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Störche

Unser Engagement

Der Zoo Zürich unterstützt das Projekt «SOS Storch – Storchenzug im Wandel», das klärende Hinweise zum Zugverhalten der Störche liefert. Im Zoo Zürich wurden einige Jungstörche mit einem GPS-Datenlogger versehen, um Daten zu den individuellen Wanderrouten der Tiere zu sammeln. Seither sind ihre Bewegungen metergenau im Internet abrufbar. Zudem werden im Zoo Zürich alle Jungstörche beringt und über jeden Zuchterfolg wird Buch geführt. Die gewonnen Daten werden an die Vogelwarte Sempach weitergegeben. Der Zoo Zürich ist kontinuierlich darum bemüht, neue Horste auf dem Zoogelände zu errichten.

Naturschutz konkret

Mit der Begründung der Storchensiedlung Altreu 1948 durch Max Bloesch und den damit verbundenen Wiederansiedlungen konnte sich der Storch ab1970 wieder etablieren. In den letzten 20 Jahren hat sich die Anzahl der Brutpaare in der Schweiz verdoppelt und liegt heute bei über 350. Dank der Schaffung von Extensivwiesen, dem Erhalt von Feuchtflächen wie Riedlandschaften und der Revitalisierung von Fliessgewässern kann auf eine weitere Verbesserung der Brutpaarsituation in den kommenden Jahren gehofft werden.

Herausforderungen

Störche waren ursprünglich in weiten Teilen des bewaldeten Europas nicht heimisch. Erst dank offener Landflächen, die während der Römerzeit und im Mittelalter durch Waldrodungen entstanden waren, konnte der aus Afrika oder Asien stammende Steppenvogel in unsere Gegend einwandern. Er breitete sich schnell aus und war bald sehr häufig – auch in der Schweiz. Durch die fortschreitende Industrialisierung und dem damit verbundenen Verlust des natürlichen Lebensraumes und von Nahrungsgrundlagen sowie wegen neuer Gefahren wie Stromleitungen, Verkehr, Jagd und Umweltgifte ging der Storchenbestand rapide zurück. Um 1900 waren im schweizerischen Mittelland noch rund 140 Nester bekannt, in denen regelmässig gebrütet wurde.1950 blieben alle Horste verwaist.

Seit 1957 sind Störche im Zoo Zürich präsent. Hielt man die Vögel bis in die 1980-er Jahre flugunfähig auf den Wasservogelanlagen, leben sie heute freiwillig hier. In den letzten zehn Jahren sind über 260 Störche geschlüpft. Davon sind 150 ausgeflogen und Richtung Süden gezogen. Einige kommen im geschlechtsreifen Alter von drei bis vier Jahren wieder zurück und wählen die Umgebung oder den Zoo Zürich selbst als Brutstätte aus. Dafür werden auch Bodenhorste in unmittelbarer Besuchernähe besetzt, die ungeachtet der Besucher intensiv bebrütet werden. Sogar Verpaarungen zwischen freifliegenden und flugunfähigen Störchen können beobachtet werden. Jedes Jahr hofft der Zoo Zürich, dass möglichst viele Jungstörche die heikle Zeit der Aufzucht und später der Wanderschaft heil überstehen.

Europäische Weissstörche
Europäische Weissstörche im Zoo Zürich.

Im Spätsommer, bevor das Futterangebot knapp zu werden droht, löst die innere Uhr den Zugtrieb aus. Vertreter der westlichen Population, zu der auch die Schweizer Störche gehören, überquerten bislang meistens die Meerenge bei Gibraltar und überwinterten in der westlichen Sahelzone. Dieses typische Zugverhalten scheint sich zu verändern. Heute überquert nur jeder dritte bis vierte Jungstorch das Mittelmeer bei Gibraltar. Die meisten Störche überwintern im Süden Spaniens auf den grossen, gut zugänglichen Mülldeponien. Die Gründe für dieses veränderte Zugverhalten sind nicht bekannt; mögliche Erklärungen sind die Klimaerwärmung, eine veränderte Genetik der wiederangesiedelten Vögel oder die ergiebige Nahrung auf den Deponien. Die offenen Mülldeponien sollen aus hygienischen Gründen zukünftig geschlossen werden. Auf die Reaktion der Störche darf man gespannt sein.

Besenderung eines Europäischen Weissstorches
Besenderung eines jungen Europäischen Weissstorches.

Einen Sender erhalten jeweils nur ein bis zwei Jungstörche pro Jahr. Beringt werden hingegen immer alle Jungtiere. Die auf Distanz ablesbare Markierung wird den Jungvögeln im Nest ums Bein gelegt. Schutz & Rettung Zürich macht es mit einer Autodrehleiter möglich, die Vögel auf ihren zum Teil mehrere Meter hohen Horsten zu erreichen.

Beringung der Jungstörche im Zoo Zürich am 11. Juni 2015.