gilt es effizient zu sein. Besonders erfolgreiche Männchen paaren sich mit mehreren Weibchen.

    Europäischer Ziesel im Zoo Zürich.

    Die Wintermonate verbringt der Ziesel schlafend in seinem Bau. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini

    Die Aufzucht der Jungtiere ist reine Frauensache. Nach maximal 28 Tagen Tragzeit kommen 5 bis 9 Jungtiere blind, nackt und hilflos zu Welt. Sie verbringen die ersten Wochen im Bau. Erst nach etwa einem Monat verlassen sie die unterirdische Höhle. Bereits drei Wochen später sind sie kaum noch von den erwachsenen Tieren zu unterscheiden und komplett selbstständig.

    Den Spätsommer verbringen Ziesel vor allem damit, sich Fettreserven für den Winter anzufressen und ein eigenes Heim zu graben oder bereits bestehende Höhlen zu erweitern oder instand zu setzen. Das Leben des Europäischen Ziesels ist geschäftig!

    Europäischer Ziesel im Zoo Zürich.

    Kurz aber intensiv: In der Natur werden Ziesel etwa zwei bis drei Jahre alt. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz

    In Bedrängnis

    Als lebten die Kleinnager nicht so schon intensiv genug, erschweren ihnen anhaltender Lebensraumverlust, eine starke Fragmentierung der Populationen und der Klimawandel das Leben zusätzlich.

    Die letzte Bestandserhebung von 2023 durch die Rote Liste der Weltnaturschutzunion IUCN zeichnet eine düstere Zukunft für den Europäischen Ziesel. In Deutschland und Kroatien ist die Art bereits ausgestorben. Für die noch bestehenden Populationen erwarten die Expert*innen dramatische Einbrüche von über 50 Prozent in den kommenden Jahrzehnten. Aktuell ist der Europäische Ziesel als stark bedroht gelistet.

    Europäischer Ziesel im Zoo Zürich.

    Mehrheitlich vegi: Ziesel ernähren sich von Knospen, Früchten, Samen und Insekten. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz

    Hoffnung macht ein Wiederansiedlungsprojekt, das derzeit in Tschechien läuft. Der Zoo Zürich plant, sich ebenfalls daran zu beteiligen und so noch gezielter zum Erhalt der Art beizutragen. Wiederansiedlungen sind allerdings nur sinnvoll, wenn ausreichend und dauerhaft geschützter Lebensraum für Tiere aus der Reservepopulation zur Verfügung stehen.

    Europäischer Ziesel im Zoo Zürich.

    Klein aber oho: Ziesel sind nur etwa 20 cm lang, resp. mit Schwanz etwa 27 cm. Foto: Zoo Zürich, Fabio Süess