Giraffenbulle Obi ist tot
Der Giraffenbulle Obi befand sich infolge einer schwerwiegenden Beinverletzung seit über einer Woche in tierärztlicher Behandlung – leider ohne Erfolg. In den vergangenen Tagen verlor er zunehmend an Kraft und konnte sich schliesslich nicht mehr selbstständig auf den Beinen halten. Ohne Aussicht der Tierärzt*innen auf eine erfolgsversprechende Therapie der Verletzung entschied sich der Zoo Zürich daher aus Gründen des Tierwohls, die Giraffe zu euthanasieren.
Seit dem 17. April 2026 konnte der Giraffenbulle Obi sein rechtes Vorderbein nicht mehr richtig belasten. Er wurde mit Verdacht auf eine schwerwiegende Beinverletzung in den Hintergrund genommen. Die Tierärzt*innen verabreichten ihm als Sofortmassnahme schmerzstillende sowie entzündungshemmende Medikamente und verordneten ihm vorerst eine Boxenruhe. Wie die Verletzung zustande kam, konnte nicht beobachtet werden.
Beinverletzungen bei Giraffen sind komplex
Giraffen sind bei Beinverletzungen besonders schwierige Patienten. Aufgrund ihres hohen Körpergewichts und der langen, stark belasteten Beine wirken sich Verletzungen an den Extremitäten gravierend auf ihre Stabilität aus. Gleichzeitig stehen Giraffen die meiste Zeit, weil längeres Liegen zu Kreislaufproblemen, Druckstellen sowie Muskel- und Nervenschäden führen kann. Hinzu kommt ihr spezielles Kreislaufsystem mit einem sehr hohen Blutdruck, der notwendig ist, um das Gehirn ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Dies kann beim Hinlegen oder Aufstehen jedoch schnell zu Komplikationen führen. Auch sind veterinärmedizinische Eingriffe schwierig, weil dazu eine Vollnarkose notwendig ist, die bei Giraffen mit erhöhten Risiken verbunden ist.
Keine Aussicht auf Besserung
Der Allgemeinzustand von Giraffenbulle Obi verschlechterte sich trotz tierärztlicher Behandlung zunehmend, bis er sich hinlegte und nicht mehr aus eigener Kraft aufstehen konnte. Unter einer leichten Betäubung wurde sein Bein nochmals untersucht und Blut genommen. Gleichzeitig wurde der Versuch unternommen, Obi so zu platzieren, dass es ihm leichter fällt wieder aufzustehen. Da der Giraffenbulle dennoch nicht auf die Beine kam, keine erfolgsversprechende Therapie für die Verletzung zur Verfügung stand und er zunehmend schwächer wurde, entschied sich der Zoo Zürich, den Bullen Obi aus Gründen des Tierwohls zu euthanasieren. Um eine genaue Diagnostik der Verletzung am Bein vorzunehmen, wurde das Tier in die Pathologie gebracht, wobei ein erster Befund die vermutete schwerwiegende Beinverletzung bestätigt.
Zucht für den Arterhalt
Es war vorgesehen, dass der in der Lewa Savanne des Zoo Zürich lebende Giraffenbulle mit den drei Weibchen für Nachwuchs sorgt und damit im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) zum Erhalt der stark bedrohten Netzgiraffen beiträgt. In den vergangenen Monaten wurden bereits vereinzelte Paarungsversuche beobachtet. Ob daraus Nachwuchs hervorgeht, wird sich in rund einem Jahr zeigen – nach einer Tragzeit von etwa 14 Monaten.
Fehlende Giraffenbullen
Der Verlust des neunjährigen Giraffenbullens Obi als potenzieller Zuchtbulle ist für den Erhalt der Reservepopulation der Netzgiraffen in Zoos nachteilig. In den europäischen Zoos stehen derzeit nur wenige männliche Tiere zur Verfügung, da in der Vergangenheit wenig bis gar nicht gezüchtet wurde, um die Kapazitätsgrenzen der Giraffenhaltungen in den am Zuchtprogramm teilnehmenden Zoos nicht zu überschreiten. Damit sollte verhindert werden, dass Tiere ohne verfügbaren Platz getötet werden müssen.
Langfristig ist die Zulassung von Zucht jedoch essenziell für den Erhalt einer gesunden und stabilen Reservepopulation ausserhalb des natürlichen Lebensraums und damit für den Artenschutz der Netzgiraffe insgesamt. Ohne regelmässigen Nachwuchs wird einerseits die Fortpflanzung als grundlegendes Bedürfnis der Tiere eingeschränkt, was sich negativ auf das Tierwohl auswirkt. Andererseits überaltert die Population, wodurch die Zahl zuchtfähiger Tiere abnimmt und ihre Stabilität gefährdet wird.
Der Zoo Zürich wartet daher nun auf eine Empfehlung des Zuchtbuchkoordinators des EEP für einen neuen Bullen, der zukünftig mit den drei Weibchen in Zürich leben und für den Arterhalt züchten darf.
Giraffenbulle Obi im Giraffenhaus des Zoo Zürich. Foto: Zoo Zürich, Fabio Süess