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  • Elefantenkalb mit Mutter Indi und Chandra

    Glücklose Elefantengeburt

    Was ein Freudentag hätte werden sollen im Kaeng Krachan Elefantenpark, endete traurig und frustrierend. Indis Jungtier konnte nicht auf den Beinen stehen – auch Stunden nach der eigentlich reibungslosen Geburt und trotz intensiver medizinischer Betreuung. Am Ende mussten wir das Kalb euthanasieren. Hier erklären wir alles.

    Am 1. Juni brachte die 40-jährige Elefantenkuh Indi im Kaeng Krachan Elefantenpark ein männliches Jungtier zur Welt. Die Geburt verlief problemlos. Doch dann konnte das Jungtier trotz wiederholter Versuche nicht selbstständig aufstehen, weil es seine Hinterbeine nicht belasten konnte. Normalerweise sind junge Elefanten bereits wenige Minuten nach der Geburt auf den Beinen.

    «Das männliche Jungtier unternahm wiederholt kräftige Aufstehversuche, konnte seine Hinterbeine jedoch nicht ausreichend belasten. Deshalb blieb es auf dem Boden liegen», schildert Zoodirektor Severin Dressen die Situation direkt nach der Geburt. Sie veränderte sich auch in den folgenden Stunden nicht.

    Alle Optionen ausgeschöpft

    Damit das Veterinärteam und die Tierpfleger*innen das Kalb untersuchen und medizinisch versorgen konnten, trennten wir zunächst Chandra – die Halbschwester des Jungtiers – von Indi und dem Kalb ab. Dann erhielt Indi eine medikamentöse Beruhigung, damit wir das Jungtier von ihr separieren konnten. Nur so war es möglich, dass wir den Jungbullen untersuchen, mittels Infusionen mit Flüssigkeit versorgen und beim Aufstehen unterstützen konnten.

    Bei der Untersuchung konnte das Veterinärteam keine offensichtlichen Verletzungen feststellen. Trotz aller Bemühungen war das Jungtier aber auch weiterhin nicht in der Lage, seine Hinterbeine ausreichend zu belasten und selbstständig zu stehen.

    Am Abend liessen wir Indi wieder zu ihrem Kalb. Dieses stand auch über die Nacht nicht auf, trotz intensiver Betreuung und kontinuierlicher tierärztlicher Überwachung. Nach einer erneuten Gesamtbeurteilung der Situation entschieden wir uns schliesslich im Sinne des Tierwohls, das Jungtier zu euthanasieren; die Prognose liess keine Aussicht auf ein komplikationsfreies und lebensfähiges Aufwachsen zu.

    Mutter Indi erhielt die Möglichkeit, sich von ihrem verstorbenen Jungtier zu verabschieden.

    Video: Zoo Zürich, Tim Benz

    «Wir hätten uns sehr einen glücklicheren Ausgang der Trächtigkeit von Indi gewünscht – vor allem auch nach dem intensiven und unermüdlichen Einsatz aller beteiligten Zoomitarbeiter*innen und der Tierärzt*innen», bedauert Severin Dressen den Tod des Kalbes.

    «Mit einem gesunden Jungtier wäre einerseits unsere Elefantengruppe nach den frustrierenden Verlusten der vergangenen Jahre wieder grösser geworden. Andererseits ist jede erfolgreiche Geburt im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für den Asiatischen Elefanten ein wichtiger Beitrag zu einer stabilen Reservepopulation in Europa», so der Zoodirektor.

    Asiatische Elefanten (Elephas maximus) leben natürlicherweise in sogenannten Matriarchaten. Die Weibchen bilden mit ihren Jungtieren enge Familienverbände, die von der ältesten und erfahrensten Kuh angeführt werden. Auch Indi und ihre Tochter Chandra verbindet ein enges Verhältnis. Entsprechend waren die beiden Elefantenkühe während des gesamten Geburtsvorgangs zusammen gewesen und hatten diesen souverän gemeistert.

    Vier erfolgreiche Geburten

    Im Kaeng Krachan Elefantenpark leben derzeit zwei separate Elefantenherden mit jeweils zwei weiblichen Tieren – Indi mit ihrer Tochter Chandra, Farha mit ihrer Schwester Panang – sowie der Bulle Thai. Thai erhält zeitweise Zugang zu beiden Gruppen.

    Seit der Eröffnung des Lebensraumes im Jahr 2014 kamen im Elefantenpark insgesamt acht Kälber zur Welt. Vier der Geburten verliefen erfolgreich.

    In den anderen vier Fällen verstarb ein Kalb kurz nach der Geburt an Kopfverletzungen (2020), vermutlich verursacht durch andere Elefanten der Gruppe. Drei weitere Jungtiere (2020, 2023 und jetzt 2026) waren aufgrund unterschiedlicher Fehlentwicklungen oder mangelnder Vitalität nicht überlebensfähig. Solche pränatalen Störungen können bei allen Tierarten auftreten, sowohl in Zoos als auch in wildlebenden Populationen. Sie gehören zu den natürlichen Risiken der Fortpflanzung.

    Elefantenkalb mit Mutter Indi und Chandra

    Mutter Indi und Tante Chandra mit dem Jungtier. Allen Bemühungen zum Trotz kann es nicht auf den Beinen stehen. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz

    LEbensraumschutz in Thailand

    Der Asiatische Elefant wird auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als stark bedroht geführt. Weltweit leben nur noch rund 50’000 Tiere in der Natur – und ihr Bestand nimmt weiter ab. Deshalb engagiert sich der Zoo Zürich bereits seit 2009 mit seinem Naturschutzprojekt Kaeng Krachan in Thailand aktiv für den Schutz dieser beeindruckenden Tierart.

    Mehr erfahren

    Artenschutz im Zoo

    Parallel dazu spielt der Erhalt einer stabilen Reservepopulation in Zoos eine wichtige Rolle. Der Zoo Zürich beteiligt sich hierzu am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP)  für Asiatische Elefanten. Da Elefanten eine Tragzeit von fast zwei Jahren haben, kommen Jungtiere nur selten zur Welt. Die Reservepopulation wächst entsprechend langsam.