Verzögerung bei der Pantanal Voliere
Während auf der Baustelle der neuen Pantanal Voliere der Hoch- und Tiefbau voll im Zeitplan sind, stehen derzeit die Stahlbauarbeiten still. Die beteiligte Stahlbaufirma erreichte die gewünschten Anforderungen sowohl technisch als auch terminlich und finanziell nicht. Da sich trotz mehrmonatiger Bemühungen mit intensiver Unterstützung des Zoo Zürich kein wahrnehmbarer Fortschritt einstellte, hat der Zoo mit grossem Bedauern die Zusammenarbeit beendet. Dies führt nun zu Verzögerungen im Terminplan des Bauprojekts.
Die Pantanal Voliere ist Teil des Entwicklungsplans 2050 des Zoo Zürich (zoo.ch/zukunft) und in ihrer Form und Grösse einzigartig. Die innovative Konstruktion entsteht auf einer Fläche von 11‘000 Quadratmetern und wird an der höchsten Stelle 35 Meter messen. Sie ist freischwebend, kommt also ohne stützende Pfeiler in der Mitte der Voliere aus. Zehn Stahlbögen tragen am Schluss das rund 1400 Tonnen schwere Gitternetz, das den dem brasilianischen Feuchtgebiet nachempfundenen Lebensraum umspannt.
Millimetergenaue Präzisionsarbeit
Nur wenige Spezialisten können eine solche Konstruktion verwirklichen. Die aktuelle Verzögerung im Bauprozess betrifft konkret die Unterkonstruktion der Voliere, die den Anforderungen nicht genügte, welche notwendig sind, um die Stahlbögen millimetergenau zu montieren. Obwohl der Zoo Zürich monatelang Aufschub der vereinbarten Fertigstellungstermine gewährte und die bisherige Stahlbaufirma mit externen Fachleuten zusätzlich unterstützte, gelang es dem Unternehmen nicht, die vereinbarte Präzision innert nützlicher Frist zu erreichen. Der Zoo Zürich nahm – im Bewusstsein der Folgen – eine erhebliche Verzögerung sowie einen überdurchschnittlich hohen zusätzlichen finanziellen Aufwand in Kauf – ohne Erfolg. Der Zoo musste daraufhin leider die Zusammenarbeit aufgrund schwerwiegender Vertragsverletzungen seitens Stahlbaufirma beenden. Die technischen Fähigkeiten der Firma reichten nicht aus und der benötigte Zeitaufwand wurde zu umfangreich. Zoodirektor Severin Dressen unterstreicht in diesem Zusammenhang: «Alle Bauprojekte des Zoos werden vollständig mit Spendengeldern finanziert. Der Zoo trägt somit eine grosse Verantwortung gegenüber allen Spender*innen, die uns ihr Geld vertrauensvoll in die Hände gegeben haben, und wir sehen uns verpflichtet, sorgfältig und verantwortungsvoll mit diesen Mitteln umzugehen.»
Ara-Hub im Zeitplan
Die Fertigstellung des sogenannten Ara-Hubs ist nicht von der Verzögerung betroffen. Seine Inbetriebnahme ist für Frühjahr 2026 geplant. Der Ara-Hub wird die künftigen Innenanlagen der Pantanal Voliere beherbergen. So bietet das Gebäude optimale Bedingungen für die Zucht der verschiedenen gefährdeten Vogelarten und ist darauf ausgelegt, die Erforschung dieser Bedingungen, der Arten an sich und weitere im Artenschutz relevante Forschungsfragen voranzutreiben. Denn umfangreiches Wissen ist die Grundlage für erfolgreichen Artenschutz.
Alle vier Hauptaufgaben vereint
Für den Zoo Zürich ist der Bau der Voliere ein weiterer wichtiger Meilenstein im Entwicklungsplan 2050. Die Voliere wird in vielerlei Hinsicht neue Massstäbe setzen und alle vier Hauptaufgaben eines modernen Zoos – Artenschutz, Naturschutz, Forschung und Bildung – auf sich vereinen. Im 35 Meter hohen Luftraum werden sich verschiedene gefährdete Vogelarten in Schwärmen durch die Lüfte bewegen. Auch ist die Voliere darauf ausgelegt, Forschung unter kontrollierten Bedingungen durchzuführen, wie sie in dieser Form sonst nicht möglich ist. So lassen sich wichtige Erkenntnisse u. a. zum Paarungs- und Brutverhalten von Papageien für den Artenschutz gewinnen.
Schutz von Arten und Lebensräumen
Mehr als 15 verschiedene gefährdete Tierarten wie Ameisenbär, Flachlandtapir, Hyazinthara, Rotschwanzamazone oder Sonnensittich werden in der Voliere vergesellschaftet zusammenleben. Das ermöglicht einerseits verhaltensanreichernde Interaktionen zwischen den Tieren. Zum anderen beteiligt sich der Zoo an den entsprechenden Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen (EEP) der Vereinigung der Zoos und Aquarien (EAZA) und trägt so durch das Erhalten von Reservepopulationen zum Schutz der verschiedenen Arten bei.
Eng verknüpft mit der Voliere ist auch das Naturschutzprojekt Pantanal (zoo.ch/naturschutz-pantanal) in Zusammenarbeit mit der Naturschutzorganisation «Instituto Arara Azul» in Brasilien. Die Organisation setzt sich vor Ort u. a. durch das Aufhängen von künstlichen Nistkästen und ein engmaschiges Monitoring für den Erhalt der im brasilianischen Pantanal beheimateten Hyazintharas ein.
Eröffnungsdatum noch unklar
Der Zoo ist bestrebt die Stahlbauarbeiten der Voliere mit einem neuen Umsetzungspartner schnellstmöglich wieder aufzunehmen. Dazu wurden bereits Gespräche geführt. Wie sich das Eröffnungsdatum aufgrund der Verzögerung verschieben könnte, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt der Verhandlungen noch nicht absehen.
BILDER
Die Bilder sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.