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  • Asiatischer Elefant Maxi im Kaeng Krachan Elefantenpark des Zoo Zürich.

    Gewichtige Umstellungen

    Dr. Robert Zingg, das zoologische Gewissen des Zoo Zürich, geht in Pension und blickt zurück. Hier erzählt er, wie ein Umzug neue Seiten unserer Elefanten offenbarte.

    Robert Zingg und die Elefanten.
    Copyright: Zoo Zürich, Dominik Ryser

    Elefanten finde ich nur schon durch ihre Grösse äusserst faszinierende Erscheinungen. Betrachtet man erst ihren Rüssel, dieses multifunktionale, kräftige und doch fein steuerbare Organ, so wird dieser Eindruck nochmals verstärkt! Mit zu meiner Faszination tragen aber auch die verschiedenen Charaktere bei, die bei diesen Tieren zu beobachten sind.

    Die Planung und Realisierung einer neuen Elefantenanlage bot die Riesenchance, die Haltung dieser charismatischen Tiere auf eine neue Basis zu stellen. Nebst der Schaffung geeigneter baulicher Voraussetzungen ging es dabei aber auch um den Wechsel im Management vom direkten zum geschützten Kontakt, die Einführung neuer Trainingstechniken und die Entwicklung eines neuen Fütterungsregimes.

    Noch vor Fertigstellung der neuen Anlage galt es, eine besondere Herausforderung zu meistern: den Umzug der Elefanten in die Mitte einer Baustelle. Dies drängte sich auf, da die Elefantenkuh Indi im fortgeschrittenen Stadium trächtig war und die Geburt in etwa im Zeitfenster des geplanten Eröffnungstermins erwartet werden durfte.
    Der Transport der Elefanten erfolgte nach sorgfältiger Vorbereitung – Bulle Maxi etwa musste aus Sicherheitsgründen daran gewöhnt werden, nach über 30 Jahren wieder Fussketten zu tragen – im März 2014. Zwei Momente überraschten dabei mit Blick auf Indi und Maxi.

    Indi hat eine Vorgeschichte als gut trainierter Zirkuselefant mit einiger Erfahrung bezüglich Reisen und Aufenthalten an wechselnden Orten. Sie ist auch, was die Bearbeitung ihrer Umwelt mit «Werkzeugen» anbelangt, sehr innovativ (und eine gute Lehrmeisterin ihrer Tochter Chandra). Indi bestieg zusammen mit Chandra als erste die Transportkiste für den Umzug. Während Chandra die Kiste am neuen Ort recht zügig verliess und damit begann, die neue Umgebung zu erkunden, blieb Indi trotz gutem Zureden der vertrauten Pfleger über Stunden in der Kiste. Als sie dann doch noch das «Neuland» betrat, folgten auch die weiteren Schritte in die verschiedenen Boxen der Hintergrundanlage – erst diese waren bezugsbereit – recht zögerlich.

    Anders gestaltete sich der Auftritt von Maxi. Maxi konnte bei Veränderungen in seinem vertrauten Gehege sehr zögerlich bis schon fast ängstlich reagieren. Als sich bei ihm das Tor zur neuen Anlage öffnete, hob er kurz seinen Rüssel, prüfte quasi, ob die Luft rein sei, und marschierte los, nicht ohne im Vorbeigehen die am Boden ausgelegten Brote aufzusammeln. Das wiederholte sich beim Übergang in die nächste Boxe. Die grosse Sandbox erkundete er zielgerichtet und testete sogleich verschiedene Fütterungseinrichtungen. Keine Spur von zögerlichem oder ängstlichem Verhalten.

    Einen Monat später erhielt Maxi als erster Elefant Zutritt zur Innenanlage. Auch hier: kurz Luft holen, dann durchschritt er die Anlage in ihrer ganzen Länge und Breite. Den imposanten Maxi in dieser Szenerie zu sehen – wo er ob deren Grösse schon fast wieder klein wirkte – war für mich ein wunderbarer Anblick, Gänsehaut pur. Einen ähnlich majestätischen Auftritt hatte Maxi dann auch noch auf der Aussenanlage, wo er schnell noch die Festigkeit des einen oder anderen Totholzstammes testete und Äste, die etwas Schwäche andeuteten, auch gleich abbrach.

    Eine Woche nach der offiziellen Eröffnung des Kaeng Krachan Elefantenparks kündete sich bei Indi die erwartete Geburt an. In den Abendstunden des 17. Juni 2014 brachte sie, zur Krönung des Umzuges, im Kreis ihrer «Familie» ihre Tochter Omysha zur Welt. Dass ich dies als Zaungast miterleben durfte – ein Geschenk. Nun erwartet Omysha ihrerseits in ein paar Monaten ihren ersten Nachwuchs.

    Asiatischer Elefant Maxi im Kaeng Krachan Elefantenpark des Zoo Zürich.

    Zeigte sich beim Umzug in den Kaeng Krachan Elefantenpark von einer ganz neuen Seite: Maxi.
    Copyright: Zoo Zürich, Jean-Luc Grossmann