Direkt zum Inhalt
  • Humnoldtpinguine auf Küstenfelsen

    Auf den Spuren der Humboldtpinguine

    Ende Juli haben Forschende des Antarctic Research Trust (ART) fünf Humboldtpinguine mit Satellitensendern ausgestattet, um ihr Wanderverhalten vor der Küste Nordchiles ausserhalb der Brutsaison zu untersuchen. Die Bewegungsdaten sollen zeigen, ob die Vögel weite Strecken zur Nahrungssuche zurücklegen oder in der Nähe der Brutgebiete bleiben – und ob sie dabei auch Regionen aufsuchen, wo menschliche Aktivitäten wie Fischerei oder Umweltverschmutzung ihre Lebensräume beeinträchtigen könnten.

    Humboldtpinguine brüten an der Küste Nordchiles, doch was sie ausserhalb der Brutsaison tun, gibt noch viele Rätsel auf. Es wird vermutet, dass sie ausserhalb der zweimal jährlich stattfindenden Brutsaisons weite Strecken entlang der Küste zur Nahrungssuche zurücklegen, so wie ihre nahen Verwandten, die Magellanpinguine. Wie genau sich die Tiere jedoch in den nördlichen Brutgebieten Chiles im Meer bewegen, ist bisher kaum erforscht.

    Um mehr darüber zu erfahren, hat ein dreiköpfiges Team um unseren Naturschutzbotschafter und Pinguin-Spezialist Thomas Mattern fünf Pinguine mit kleinen Satellitensendern ausgestattet. Zu diesem Zeitpunkt versorgten die Tiere noch ihre Küken, die Mitte August flügge wurden. Nun sollen die Satellitendaten zeigen, ob die Altvögel zur Nahrungssuche, nachdem die Brutsaison vorbei ist, weite Wanderungen ins offene Meer unternehmen oder ob sie in Küstennähe bleiben.

    Humboldtpinguin mit GPS-Sender auf dem Rücken

    Einer der fünf mit Satellitensendern ausgestatteten Humboldtpinguine. Foto: Antarctic Research Trust, Thomas Mattern

    Boot wird ins Wasser gelegt

    Die Forschungsgruppe macht sich auf den Weg zu den Brutstellen der Humboldtpinguine an der Küste Nordchiles. Foto: Antarctic Research Trust, Thomas Mattern

    Zeltlager an der Küste Chiles

    Zeltlager der Forschungsgruppe bei den Humboldtpinguinen. Foto: Antarctic Research Trust, Thomas Mattern

    Bewegung der Pinguine nachverfolgen

    Forschung für den Pinguinschutz

    Der Antarctic Research Trust (ART) setzt sich als Stiftung für den Schutz antarktischer und subantarktischer Tierarten und deren Lebensräume ein und betreibt darüber hinaus Projekte in Chile und Argentinien, wo ebenfalls bedrohte Pinguinarten leben. Dank der finanziellen Unterstützung durch den Zoo Zürich kann unser Naturschutzbotschafter Thomas Mattern seine Forschung für ART vorantreiben und so wertvolles Wissen für den Schutz der Humboldtpinguine beisteuern.

    Schnelle Schwimmer

    Humboldtpinguine sind an den Küsten Nordchiles und Perus beheimatet. Wie viele andere Pinguinarten tragen sie ein schwarz-weisses Gefieder. Ihre zu kräftigen Flossen umgebildeten Flügel machen sie zu schnellen und wendigen Schwimmern. Sie ernähren sich hauptsächlich von Fischen und Tintenfischen und brüten in Kolonien, meist in Felsspalten, in Erdbauten oder unter Vegetation wie zum Beispiel Kakteen. Bedrohungen wie Überfischung, Klimawandel und menschliche Eingriffe haben ihre Bestände stark zurückgehen lassen. Heute gibt es nur noch rund 12'000 Brutpaare – Tendenz abnehmend. Entsprechend wird der Humboldtpinguin auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten der Weltnaturschutzunion IUCN als bedroht eingestuft.

    Humboldtpinguin beim tauchen

    Humboldtpinguin unter Wasser im Zoo Zürich. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini

    Klimaphänomen beeinflusst wildlebende Population

    In den vergangenen zwei Jahren haben die Humboldtpinguine stark unter dem Klimaphänomen El Niño gelitten. Dies ist ein weiterer Grund, warum die Bewegungsdaten der fünf besenderten Pinguine so wichtig sind. Das regelmässig wiederkehrende Klimaphänomen erwärmt die Oberfläche des Pazifiks entlang der Südamerikanischen Westküste und verhindert, dass kalte, nährstoffreiche Strömungen aufsteigen. Mit dem damit verbundenen Rückgang der Fischbestände schwindet auch die Nahrungsgrundlage der Pinguine. Die Folge: weniger Nachwuchs und zum Teil dramatische Bestandsverluste. Besonders in Nordchile blieben die Bruten fast zwei Jahre lang erfolglos, während sich die Situation weiter südlich – etwa auf der Isla Cachagua – allmählich wieder stabilisiert.

    Humboldtpinguin in seinem Brutnest

    Brütender Humboldtpinguin in seinem Nest in Chile. Foto: Antarctic Research Trust, Thomas Mattern

    Brutlöcher von Humboldtpinguinen

    Brutstellen der Humboldtpinguine an der Küste Nordchiles. Foto: Antarctic Research Trust, Thomas Mattern

    Erste Ergebnisse

    Alle Satellitensender lösen sich nach einer gewissen Zeit selbst ab. Eine zentrale Erkenntnis der Auswertung der ersten Daten ist, dass sich alle fünf Pinguine konsequent in Küstennähe aufhielten, keiner schwamm ins offene Meer hinaus. Etwas überraschend entfernten sich nur zwei der Vögel mehr als 100 Kilometer von ihrer Brutkolonie auf Isla Cachagua. Ein Vogel legte fast 400 Kilometer nach Süden zurück, der andere rund 140 Kilometer. Die übrigen drei Pinguine blieben in den gewohnten Jagdgebieten, die sie auch während der Brutsaison nutzen, verbrachten dort jedoch teils mehrere Tage am Stück auf See. Bemerkenswert ist zudem, dass die Pinguine besonders häufig Regionen mit intensiver menschlicher Nutzung aufsuchten: so die Gewässer um die Hafenstädte Valparaíso und Viña del Mar, aber auch den Mündungsbereich des stark belasteten Maipo-Flusses. Auf den ersten Blick wirkt dies paradox. Möglicherweise sind diese Gebiete für die Tiere jedoch attraktiv, weil sie aufgrund von Schiffsverkehr oder Verschmutzung weniger stark befischt werden und damit womöglich eine verlässlichere Nahrungsquelle bieten.