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  • Mähnenibis im Masoala Regenwald des Zoo Zürich.

    Eine Sensation für den Artenschutz

    Kurz nach der Eröffnung geschah im Masoala Regenwald eine kleine Sensation: Am 13. Juni 2004 schlüpfte das weltweit erste Mähnenibis-Jungtier ausserhalb seines ursprünglichen Lebensraums Madagaskar aus seinem Ei! Ohne es zu ahnen, legte es damit die Basis für eine äusserst erfolgreiche Zucht dieser gefährdeten madagassischen Vogelart. In den 20 Jahren, die das Männchen bei uns im Zoo lebte, zeugte es zahlreiche Nachkommen. Nun ist der Mähnenibis mit der Ringnummer 51685 verstorben.

    Ein etwa 10 Zentimeter langer dünner Schnabel stochert im Unterholz des Masoala Regenwaldes im Zoo Zürich nach Futter. Unermüdlich wird der Boden nach Insekten, Würmern, Spinnen oder Schnecken abgesucht. Der Schnabel gehört Mähnenibis-Männchen 51685, erkennbar an dem Ring am rechten Fuss und einer blauen Markierung links.

    Doch nun stochert 51685 nicht mehr. Kaum einem Zoogast wird das auffallen, denn in ihrem braun-weissen Federkleid wirken Mähnenibisse für viele Gäste unscheinbar und austauschbar. Dabei spielte Mähnenibis 51685 bis vor Kurzem eine wichtige Rolle im Zuchtprogramm für die gefährdete Art. Ende November verstarb das Männchen in einem hohen Alter von über 20 Jahren.

    Mähnenibis im Masoala Regenwald des Zoo Zürich.

    Das verstorbene Mähnenibis-Männchen unterwegs im Masoala Regenwald. Foto: Zoo Zürich, Nick Soland

    In der Natur gefährdet

    Der Mähnenibis kommt in der Natur ausschliesslich auf Madagaskar vor. Abholzungen, Brandrodungen oder auch die Jagd führten dazu, dass es heute noch rund 2500 Mähnenibisse auf der Insel vor der afrikanischen Ostküste gibt. Um den Verlust des natürlichen Lebensraums zu stoppen, braucht es entsprechende Schutzprojekte.

    Der Zoo Zürich engagiert sich darum bereits seit 1995 in seinem Naturschutzprojekt Masoala für den Erhalt der madagassischen Natur. Dazu leistet er – dank grosszügiger Spenden – finanzielle Beiträge an die Betriebskosten des Masoala Nationalparks, Aufforstungsprojekte sowie die Umweltbildung von Kindern und Jugendlichen in der Masoala-Region.

    14 Zürcher Mähnenibisse

    Trotz der intensiven Schutzbemühungen ist der Bestand der Mähnenibisse in Madagaskar weiterhin abnehmend und die Weltnaturschutzunion IUCN musste die Ibis-Art im Juli 2024 auf der Roten Liste der gefährdeten Arten von «potenziell gefährdet» auf «gefährdet» hochstufen.

    Dies bestätigt, dass für einen ganzheitlichen Artenschutz die Tierpopulationen in Zoos und deren erfolgreiche Zucht von entscheidender Bedeutung sind. Deshalb war es umso wichtiger, dass uns im Zoo Zürich nur ein Jahr nach der Eröffnung des Masoala Regenwalds weltweit zum ersten Mal eine Nachzucht dieser Vogelart gelang.

    Das nun verstorbene Mähnenibis-Männchen bildete den Grundstein für den erfolgreichen Aufbau einer Reservepopulation als Versicherung für die gefährdete Mähnenibis-Population in der Natur. Und man könnte sagen, Mähnenibis 51685 nahm seinen Auftrag zum Schutz der Art sehr ernst. In den letzten 20 Jahren sorgte er für ordentlich Nachwuchs: 40 direkte Jungtiere, 132 Enkel, 92 Urenkel, 31 Ururenkel und 9 Urururenkel.

    Nach seinem Tod verbleiben nun noch 14 Mähnenibisse im Masoala Regenwald, davon 2 Töchter und 5 Söhne. Diese Zürcher Mähnenibisse führen zusammen mit den 73 Mähnenibissen in anderen europäischen Zoos die erfolgreiche Zuchtbilanz fort und bewahren so die Art vor dem Aussterben.

    Mähnenibis im Masoala Regenwald des Zoo Zürich.

    Die «Mähne» aus Federn nutzen die Mähnenibisse zur Kommunikation mit anderen Artgenossen in der Balz oder auch zur Revierverteidigung. Foto: Zoo Zürich, Fabio Süess

    Ein Botschafter für den Artenschutz

    Auch nach seinem Tod besteht das Ibis-Männchen weiter. Der Vogel wird für das Naturmuseum St. Gallen präpariert und für die Museumsbesucher*innen ausgestellt. Wie bereits im Zoo, bleibt er so ein Botschafter für den Schutz seiner Art und für den dringenden Erhalt der madagassischen Artenvielfalt!