32 Jungstörche beringt – ein gutes Jahr
Am Dienstag hat der Zoo Zürich mit Unterstützung von Schutz und Rettung Zürich die Jungstörche beringt und dabei 32 Tiere gezählt. Das ist ein gutes Brutergebnis – trotz viel Regen in den vergangenen Tagen. Positiv ausgewirkt haben sich die mehrheitlich milden Temperaturen und die Warmphasen zwischendurch.
«Das ist ein gutes Jahr. Bisher haben wir nur zwei tote Jungstörche in den Nestern gefunden.» Es ist halb elf am Dienstagvormittag. Tierpfleger Urs zieht eine erste Zwischenbilanz der diesjährigen Beringung. Er ist so etwas wie der Herr der Störche im Zoo Zürich. Bereits seit über 25 Jahren verantwortet er die jährliche Beringungsaktion.
Inzwischen steigt er nicht mehr selbst hoch zu den Horsten, sondern bleibt am Boden und notiert die Ergebnisse sowie die Nummern der verteilten Ringe. Oben auf der Drehleiter von Schutz und Rettung Zürich steht sein junger Kollege Henning, der den Job im kommenden Jahr von ihm übernehmen wird.
Storchenberingung 2025 im Zoo Zürich
Video: Zoo Zürich, Dominik Ryser, Birte Fröhlich
Per Drehleiter zum Storchenhorst
23 Jungstörche hat das insgesamt sechsköpfige Team bis zu diesem Zeitpunkt bereits beringt. Und in den nächsten Minuten kommen drei weitere dazu. Gerade eben hat Henning die Jungstörche Nummer 24, 25 und 26 behutsam aus dem Nest gehoben. Sie liegen nun reglos am Boden des Drehleiterkorbs – bei Gefahr stellen sich Jungstörche instinktiv tot.
Die meisten Störche werden in luftiger Höhe direkt im Horst beringt. Foto: Zoo Zürich, Michèle Seiler.
Wie tot liegen die Jungstörche am Boden der Drehleiter und bewegen sich nicht. Foto: Zoo Zürich, Birte Fröhlich.
Unten angekommen, hebt er sie aus dem Korb und legt sie vorsichtig nebeneinander auf dem Gehweg ab. Schnell bildet sich eine grosse Traube interessierter Zoogäste. Das Team führt spontan eine kurze Präsentation durch, erklärt, was genau passiert, und gibt Informationen zum Leben der Weissstörche in der Schweiz.
Ungerade Jahre links, gerade rechts
«Wir haben 2025, das ist ein ungerades Jahr und das heisst, wir beringen links. Letztes Jahr, 2024, war ein gerades Jahr, da haben wir rechts beringt, 2026 auch wieder rechts. 2027 dann wieder links», erklärt Vogel-Fachspezialist Nicolai.
Der Ring werde zudem immer oberhalb der Ferse angebracht. Diese sei bei einem Storch deutlich weiter oben als es beispielsweise beim Menschen der Fall sei. Der untere Teil des Beins eines Storchs sei der Mittelfussknochen, nicht das Schienbein.
Die kurze Präsentation ermöglicht Zoogästen einen spannenden Einblick in das Leben der Weissstörche. Foto: Zoo Zürich, Birte Fröhlich
Foto: Zoo Zürich, Birte Fröhlich
Auswirkungen des Klimawandels
Beringt werden Jungstörche im Alter von etwa 45 Tagen. Im Alter von 60 bis 70 Tagen sind sie flügge und verlassen das Nest. Normalerweise brüten die Störche im Zoo etwa zeitgleich, so dass alle Jungtiere an einem Tag beringt werden können.
Vermutlich durch den Klimawandel kommt es aber zu Verschiebungen, so dass dieses Jahr manche Störche bereits sehr früh dran waren und einige erst später mit der Brut begonnen haben. So gibt es aktuell ein paar Jungtiere, die noch zu klein für eine Beringung sind. Sie werden – soweit möglich – nachträglich beringt.
Es gibt verschiedene Ringe zur Vogelberingung. Störche werden mit sogenannten ELSA-Ringen beringt. Foto: Zoo Zürich, Birte Fröhlich.
Der Ring ist immer am Bein des Storchs befestigt. Foto: Zoo Zürich, Birte Fröhlich
Der Zoo beringt im Auftrag der Vogelwarte Sempach. Dort sind alle Informationen zu jedem beringten Tier gespeichert. Jede Ringnummer ist individuell und besteht sowohl aus Zahlen als auch Buchstaben. Die Buchstaben HES stehen dabei für Helvetia Schweiz, so ist klar, dass der Storch in der Schweiz beringt wurde. Taucht ein Storch aus der Schweiz beispielsweise in Spanien oder in Afrika auf und wird gemeldet, liefert diese wichtige Daten und Erkenntnisse zum Leben der Tiere.
Elterntiere bleiben in der Nähe
Nachdem alle drei Jungstörche einen Ring erhalten haben, bringt Henning sie zurück ins Nest. Langsam entfernt sich die Drehleiter wieder vom Horst und bereits kurze Zeit später sind die Elterntiere zurück. Sie hatten ganz in der Nähe gewartet und das Geschehen genau beobachtet.
Die Elterntiere warten in der Nähe und kommen bereits kurz nach der Beringung zurück. Foto: Zoo Zürich, Birte Fröhlich.
Blick in einen Storchenhorst von der Drehleiter aus. Der Altvogel ist bereits zurück. Foto: Zoo Zürich, Birte Fröhlich.
Anders als viele andere Wildtiere akzeptieren Störche die Berührung der Jungtiere durch den Menschen und stossen sie danach nicht ab. Allzu lange sollte die Trennung von Eltern und Jungtieren aber dennoch nicht sein.
Nass, aber warm
Fünf weitere Storchenhorste liegen nun noch vor dem Team. Zwei im Zoolino und drei ausserhalb des Zoogeländes. Am Nachmittag um 14 Uhr ist es dann geschafft. 32 Jungtiere aus insgesamt 17 Horsten konnten sie heute beringen.
Die Bilanz ist gut. Trotz des zeitweisen schlechten Wetters mit viel Regen haben viele Jungstörche überlebt. «Es war zwar nass, aber nicht sehr kalt. Das hat geholfen.» Storchenexperte Urs ist zufrieden. Im letzten ebenfalls sehr nassen, aber auch kalten Frühling konnte das Team lediglich zehn Tiere beringen. 2025 wird also aller Voraussicht nach ein gutes Storchenjahr werden.
Der Horst auf dem Dach der Scheune des Zoolino wurde als einer der letzten kontrolliert. Foto: Zoo Zürich, Birte Fröhlich.