Mit Kompetenz zum Bruterfolg
Sechs Jungtiere haben die Königspinguine in der vergangenen Brutsaison im Zoo Zürich erfolgreich aufgezogen – das ist aussergewöhnlich viel. Hinter diesem Erfolg stecken unermüdlicher Einsatz, viel Leidenschaft und tierische Kompetenz!
Es ist ein Anblick mit Seltenheitswert, den die Kolonie der Königspinguine im Zoo derzeit bietet: Inmitten der erwachsenen Tiere stehen auch sechs braune, flauschige Küken. Das ist aussergewöhnlich. In vielen Zoos sind es meist nicht mehr als ein bis zwei Jungtiere pro Brutsaison. Das zuständige Team hat daher bereits Anfragen aus anderen Zoos in ganz Europa erreicht, wie es diesen Erfolg zustande gebracht hat.
Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.
Sensible Königspinguine
Fakt ist: Der Lebensraum für die Pinguine im Zoo Zürich ist nicht mehr der allerneuste. Zudem gelten gerade Königspinguine als eher schreckhafte Tiere, die sensibel auf Störungen reagieren. Und Störungen gab es. Direkt neben den Pinguinen wird die Pantanal Voliere gebaut. Das geht nicht ohne Lärm.
Zudem läuft aktuell ein Forschungsprojekt, für das es notwendig ist, den Tieren Blut abzunehmen. Auf das Brutgeschehen der Pinguine hatte all dies aber offensichtlich keinen Einfluss, wie die rekordverdächtigen sechs Küken beweisen.
Blutabnahme beim Pinguin im Rahmen des aktuell laufenden Forschungsprojekts. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.
Was also ist das Geheimnis hinter dem Erfolg? Unsere Tiere sind kompetent oder vereinfacht gesagt: Es ist den Pinguinen einfach total egal, was um sie herum läuft, sie fühlen sich sehr wohl. Trotz Baulärm. Trotz laufender Studie. Trotz einem in die Jahre gekommenen Lebensraum.
Viele kleine Stellschrauben
Dass unsere Tiere kompetent sind wiederum, ist der sehr guten und professionellen Arbeit unseres Tierpflege-Teams zu verdanken. Diese geht weit über die Bereitstellung von Futter und die korrekte Regulierung der Temperatur hinaus – das sind Selbstverständlichkeiten. Das Team dreht immer und ständig an vielen kleinen Stellschrauben, stets mit dem Ziel, den Tieren die bestmöglichen Bedingungen unter den gegebenen Umständen zu ermöglichen.
Foto: Zoo Zürich, Monika Bader.
Dazu gehört beispielsweise auch, Eustress zu erzeugen. Eustress ist der Fachbegriff für kurze, vorbeigehende Stressmomente, die es auch in der Natur gibt und die sich erwiesenermassen positiv aufs Tierwohl auswirken – quasi die vorbeifliegende Möwe, der kurze Schneesturm, die Sichtung eines Orcas in der Ferne.
Eustress vs. Disstress
Das Gegenteil von Eustress ist Disstress – dauerhafter Stress, der immer negativ ist und den es zu vermeiden gilt. Ein Beispiel für positiven Eustress: Beim Hantieren in der Fischküche steht immer die Tür zur Pinguinanlage offen. Die Tiere hören, dass etwas passiert, sie können auch in der Küche vorbeischauen. Sie stehen aber nicht im Fokus, werden nicht gross beachtet. Das vermittelt ihnen: Hier läuft was, das ist aber nicht schlimm, das muss mich nicht stressen – eben wie die vorbeifliegende Möwe auch einfach passiert.
Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.
Durch viele solcher und ähnlicher Momente sind die Pinguine sehr entspannt. Dadurch können sie sich voll und ganz auf ihr Leben als Pinguin konzentrieren. Auf die Balz, die Fortpflanzung und auf das Brutgeschäft – und das machen sie. Die Tiere leben in ihren natürlichen Sozialstrukturen und suchen sich ihre Partner selbst. Jede Brut ist eine Naturbrut. Handaufzuchten gibt es nicht.
Sechs Küken sind also kein Wunder, sondern eine Frage der Haltung – im wahrsten Sinne des Wortes.
Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.