Erster Nachwuchs in Panthera
In unserem neuen Grosskatzen-Lebensraum Panthera hat es erstmals Nachwuchs gegeben: Die Schneeleoparden Saida und Shahrukh sind Eltern dreier Jungtiere geworden. Seit Kurzem erkunden die drei kleinen Männchen nun ihre Umgebung.
Sie sind klein, flauschig und vor allem wichtig für den Erhalt der gefährdeten Grosskatzenart: die drei Schneeleoparden-Jungtiere im Zoo Zürich. Nach rund zwei Monaten zusammen mit ihrer Mutter in der Wurfbox beginnen die Jungtiere nun, den Grosskatzen-Lebensraum Panthera erstmals eigenständig zu erkunden.
Video: Zoo Zürich, Tim Benz
Vom Nesthocker zum Entdecker
Als die drei männlichen Schneeleoparden-Jungtiere am 9. Mai 2025 zur Welt kamen, waren sie noch blind und taub. Völlig hilflos brauchten sie die Betreuung durch die Mutter und machten das, was alle Nesthocker machen: ganz viel schlafen.
Rund zwei Monate später gehen sie nun neugierig und eigenständig in Panthera auf Entdeckungstour. Vorerst erkunden sie den Bereich Gebirge. In den nächsten Wochen werden dann nach und nach auch die drei anderen Rotations-Bereiche des Lebensraums dazukommen: Laubwald, Lichtung und Trockenwald.
Männchen-Trio: Bei den jungen Schneeleoparden handelt es sich um drei Brüder. Foto: Zoo Zürich, Patrick Dönni
Tarnung im Hochgebirge
Während sich Augen und Ohren zuerst noch entwickeln müssen, zeigt das Fell junger Schneeleoparden von Beginn weg die typische Zeichnung mit dunklen Rosetten und Flecken. Zu Beginn ist dies ein Schutz vor Fressfeinden, um auf Distanz nicht entdeckt zu werden. Später ermöglicht die Färbung optimale Tarnung bei der Jagd. In seinem hochalpinen Lebensraum im zentralasiatischen Hochgebirge, wo das Gelände aus grauen Felsen, Geröll, Schnee und trockenen Gräsern besteht, fügt sich der Schneeleopard so perfekt in die Umgebung ein.
Bei der Jagd springt der Schneeleopard dank seiner kräftigen Gliedmassen bis zu 16 Meter weit und packt seine Beute. Der lange, buschige Schwanz übernimmt dabei eine wichtige Funktion für das Gleichgewicht im unwegsamen Gelände.
Gut getarnt: Schneeleoparden verschmelzen dank ihrer Fellfärbung nahezu mit ihrer felsigen Umgebung. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz
gejagter Jäger
Der Schneeleopard ist ein erfolgreicher Jäger auf leisen Sohlen – aber leider selber auch ein Gejagter. Der Mensch jagd ihn wengen seines Fells – das längste und dichteste aller Katzenarten – und für die Verwendung in der traditionellen Medizin. In Kombination mit dem Klimawandel und dem damit verbundenen Lebensraumverlust schwindet die wilde Population der asiatischen Grosskatze zusehends.
Heute gibt es nur noch rund 3000 geschlechtsreife wildlebende Schneeleoparden. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft die Tierart auf ihrer Roten Liste deshalb als gefährdet ein.
Gut behütet: Die Schneeleoparden-Mutter kümmert sich fürsorglich um ihren Nachwuchs. Foto: Zoo Zürich, Fabio Süess
Zucht für den Arterhalt
Damit der Schneeleopard nicht tatsächlich zum «Geist der Berge» wird – so sein Beiname in Kirgisistan –, braucht es den Nachwuchs der Grosskatzenart im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP moderner wissenschaftlich geführter Zoos. Die international koordinierte Zucht erhält eine stabile Reservepopulation als Versicherung der wildlebenden Schneeleoparden aufrecht.
Kleine Geister: In Kirgisistan heisst der Schneeleopard auch «Geist der Berge». Foto: Zoo Zürich, Patrick Dönni
Untypische Grosskatze
Der Schneeleopard (Panthera uncia) gehört zur Gattung der Grosskatzen. Er weist allerdings eine Reihe anatomischer und verhaltensbiologischer Besonderheiten auf, die ihn von den anderen Grosskatzen unterscheidet.
Seine Schnauze ist relativ kurz. Dafür ist der Schwanz im Vergleich zur Körpergrösse aussergewöhnlich lang. Dieser verhilft ihm zu Stabilität im unwegsamen Gelände des Hochgebirges und bei Sprüngen.
Schneeleoparden haben einen ungewöhnlich langen Schwanz. Er hilft ihnen, im unwegsamen Gelände die Balance zu halten. Foto: Zoo Zürich, Fabio Süess
Die Anatomie des Zungenbeins ermöglicht dem Schneeleoparden Lautäusserungen wie Rufen oder Knurren. Brüllen hingegen kann er nicht, im Gegensatz zu anderen Vertretern der Gattung Panthera.
Auch das Fressverhalten zeigt eine Abweichung von den anderen Grosskatzen. Der Schneeleopard frisst seine Beute in einer hockenden Position; ein Verhalten, das eher mit kleineren Katzenarten assoziiert wird. Im Gegensatz fressen Löwen (Panthera leo) und Tiger (Panthera tigris) in der Regel liegend, wobei sie ihre Beute mit den Vorderpranken fixieren.
Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.