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  • Bärenstummelaffe im Zoo Zürich

    Bär? Kuh? Koala? Affe!

    Im Zoo Zürich ist eine neue Tierart eingezogen. Der Bärenstummelaffe verdaut ähnlich wie eine Kuh, ist so gemächlich unterwegs wie ein Koala und hat mit dem Bär im Namen überhaupt nichts zu tun. Hier berichten wir, was die besondere Affenart alles ausmacht.

    Wer genau hinschaut, sieht es: Wo andere den Daumen haben, trägt der Bärenstummelaffe (Colobus polykomos) nur einen kurzen Stummel. Aus gutem Grund: Sein Leben spielt sich fast vollständig in den oberen Baumkronen des westafrikanischen Regenwalds ab. Ein Daumen würde hier stören, da die Gefahr gross wäre, hängen zu bleiben. Die Evolution hat den Daumen deshalb über die Zeit zurückgebildet und dem Bärenstummelaffen das gezielte Hangeln im Geäst damit erleichtert. Seinen fast einen Meter langen Schwanz setzt der Affe als Steuerhilfe ein.

    Video: Zoo Zürich, Tim Benz

    Verdauen wie Kühe

    Doch nicht nur den Daumen hat die Evolution perfektioniert, auch der Magen des Bärenstummelaffen ist besonders: Er funktioniert ähnlich wie bei einer Kuh, einfach ohne das Wiederkäuen. Bärenstummelaffen ernähren sich hauptsächlich von Blättern. Um diese schwerverdauliche Kost zu verarbeiten, haben sie einen mehrkammerigen Magen. Darin übernehmen spezielle Bakterien in vorgelagerten Gärkammern einen Teil der Verdauungsarbeit; denn Blätter enthalten viel Zellulose, die Säugetiere selbst kaum verarbeiten können.

    Chillen wie Koalas

    Diese Art der Verdauung ist bei Primaten selten und zwingt die Bärenstummelaffen zu ausgedehnten Ruhephasen. Etwa zwei Drittel des Tages verbringen die tagaktiven Tiere mit Ruhen, Schlafen oder Sonnenbaden. Unnötige Bewegung vermeiden sie, ganz ähnlich einem Koala, ebenfalls ein Energiesparprofi. Wer im Tierreich auf schwer verdauliche Blattnahrung spezialisiert ist, nimmt es in der Regel gemütlich.

    Bärenstummelaffe im Zoo Zürich

    Weniger Daumen, mehr Sicherheit im Geäst: Der Bärenstummelaffe hat besondere Hände. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.

    Auch im Zusammenleben geht es bei Bärenstummelaffen meist ruhig zu. Die Primaten leben in Gruppen mit ein bis zwei Männchen und vier bis sechs Weibchen sowie deren Nachwuchs. Um die Jungtiere kümmert sich vor allem in den ersten Wochen nicht nur die Mutter. Auch andere Weibchen der Gruppe helfen mit.

    Alle für die Familie

    Bärenstummelaffen zeigen ein ausgeprägtes «Tantenverhalten». Droht Gefahr, sammeln die Familienmitglieder alle Jungtiere ein – unabhängig davon, ob es das eigene oder ein fremdes ist – und bringen sie in Sicherheit. Damit sie für die Gruppe im grünen Blätterdach stets gut sichtbar sind, haben die Jungtiere ein schneeweisses Fell.

    Körperliche Auseinandersetzungen mit anderen Gruppen kommen zwar vor. In der Regel werden Reviergrenzen jedoch akustisch abgesteckt. Meist in den Morgenstunden äussern die Männchen laute Rufe, die über weite Strecken im Regenwald hörbar sind und anderen Gruppen ihren Aufenthaltsort signalisieren.

    Bärenstummelaffe (Colobus polykomos).

    Vegi: Bärenstummelaffen ernähren sich von pflanzlicher Kost. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.

    In der Natur unter starkem Druck

    Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN ist der Bärenstummelaffe als stark gefährdet eingestuft. Vor allem die fortschreitende Abholzung seines natürlichen Lebensraums und die intensive Bejagung für den lokalen Buschfleischmarkt haben zu einem drastischen Rückgang der wildlebenden Bestände dieser Art geführt

    Die Affenart pflanzt sich zudem nur langsam fort: Ein Weibchen bringt nur etwa alle zwei Jahre ein Jungtier zur Welt. Zwar bestehen Schutzprojekte vor Ort, in denen sich auch die Europäische Zoogemeinschaft engagiert. Mittlerweile ist die Art jedoch auch aus vielen Schutzgebieten verschwunden oder nur noch in geringer Zahl vorhanden. Trotz Schutzstatus sind Wilderei, illegaler Holzschlag und Bergbau in diesen Gebieten noch immer weit verbreitet.

    Bärenstummelaffe (Colobus polykomos).

    Bärenstummelaffen sind in den oberen Baumkronen des Regenwalds zu Hause. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.

    Reservepopulation in Zoos erhalten

    Umso wichtiger ist der Schutz ausserhalb des natürlichen Lebensraumes. Dieser erfolgt durch die koordinierte Zucht und Haltung von Bärenstummelaffen im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms. 14 Institutionen sind daran beteiligt, mit aktuell 57 Tieren ist die Reservepopulation aber noch vergleichsweise klein. Jede zusätzliche Haltung trägt deshalb zum Erhalt der Art bei.

    Langfristig werden die Bärenstummelaffen im Zoo Zürich in den Ndoki Wald umziehen, unser künftiger Lebensraum für Westliche Fachlandgorillas und weitere gefährdete Tierarten.

    Bärenstummelaffe im Zoo Zürich

    In der Natur ist der Bärenstummelaffe bedroht, weil ihm der Lebensraum abgeholzt und er intensiv bejagd wird. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.