Kleiner Panda ganz gross
Seit Dezember ist Paarungszeit bei den Kleinen Pandas. Unsere beiden Tiere – sonst Einzelgänger – lebten die letzten zwei Monate deshalb zusammen. Ob sie sich dabei erfolgreich angenähert haben, berichten wir hier.
Geschickt zieht das Kleine-Panda-Weibchen mit der Tatze einen Ast mit feinen Zweigen zu sich, beisst behutsam aber gezielt zu und verlässt den Baum mit dem Zweig im Maul Richtung Bruthöhle. Dort fügt sie ihn in das bereits mit Stroh und weiteren kleineren Ästen gebaute Nest ein – es ist Paarungszeit bei den Kleinen Pandas (Ailurus fulgens fulgens) im Zoo Zürich.
Video: Zoo Zürich, Tim Benz
Erste Paarungssaison
Kleine Pandas sind eigentlich Einzelgänger. Deshalb gibt es im Zoo zwei getrennte Bereiche für die kletteraffinen Raubtiere. Im Dezember und Januar lebten die beiden Tiere aus Anlass der Paarungszeit jedoch zusammen. Das verlief mal mehr, mal weniger harmonisch – kleine Reibereien gehören dazu, insbesondere, wenn es ums Futter geht.
Für unsere beiden Kleinen Pandas ist es die erste Balz. Vor allem das Männchen ist noch jung; geboren im Juni 2023 ist es gerade erst geschlechtsreif geworden. Ob die beiden Interesse aneinander zeigen würden, war deshalb nicht klar, als wir sie Anfang Dezember zusammenliessen.
Kleine Pandas verbringen ihr Leben mehrheitlich in den Bäumen. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz
Inzwischen haben wir Gewissheit: gegenseitiges Interesse besteht. Normalerweise schlafen Kleine Pandas viel. Im Moment sind sie aber sehr aktiv und fast ständig unterwegs. Immer wieder reiben sie dabei das Hinterteil über Baumstämme und Äste. Die Duftmarken senden Botschaften und zeigen die Paarungsbereitschaft an. Anfang Januar konnte das Tierpflege-Team an zwei Tagen nacheinander schliesslich mehrere Paarungen beobachten.
Der Kleine Panda hat eine Art «sechster Finger»: ein verlängerter Handgelenksknochen, der wie ein Daumen funktioniert. Foto: Zoo Zürich, Fabio Süess
Sie werden immer weniger
Der Kleine Panda gehört zu den in der Natur stark bedrohten Tierarten. Sein natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den Bergwäldern des Himalayas in Nepal über Bhutan bis in die Bambuswälder Chinas.
In den vergangenen rund 20 Jahren ist der Bestand des Kleinen Pandas um etwa die Hälfte eingebrochen. Expert*innen erwarten eine weitere starke Abnahme auch in den kommenden 20 Jahren.
Der Kleine Panda ist dämmerungs- und nachtaktiv. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz
Die Ursachen sind vielfältig. Neben Lebensraumverlust durch fortschreitende Abholzung ist es vor allem die starke Fragmentierung des Lebensraums, die dem Kleinen Panda zu schaffen macht. Die Tiere können kaum neue Gebiete erschliessen. Und die wenigen Gebiete, die noch bleiben, beansprucht die stark wachsende Bevölkerung für sich und die Viehwirtschaft.
Obwohl er ein Raubtier ist, ernährt sich der Kleine Panda hauptsächlich von Bambus und anderen Pflanzen. Foto: Zoo Zürich, Dennis Mettler
Bedroht wegen Social Media
Ein weiteres zunehmendes Problem ist die Verbreitung «süsser» aber meist völlig unnatürlicher Kleiner-Panda-Bilder auf Social Media. Sie heizen die illegale Jagd und den Handel mit der bedrohten Art für den Heimtiermarkt an. Das lässt die Population weiter schrumpfen – ganz abgesehen davon, dass Kleine Pandas keine Haustiere sind.
Das Phänomen der «süssen» Tierbilder auf Social Media stellt notabene für viele weitere Tierarten ein ernsthaftes Problem dar, etwa für den Otter. Wer auf Social Media aktiv ist, sollte sich immer bewusst sein, welche Konsequenz die Verbreitung vermeintlich niedlicher, aber kaum natürlicher Tierbilder haben kann.
Alles auf Baum: Der Kleine Panda baut für die Fortpflanzung ein Nest wie ein Vogel. Die Jungtiere bleiben nach der Geburt bis zu drei Monate lang darin. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz
Für den Erhalt der Art
Der Artenschutz ist eine der vier Hauptaufgaben des Zoo Zürich. Entsprechend nimmt der Zoo am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für den Kleinen Panda teil. Die aktuelle Reservepopulation besteht aus 358 Tieren, verteilt über 176 beteiligte zoologische Institutionen in Europa. Der Zoo Zürich beherbergt das einzige Zuchtpaar der Schweiz.
Ausserhalb der Paarungszeit verbringt der Kleine Panda viel Zeit mit Ruhen und Schlafen. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Panda-Gotte oder -Götti werden
Sie können uns bei der Arterhaltung des Kleinen Pandas unterstützen – zum Beispiel mit einer Patenschaft. Als Panda-Gotte oder Panda-Götti erhalten eine Urkunde und eine Einladung zum jährlichen Pat*innentag.
Foto: Zoo Zürich, Tim Benz