Bärenstummelaffe
Colobus polykomos
Charakteristisch für alle Stummelaffen ist ihr verkürzter Daumen, der als kleiner Stummel ausgebildet ist. Der Name der Gattung Colobus leitet sich vom griechischen Wort «ekolobóse» ab, was «verstümmelt» bedeutet. Im Gegensatz zu vielen anderen Affen ist der Daumen nicht opponierbar und kann den Fingern nicht gegenübergestellt werden. Diese scheinbare Einschränkung hat sich über Jahrtausende als Anpassungsvorteil für das Leben in den Baumkronen bewährt: Beim Springen von Ast zu Ast nutzen die Tiere ihre Hände wie Haken. Ein beweglicher Daumen würde dabei eher stören. Der lange Schwanz dient als Gegengewicht und Steuerhilfe, besonders bei weiten Sprüngen im Geäst. Auffällig ist zudem, dass Jungtiere bei der Geburt weiss sind und erst mit zunehmendem Alter die typische schwarz-weisse Färbung annehmen.
Die Tiere halten sich fast ausschliesslich in den obersten Baumkronen des westafrikanischen Regenwaldes auf. Entsprechend sind sie auf Blattnahrung spezialisiert, insbesondere auf Blätter von Lianen. Sie besitzen hierfür einen mehrkammerigen Magen, der an die Vormägen von Wiederkäuern erinnert. In einer vorgeschalteten Gärkammer zersetzen Bakterien die schwer verdauliche Zellulose. Diese aufwendige Verdauung benötigt viel Zeit und Energie: Bärenstummelaffen verbringen mehr als die Hälfte des Tages ruhend, schlafend oder sonnenbadend.
Bärenstummelaffen leben in Gruppen, die meist aus ein bis zwei Männchen, vier bis sechs Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Innerhalb der Gruppe pflegen die Weibchen engere soziale Beziehungen untereinander als mit den Männchen. In den ersten Wochen nach der Geburt ist es zudem üblich, dass Jungtiere nicht nur von der Mutter, sondern auch von anderen Weibchen der Gruppe getragen werden.
Die Streifgebiete benachbarter Gruppen überlappen sich teilweise. Zur Abgrenzung nutzen die Männchen einen auffälligen morgendlichen «Gesang»: ein lautes Brüllen, das weit durch den Wald hallt und anderen Gruppen ihren Aufenthaltsort signalisiert. Kommt es dennoch zu Begegnungen, können Drohgebärden, lautes Brüllen und gelegentlich auch körperliche Auseinandersetzungen auftreten, an denen beide Geschlechter beteiligt sind.
Die fortschreitende Abholzung der westafrikanischen Regenwälder sowie die Jagd auf Tiere für den Buschfleischhandel haben zu einem drastischen Rückgang der Bärenstummelaffen-Bestände geführt. In vielen Schutzgebieten ist die Art bereits verschwunden oder nur noch in sehr geringer Zahl vorhanden.
| Verwandtschaft | Ordnung der Primaten, Familie der Meerkatzenverwandte (Cercopithecidae) |
| Lebensraum | dichter Westafrikanischer Regenwald |
| Lebensweise | tagaktiv, baumlebend, nur sehr selten am Boden, generell ruhigerer Lebensstil |
| Sozialstruktur | in Gruppen von um 5 – 20 Individuen mit einem oder mehreren Männchen, mehreren Weibchen und deren Jungtieren |
| Nahrung | mehrheitlich Blätter (vor allem Blätter der Lianen), aber auch unreife Früchte und Samen, sowie Blüten, Rinde oder Erde von Termitenbauten |
| Gewicht | Weibchen: bis 8,3 kg; Männchen: bis 10 kg |
| Kopf-Rumpflänge | Weibchen: 55 – 60 cm; Männchen: 58 – 68 cm |
| Schwanzlänge | Weibchen: 81 – 96 cm; Männchen: 72 – 100 cm |
| Tragzeit | ca. 165 – 175 Tage |
| Wurfgrösse | in der Regel ein Jungtier alle zwei Jahre |
| Lebenserwartung | 20 – 25 Jahre |
| Nutzung | Jagd für Buschfleischhandel |
| Aktueller Bestand | unbekannt, abnehmend |
| Im Zoo Zürich seit | 2026 |
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