Paarungszeit beim Kleinen Panda
Vor knapp neun Wochen hat bei den zwei Kleinen Pandas im Zoo Zürich die Paarungszeit begonnen. Für kurze Zeit dulden die Einzelgänger dann die Gesellschaft des anderen Geschlechts im eigenen Revier. Eine im Januar beobachtete Annährung der beiden lässt nun auf Nachwuchs bei der stark bedrohten und in der Natur weiter abnehmenden Art hoffen. Der Zoo Zürich beteiligt sich mit der Haltung und Zucht der Raubtiere am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP).
Geschickt zieht das Kleine Panda-Weibchen mit der Tatze einen Ast mit feinen Zweigen heran, beisst behutsam, aber gezielt zu und verlässt den Baum mit dem auserwählten Zweig im Maul Richtung Bruthöhle. Dort fügt sie den Zweig in das bereits mit reichlich Stroh und weiteren kleineren Ästen gebaute Nest ein. Es ist Paarungszeit bei den Kleinen Pandas (Ailurus fulgens fulgens) im Zoo Zürich. Der verstärkte Drang zum Nestbau und die hohe Aktivität am Tag – üblicherweise schlafen Kleine Pandas viel – sind klare Anzeichen.
Hoffnung auf Nachwuchs
Im Frühjahr, Sommer und Herbst sind Kleine Pandas Einzelgänger, weshalb es im Zoo zwei getrennte Bereiche für die kletteraffinen Raubtiere gibt. Jeweils im Winter setzt die Paarungszeit ein. Artgenossen des anderen Geschlechts werden plötzlich interessant. Ob dies auch bei uns der Fall sein würde, war allerdings nicht klar, als Männchen und Weibchen Anfang Dezember zusammengelassen wurden. Für beide Kleinen Pandas ist es die erste Balz. Vor allem das Männchen ist noch jung, geboren im Juni 2023 und damit gerade erst geschlechtsreif geworden.
Inzwischen gibt es Gewissheit. War das Interesse zu Beginn noch von Skepsis und Vorsicht geprägt, zeigte sich bald schon ein gesteigertes Interesse am jeweils anderen Geschlecht. Erkennbar unter anderem am wiederholten Reiben des Hinterteils über Baumstämme und Äste an markanten Stellen. Die so gesetzten Duftmarken senden klare Botschaften und zeigen die Paarungsbereitschaft an. Grundsätzlich verläuft das Zusammenleben auf Zeit bei Kleinen Pandas mal mehr, mal weniger harmonisch. Kleine Reibereien gehören dazu – insbesondere, wenn es ums Futter geht. Kleine Pandas teilen nicht.
Anfang Januar schliesslich war es dann aber soweit: An zwei Tagen nacheinander konnte das Tierpflege-Team mehrere Paarungen beobachten. Seit letzter Woche leben beide Tiere wieder getrennt. Das Weibchen hatte zunehmend deutlich gemacht, dass es keine weiteren Annährungen mehr duldet. Dies lässt darauf schliessen, dass die Paarung erfolgreich war. Ob dem so ist, zeigt sich frühestens im Mai. Die Tragzeit beim Kleinen Panda liegt zwischen 112 und 158 Tagen.
Starker Rückgang der Population
Der Kleine Panda gehört zu den in der Natur stark bedrohten Tierarten. Obwohl Raubtier, ernährt er sich fast ausschliesslich von Bambus – gelegentlich ergänzt durch Beeren, Insekten, Eier oder auch kleinere Vögel. Sein natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von den Bergwäldern des Himalayas in Nepal über Bhutan bis in die Bambuswälder Chinas.
In den vergangenen rund 20 Jahren ist der Bestand des Kleinen Pandas um etwa die Hälfte eingebrochen und eine weitere starke Abnahme in den kommenden 20 Jahren wird erwartet. Die Ursachen sind vielfältig. Neben dem Verlust von Lebensraum durch fortschreitende Abholzung, ist es vor allem die starke Fragmentierung des Lebensraums, die ihm zu schaffen macht. Die Tiere können kaum neue Gebiete erschliessen und die wenigen verbleibenden Gebiete sind auch für die Viehwirtschaft und die im asiatischen Raum stark wachsende Bevölkerung interessant.
Unterschätztes Problem
Ein weiteres, sich in den vergangenen Jahren verstärkendes Problem, ist die Verbreitung von «süssen», aber meist sehr unnatürlichen Panda-Bildern auf Social Media. Das Teilen und Verbreiten solcher Bilder heizen illegale Jagd sowie Handel mit der bedrohten Art für den Heimtiermarkt an. Das lässt nicht nur die Population weiter schrumpfen, Kleine Pandas sind auch keine Haustiere.
Das Phänomen der «süssen» Tierbilder bedroht nicht nur den Kleinen Panda zusätzlich, sondern stellt auch für viele weitere Tierarten – beispielsweise Otter – ein ernstzunehmendes Problem darstellt. Wer auf Social Media aktiv ist, sollte sich daher immer bewusst sein, welche Konsequenz die Verbreitung von vermeintlich niedlichen, aber kaum natürlichen Tierbildern haben kann.
Für den Erhalt der Art
Als moderner Zoo und Naturschutzorganisation gehört neben der Bildung, der Forschung und dem Naturschutz auch der Artenschutz zu den vier Hauptaufgaben des Zoos. Dementsprechend nimmt der Zoo Zürich am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für den Kleinen Panda teil. Die aktuelle Reservepopulation besteht aus 358 Tieren, verteilt über 176 beteiligte zoologische Institutionen in Europa. Der Zoo Zürich beherbergt das einzige Zuchtpaar der Schweiz.
VIDEOS
Die Videos sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
Paarungszeit beim Kleinen Panda
Video: Zoo Zürich, Tim Benz.
Paarungszeit beim Kleinen Panda (Rohschnitt)
Video: Zoo Zürich, Tim Benz.
BILDER
Die Bilder sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.