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  • Koala Téa mit Jungtier im Zoo Zürich.
    Koalaweibchen Téa im Zoo Zürich.

    Die Koalas haben Nachwuchs

    Beutel mit Füllung im Australienhaus: Unsere Koalas haben ein Jungtier. Alle Infos zum Nachwuchs bei den Eukalyptusspezialisten gibt es hier.

    Wir haben Nachwuchs im Australienhaus: Unser Koala-Weibchen Téa trägt ein Jungtier im Beutel. Das sogenannte «Joey» – die gängige Bezeichnung für Beuteltier-Jungtiere – wird langsam immer sichtbarer und zeigt sich seit kurzer Zeit auch ausserhalb des Beutels. 

    Im Beutel drin ist das Joey schon längere Zeit, namentlich seit etwa sechs Monaten. Die Geburt fand also Mitte Mai statt.

    Das Koala-Jungtier ist auch Thema des 16. Türchens in unserem Video-Adventskalender: Zoo Zürich, Tim Benz

    Böhnchen im Beutel

    Koalas kommen nach einer Tragzeit von nur rund 35 Tagen zur Welt – winzig, blind, nackt und völlig hilflos. Sie sind bei der Geburt etwa so gross wie ein Böhnchen oder Gummibärchen.

    Den Weg in den Beutel findet das Joey dank einer Geruchsspur, die die Mutter durch intensives Lecken anlegt. Fest ins Fell gekrallt, klettert das nur zwei Zentimeter kleine Lebewesen sofort nach der Geburt los und folgt mit seinem bereits gut ausgeprägten Geruchssinn der Spur vom Geburtskanal in den Beutel.

    Koala Téa mit Jungtier im Zoo Zürich.

    Die ersten Lebensmonate verbringen junge Koalas ausschliesslich im Beutel der Mutter. Erst nach etwa sechs Monaten werden sie allmählich für die Aussenwelt sichtbar. Bild: Zoo Zürich, Fabio Süess

    Im Beutel saugt sich das Joey an einer Zitze fest und erhält fortan Muttermilch. Über die nächsten Monate entwickelt es sich im Beutel vom Winzling zum Koala-Jungtier: Es wächst heran und verdreihundertfacht dabei sein Gewicht – von 1 Gramm auf etwa 300 Gramm.

    Nach etwa sechs Monaten beginnt das Koala-Jungtier, den Beutel zu verlassen. Gleichzeitig beginnt es, schrittweise seine Ernährung umzustellen.

    Koala Téa mit Jungtier im Zoo Zürich.

    Innerhalb des Beutels wächst das Koala-Jungtier von einem 1 Gramm leichten «Böhnchen» zu einem rund 300 Gramm schweren Mini-Koala heran. Bild: Zoo Zürich, Fabio Süess

    Nahrungsumstellung mit Kot

    Im Beutel hat sich das Joey ausschliesslich von Muttermilch ernährt. Nun beginnt es, speziellen Kot der Mutter zu fressen. Die Mutter produziert diesen kurzzeitig in der Phase der Umstellung.

    Über den Kot nimmt das Joey wichtige Darmmikroben auf, quasi als mikrobielle Vorbereitung auf das Fressen und Verdauen von Eukalyptus. Mit den Darmbakterien übernimmt das Joey auch die Eukalyptusprägung der Mutter und wird die gleichen Eukalyptusarten bevorzugen.

    Koala Téa mit Jungtier im Zoo Zürich.

    Die Umstellung von Muttermilch auf Eukalyptus dauert mehrere Monate. Bild: Zoo Zürich, Fabio Süess

    Im Alter von rund acht Monaten beginnt das Joey, mehrheitlich Eukalyptusblätter zu fressen. Und mit circa zwölf Monaten ist das Jungtier schliesslich von der Muttermilch entwöhnt.

    Leibspeise mit Tücken

    Für Koala-Weibchen Téa ist es das erste Jungtier, ebenso für das Männchen Tarni. Letzterer spielt im Leben des Joeys allerdings keine Rolle: Koalas sind Einzelgänger und kommen nur zur Paarungszeit zusammen. Die Jungenaufzucht übernehmen ausschliesslich die Weibchen.

    Koala Téa mit Jungtier im Zoo Zürich.

    Koalas – Jungtiere wie Erwachsene – schlafen bis zu zwanzig Stunden am Tag. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz

    Das Joey bleibt insgesamt etwa 12 Monate bei seiner Mutter. In dieser Zeit erlernt es alle für einen Koala wichtigen Verhaltensweisen. Dazu gehört, wie man klettert und sich in den Bäumen bewegt. Aber auch, wie man die richtige Nahrung auswählt.

    Koalas fressen ausschliesslich Eukalyptus. Von den über 700 Eukalyptusarten ist allerdings nur ein kleiner Teil für die Beuteltiere geniessbar. Die anderen Arten sind selbst für Koalas zu giftig.

    Koala Téa mit Jungtier im Zoo Zürich.

    Koalas sind «Tree Huggers» im wahrsten Wortsinn: Sie verbringen den grössten Teil ihres Lebens auf Bäumen. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz

    Eukalyptus aus der Region

    Im Zoo Zürich stellen wir den Koalas eine Auswahl von 27 Eukalyptusarten zur Verfügung, wobei sie pro Tag 4–5 verschiedene Arten erhalten. Eukalyptus robusta ist bei jeder Mischung dabei, da diese Art besonders gut verträglich ist. Den Eukalyptus beziehen wir von einer Gärtnerei, die die Pflanze speziell für uns in der Region Zürich anbaut (wir berichteten).

    Koalaweibchen Téa im Zoo Zürich.

    Für Koalaweibchen Téa ist es der erste Nachwuchs. Bild: Zoo Zürich, Enzo Franchini

    «Wir freuen uns sehr über den Zuchterfolg bei unseren Koalas; die Geburt ist ein wichtiger Beitrag zum langfristigen Erhalt der bedrohten Art», sagt Zoodirektor Severin Dressen. Der Zoo Zürich beteiligt sich am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP für den Koala.

    Der Zoo trägt aber nicht nur zur Sicherung einer Koala-Reservepopulation ausserhalb des natürlichen Lebensraums bei, sondern informiert im Rahmen von Präsentationen und Führungen über die ikonischen Beuteltiere. Zudem unterstützt der Zoo in Australien die Naturschutzorganisation Koala Conservation Australia. Sie betreibt ein Koala-Spital, setzt sich für den Lebensraum-Erhalt ein, unterhält Forschungskooperationen und hat ein Zuchtprogramm zur Wiederansiedlung etabliert.

    Koalamännchen Tarni im Zoo Zürich.

    Koalamännchen Tarni, der Vater des Jungtiers, in typischer Pose: Koalas schlafen bis zu 20 Stunden am Tag, was unter anderem an ihrer sehr schwerverdaulichen Nahrung liegt. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini