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  • Waldrapp im Zoo Zürich.

    Ein Rückkehrer in Europa

    Der Waldrapp ist seit dem 17. Jahrhundert aus Europa verschwunden, ausgerottet durch den Menschen. Seit einiger Zeit brütet der eigentümliche Vogel aber wieder in Teilen seines ursprünglichen Verbreitungsgebiet. Auch in der Schweiz ist er wieder anzutreffen. Weshalb das so ist und was der Zoo damit zu tun hat.

    Einst weit verbreitet im Nahen Osten, in Nordafrika und Zentraleuropa ist der Waldrapp heute einer der seltensten Vögel überhaupt. In Zentraleuropa hat der Mensch den Waldrapp vor etwa 400 Jahren ausgerottet. Nur wenige Restpopulationen in Nordafrika und im Nahen Osten überlebten.

    Im Zoo Zürich hat es aktuell Jungtiere bei den Waldrappen. Video: Zoo Zürich, Nicole Schnyder

    Europäische Zoos halten Waldrappe seit den 1930-er Jahren. In den späten 1950-er Jahren gelangen im Zoo Basel erste Nachzuchten. Mit zunehmendem Wissen über die Tiere ist der Bestand in europäischen Zoos inzwischen auf über 1700 Tiere angewachsen.

    Aktuell gibt es in Europa zwei Wiederansiedlungsprojekte für die Waldrappen. Das Projekt «Waldrappteam» will eine neue Waldrappen-Population in Zentraleuropa aufbauen. Von 2004 bis 2018 konnte das Projekt 289 Jungvögel aus verschiedenen Zoos auswildern. Die Sterblichkeitsrate der Jungvögel ist allerdings hoch.

    Zugroute vom Flugzeug lernen

    Die Jungvögel lernen mithilfe vorausfliegender Ultraleichtflugzeuge die Route nach Norditalien zu ihren Winterquartieren kennen. Normalerweise würden sie diese auf dem ersten Flug nach Süden von ihren Eltern lernen.

    Waldrapp mit Jungvogel im Zoo Zürich.

    Waldrapp mit Jungtier. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini

    Interessierte können die Flugrouten der auswilderten Vögel in der Live-Tracking-App «Animal Tracker» verfolgen.

    Das zweite Wiederansiedlungsprojekt ist in Andalusien beheimatet. Dort versucht man, eine nicht-ziehende Population zu etablieren, da die Verhältnisse in Südspanien ein ganzjähriges Verbleiben der Vögel zulassen. Der Zoo Zürich beteiligt sich an beiden Projekten.

    Drei Jungvögel nach Spanien

    Dreizehn Vögel hat der Zoo Zürich bisher bereits zum Auswildern zur Verfügung gestellt. Im Juli folgen nun drei weitere Jungvögel. Sie werden in Spanien ausgewildert. Der Zoo Zürich leistet so seinen Teil zur Wiederansiedlung des ikonischen Vogels.

    Auch in der Schweiz werden dank der Auswilderungsprojekte nach 400 Jahren Absenz immer häufiger wieder Waldrappen gesichtet.

    Waldrapp im Zoo Zürich.

    Waldrapp. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini

    Ein komischer Vogel

    Der Waldrapp ist je nach Verbreitungsgebiet ein Stand- oder ein Zugvogel. Die Vögel, die in Zentraleuropa leben, fliegen über den Winter nach Südeuropa. Die westeuropäische Population in Spanien hingegen zieht nicht, sondern bleibt standorttreu.

    Waldrappen ernähren sich bevorzugt von Insekten, verschmähen aber auch kleinere Wirbeltiere wie Echsen nicht. Der Vogel brütet in Kolonien. Er wird durchschnittlich etwa 20–25 Jahre alt.

    Waldrapp mit Jungvogel im Zoo Zürich.

    Waldrapp mit Jungtier. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini

    Die Pärchen sind während der Brutperiode monogam. Zwischen den Jahren können die Partner aber wechseln.

    In einem Gelege mit zwei bis vier Eiern überleben meist nur ein bis zwei Jungtiere. Beide Elterntiere versorgen gemeinsam die Jungtiere; auch dann noch, wenn diese das Nest schon verlassen haben. Im Zoo Zürich sind diesen Frühling bisher vier Jungtiere geschlüpft.

    Waldrappen im Zoo Zürich.

    Waldrappen. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini