Ein grosser Tag für die Hyazintharas
Im August 2025 fand in Brasilien, Bolivien und Paraguay die bislang weltweit grösste Zählaktion zur Erfassung des bedrohten Hyazintharas statt. Initiiert von der lokalen Naturschutzorganisation Instituto Arara Azul und ermöglicht durch die Unterstützung des Zoo Zürich, erfassten freiwillige Zähler*innen insgesamt 1275 Papageien.
Ausgerüstet mit Ferngläsern und geschultem Blick richteten am 16. und 17. August 2025 zahlreiche Freiwillige ihre Aufmerksamkeit auf den Himmel über Brasilien, Bolivien und Paraguay. Ihr gemeinsames Ziel: die Erfassung der Hyazintharas in ihrem natürlichen Lebensraum in Südamerika. Zu diesem Zweck rief die Naturschutzpartnerorganisation des Zoo Zürich, das Instituto Arara Azul, erstmals den internationalen «Big Day of the Hyacinth Macaws» ins Leben.
«Verlässliche Daten zu Vorkommen und Verbreitung dieser Papageienart in der Wildnis sind eine zentrale Grundlage für ihre Erforschung und ihren langfristigen Schutz. Gleichzeitig stärkt die Einbindung der lokalen Bevölkerung in die Zählaktion das öffentliche Bewusstsein für den Artenschutz», erklärt Fernanda Mussi Fontoura, Naturschutzbotschafterin des Zoo Zürich und Feldkoordinatorin des Instituto Arara Azul.
Freiwillige Helfer*innen zählten am 16. Und 17. August 2025 Hyazintharas in Südamerika.
Fotos: Instituto Arara Azul
Ergebnis der Zählung
«Die Zählaktion des Instituto Arara Azul erfasste insgesamt 1275 Hyazintharas in Brasilien, Bolivien und Paraguay. Dies entspricht rund 20 Prozent der weltweit in der Wildnis lebenden Population», fasst die Naturschutzbotschafterin Fernanda das Ergebnis der Zählung zusammen.
Die Erhebungen fanden im Pantanal, im Cerrado und im Amazonasgebiet statt. In Brasilien wurden über 890 Individuen in vier Bundesstaaten registriert, mit den höchsten Zahlen in Mato Grosso do Sul (409 Aras) und Pará (335). In Bolivien dokumentierten die Zähler*innen 359 Hyazintharas an 23 Beobachtungspunkten. In Paraguay wurden an fünf Beobachtungspunkten 19 Individuen nachgewiesen – ein historischer Erfolg in einer Region, in der die Art lange als nahezu ausgestorben galt.
Ebenso bedeutsam wie diese Nachweise ist das Ausbleiben von Sichtungen in anderen bekannten Verbreitungsgebieten: Diese Informationen zeigen auf, wo künftig gezielte Schutzmassnahmen für die weltweit grösste Papageienart besonders sinnvoll und wirksam sind.
Übersicht der Anzahl gezählten Hyazintharas in den drei südamerikanischen Ländern Brasilien, Bolivien und Paraguay.
Grafik: Instituto Arara Azul
Naturschutzpartnerschaft seit 2020
Ermöglicht wurde die Zählung der Hyazintharas durch die finanzielle Unterstützung des Zoo Zürich sowie weiterer Partnerinstitutionen. Seit 2020 verbindet den Zoo Zürich eine Naturschutzpartnerschaft mit dem Instituto Arara Azul, die sich dem Schutz der grössten Papageienart der Welt widmet. Dank dieses Engagements werden im Pantanal, dem grössten Feuchtgebiet der Erde, über 300 künstliche und natürliche Hyazinthara-Nistplätze bereitgestellt, überwacht und gepflegt. Auf diese Weise wirkt das Instituto Arara Azul dem Rückgang der Hyazintharas in dieser Schlüsselregion gezielt entgegen.
Im Mittelpunkt des Projekts stehen die wissenschaftliche Erforschung der Art, ihr langfristiger Schutz sowie die Erhaltung ihres gesamten Lebensraums. Ergänzt wird das Engagement durch Bildungs- und Sensibilisierungsprogramme für die lokale Bevölkerung, die einen nachhaltigen Artenschutz vor Ort fördern.
Umweltbildung mit der Bevölkerung
Ergänzend zum «Big Day of the Hyacinth Macaws» setzte das Instituto Arara Azul von Januar bis Juni 2025 ein breites Programm an Umweltbildungsaktivitäten mit der lokalen Bevölkerung um. In sechs Städten führte die brasilianische Naturschutzorganisation insgesamt 38 Bildungsaktionen durch und präsentierte ihre Arbeit an 17 Umwelt- und Biodiversitätsveranstaltungen. Auf diese Weise konnten rund 25’000 Menschen für den Schutz der Hyazinth-Aras sensibilisiert werden.
Die Bildungsangebote waren gezielt auf unterschiedliche Altersgruppen ausgerichtet: Kleinkinder wurden mit spielerischen Aktivitäten wie Malen, Musizieren und Geschichten an den Natur- und Artenschutz herangeführt. Kinder und Jugendliche nahmen an Workshops, Vorträgen und Exkursionen zu Ara-Nistplätzen teil und erhielten dabei direkte Einblicke in die Feldforschung und den Naturschutz vor Ort. Studierende und Erwachsene wurden in wissenschaftlichen Vorträgen über zentrale Schutzmassnahmen informiert, die für eine nachhaltige Zukunft des Hyazintharas entscheidend sind.
Den Kleinkindern werden Geschichten erzählt.
Foto: Instituto Arara Azul
Die Kleinkinder lernen spielerisch, wie sie die Hyazintharas schützen können.
Foto: Instituto Arara Azul
Die etwas älteren Kinder hören Vorträgen zu.
Foto: Instituto Arara Azul
Auch für Student*innen und Erwachsene gibt es Lernangebote in Form von Vorträgen.
Foto: Instituto Arara Azul
Gemeinsam für den Schutz des Hyazinth-Aras
Sowohl der «Big Day of the Hyacinth Macaws» als auch die weiteren Umweltbildungsprogramme zeigen, wie entscheidend Wissen, Beteiligung und langfristiges Engagement für den Schutz des Hyazintharas sind. Die Art ist durch Lebensraumverlust (Abholzung, Landwirtschaft und Brände), aber auch durch illegalen Wildtierhandel und die Folgen des Klimawandels, der Nahrungsangebot und Brutplätze zunehmend beeinträchtigt, bedroht.
Verlässliche Daten aus Zählaktionen liefern die wissenschaftliche Grundlage, um Schutzmassnahmen gezielt dort umzusetzen, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Gleichzeitig stärken Umweltbildungsprojekte das Bewusstsein der lokalen Bevölkerung für den Wert dieser einzigartigen Papageienart und ihres Lebensraums. Nur wenn Forschung, Schutzmassnahmen im natürlichen Lebensraum sowie in Zoos und gesellschaftliches Engagement Hand in Hand gehen, lässt sich die Zukunft des Hyazintharas in der Wildnis nachhaltig sichern.
Gesichtete Hyazintharas während der Zählaktion am «Big Day of the Hyacinth Macaws».
Fotos: Instituto Arara Azul