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  • Koala im Zoo Zürich.

    Leben auf Sparflamme

    Der Koala hat sich an das Leben in einem heissen und trockenen Lebensraum angepasst. Welche Strategien das Beuteltier anwendet und weshalb der Klimawandel trotzdem ein grosses Problem für Koalas ist, berichten wir hier.

    Der heurige Juni hat zahlreiche Hitzerekorde geknackt. Und die zweite Hälfte des Sommers steht uns erst noch bevor.

    Die meisten Tiere im Zoo Zürich können mit den hohen Temperaturen gut umgehen; sie sind erstaunlich anpassungsfähig. Eine wirkungsvolle Massnahme, die viele Arten nutzen: ruhen und energiesparen.

    Der Koala ist in diesen beiden Disziplinen ein wahrer Meister. Obendrauf ist er zudem auch noch richtig gut im Wassersparen.

    Video: Zoo Zürich, Tim Benz

    Koalas können stundenlang dösend in der Astgabel eines Eukalyptusbaums verharren. Bis zu zwanzig Stunden täglich verbringen sie schlafend oder ruhend. Dieser Lebensstil «auf Sparflamme» ist extrem energiesparend und eine Anpassung der Koalas an ihren trockenen und heissen Lebensraum und an ihre spezielle Nahrung.

    Wälder als «Klimaanlage»

    Das natürliche Verbreitungsgebiet der Koalas erstreckt sich über die Eukalyptuswälder an der Süd- und Ostküste Australiens. Dort herrschen vor allem in den Sommermonaten häufig Temperaturen um die 30 Grad Celsius.

    Koalas nutzen in dieser Wärme die Eukalyptuswälder als natürliche Klimaanlage. Denn nicht überall im Wald herrschen die gleichen Temperaturen; es gibt Mikrohabitate, die mehrere Grad kühler sind als die Umgebung. Koalas suchen gezielt diese Orte auf. Dort verharren sie und beschränken ihre aktiven Phasen auf die kühleren Morgen- oder Abendstunden.

    Koala im Zoo Zürich.

    Koalamännchen Tarni bei der Standardbeschäftigung aller Koalas: Dösen im Baum. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini.

    Bewegung erzeugt nicht nur Körperwärme, sie kostet auch Energie. Energie steht den Koalas aber nur in begrenztem Masse zur Verfügung, denn sie ernähren sich ausschliesslich von Eukalyptus. Und dieser ist sehr schwerverdaulich.

    Sparsam mit Wasser

    Weil der Stoffwechsel der Koalas im Vergleich zu anderen Säugetierarten sehr niedrig ist, produzieren die Tiere wie erwähnt weniger körpereigene Wärme und benötigen weniger Energie. Zusätzlich ist dadurch aber auch ihr Wasserbedarf kleiner. Koalas werden deshalb so gut wie nie beim Trinken beobachtet.

    Schon den indigenen Völkern Australiens war dies aufgefallen. Der Name «Koala» stammt vermutlich aus einer Sprache der Aborigines und wird häufig übersetzt mit «trinkt nicht».

    Koalas im Zoo Zürich.

    Koalaweibchen Téa (l.) mit ihrem 2025 geborenen Jungtier Zoey. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini.

    Tatsächlich trinken Koalas extrem selten. Sie decken ihren Wasserbedarf üblicherweise vollständig durch ihre Nahrung.

    Eukalyptusblätter haben einen hohen Wasseranteil von etwa 60 bis 80 Prozent. Während des Verdauungsprozesses entzieht ihr Körper der Nahrung dieses Wasser.

    Zusätzliches Wasser nehmen Koalas über den morgendlichen Tau auf, der sich auf den Eukalyptusblättern sammelt. Nur in sehr heissen und langen Dürreperioden kann es vorkommen, dass ein Koala eine Wasserstelle am Boden aufsucht.

    Auch abseits des Trinkens sind Koalas sehr sparsam im Umgang mit Wasser. Sie urinieren nur einmal am Tag und der Urin ist stark konzentriert. Der Koala-Kot – etwa 100 bis 150 Kügelchen pro Tag – ist ebenfalls sehr trocken.

    Koala im Zoo Zürich.

    Koalas ernähren sich ausschliesslich von Eukalyptus. Dieser liefert ihnen gleichzeitig ausreichend Flüssigkeit, sodass sie praktisch nie trinken müssen. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.

    Obergrenze überschritten

    Dank ausgeklügelter Strategien sind Koalas also echte Energie- und Wassersparer und Wärmespezialisten. Immer wieder auftretende Hitzewellen von über 35 Grad Celsius und Dürreperioden bringen jedoch selbst sie an ihre Grenzen.

    Koalas gelten als besonders anfällig für den Klimawandel. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass es noch etwa 400‘000 bis 570‘000 Tiere in der Wildnis gibt. Unter anderem wegen starker Brände gab es in den vergangenen Jahren regional Populationseinbrüche von teilweise 50 Prozent. Der Koala ist deshalb bedroht.

    Koalas im Zoo Zürich.

    Mit 12 Monaten ist Koala-Jungtier Zoey (r.) von der Muttermilch entwöhnt. Foto: Zoo Zürich, Monika Bader

    Mit der Haltung und Zucht der Koalas trägt der Zoo Zürich zur Sicherung einer Reservepopulation ausserhalb des natürlichen Lebensraums bei. Zudem informieren wir im Rahmen von Präsentationen und Führungen über die ikonischen Vertreter der australischen Tierwelt.

    Weiter unterstützen wir die Naturschutzorganisation «Koala Conservation Australia» vor Ort. Sie betreibt ein Koala-Hospital, setzt sich für den Erhalt des natürlichen Lebensraums der Koalas ein, unterhält verschiedene Forschungskooperationen und hat ein Zuchtprogramm zur Wiederansiedlung etabliert.

    Koala im Zoo Zürich.

    Koalas haben das Leben im Energiesparmodus perfektioniert. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini