Medien-Apéro September: Hörverständnis in der Lewa Savanne
Sie bellen, knurren, pfeifen oder zirpen. Wenn die Erdmännchen an ihren Wachposten Gefahr wittern, informieren sie über Warnsignale unmittelbar ihre Artgenossen. Kommunikation spielt bei den sozialen Tieren eine entscheidende Rolle für das Überleben, den Gruppenaufbau sowie die Aufrechterhaltung sozialer Beziehungen. Zwei Forscherinnen der Universität Zürich hören im Zoo Zürich genau hin und betreiben Wissenschaft rund um die Rufe.
Mit der Eröffnung der Lewa Savanne 2020 sind im Zoo Zürich auch Erdmännchen eingezogen. Die Tierart zeigt ein ausgeprägtes Revierverhalten. In ihrer afrikanischen Heimat müssen «die Wächter der Wüste» Gebiete von bis zu fünf Quadratkilometern verteidigen. Im Zoo wie auch in der Wildnis legen sie Erdbauten an, in denen sie schlafen, Schutz suchen und ihre Jungtiere aufziehen. Sogenannte Wachposten werden während der Futtersuche oder beim beliebten Sonnenbaden durch mindestens ein Erdmännchen besetzt. Mit unterschiedlichen Lauten weisen sie die anderen Tiere auf Gefahren hin.
Neben der Bildung, dem Arten- und Naturschutz bildet die Forschung eine der vier Säulen des modern wissenschaftlich geführten Zoo Zürich. Gleich mehrere Projekte aus der Forschungsgruppe der Verhaltensbiologin und Professorin Marta Manser von der Universität Zürich widmen sich in einer Forschungskooperation mit dem Zoo Zürich aktuell der Kommunikation der Erdmännchen. Mit der Erdmännchen-Gruppe im Zoo erweitern die Forscherinnen die bereits bestehende Kolonie an der Universität Zürich und erhalten durch die Erhöhung der Stichprobengrösse nochmals aussagekräftigere Ergebnisse in ihren Studien. Zudem lassen sich die Ergebnisse mit den Resultaten aus der Forschung im natürlichen Lebensraum der Kalahari-Wüste vergleichen.
Ein offenes Ohr für die junge Generation
Es ist bekannt, dass die Rufe von jungen Erdmännchen sich stark von den Rufen der erwachsenen unterscheiden. Aber kommunizieren Jungtiere mehr oder weniger? Und entwickelt sich aus einem einfachen Rufton gar eine Rufkombination mit spezifischer Funktion? Da zum Rufrepertoire junger Erdmännchen noch wenig bekannt ist, verbringt die Master-Studentin Anja Diefenbacher von der Universität Zürich viel Zeit im Zoo, um mithilfe eines Mikrofones Töne ab Geburt bis zu einem Alter von vier Monaten aufzunehmen. Ziel ist es zu verstehen, wie sich die Ruftöne in den ersten Lebensmonaten verändern. Zudem vergleicht die Forscherin, ob es Unterschiede gibt zwischen verschiedenen Würfen und den zwei Untersuchungsorten Zoo Zürich und Universität Zürich.
Hör mal wer da ruft
Für die unterschiedlichen Gefahren, womit die Erdmännchen in ihrem Lebensraum konfrontiert sind, erzeugen sie unterschiedliche Alarmrufe. Lauert Gefahr aus der Luft, klingt der Ruf anders, als wenn ein Bodenräuber sich nähert. Die Erdmännchen reagieren aber nicht nur auf die akustischen Signale der Artgenossen, sondern auch auf Rufe anderer Tierarten. Die Doktorandin Nikola Falk von der Universität Zürich misst im Zoo die Reaktion der Erdmännchen auf die Rufe von nah-verwandten Mangustenarten. Sie vergleicht Rufe von Arten, die im selben Lebensraum leben, aber auch von solchen aus anderen Lebensräumen. Mit den Erkenntnissen will sie verstehen, wie Erdmännchen Alarmrufe erkennen. Von Interesse ist, ob die akustische Struktur von Alarmrufen universell ist, oder ob die Rufe von anderen Arten im gemeinsamen Lebensraum erlernt werden.
| Erweiterung des Forschungsgebietes in der Kalahari-Wüste |
| Der Zoo Zürich konzentriert sich in Zukunft auf bedrohte Tierarten oder solche, die Teil unserer Forschungsaktivität sind, wie zum Beispiel die Erdmännchen. Marta Manser ist Professorin für Verhaltensbiologie am Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaft der Universität Zürich. Sie ist weltweit eine der führenden Erdmännchen-Expertinnen. Seit 30 Jahren beschäftigt sie sich wissenschaftlich mit der kleinen Raubtier-Art. Neben ihrer Tätigkeit an der Universität Zürich ist Marta Manser Forschungsleiterin des «Kalahari Research Centre» in Südafrika. Der Zoo Zürich unterstützt nebst den Forschungsprojekten im Zoo die Zukunft der Forschungsaktivitäten in der Kalahari-Wüste. Dazu hat er sich kürzlich zusammen mit der Universität Zürich an der Unterstützung der Forschungsstation beteiligt. Dies ermöglichte den Landkauf eines Nachbarschaftsgrundstückes und damit die Sicherung der Langzeitforschung in der Kalahari. |
VIDEOS
Das Video ist unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
Video: Forschung junge Erdmännchen – Version mit Untertiteln
Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder, UZH Faculty of Science
Video: Forschung junge Erdmännchen – Version ohne Untertiteln
Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder, UZH Faculty of Science
Video: Forschung fremde Stimmen – Version mit Untertiteln
Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder; UZH Faculty of Science/billionwords/Designers’ Club
Video: Forschung fremde Stimmen – Version ohne Untertitel
Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder; UZH Faculty of Science/billionwords/Designers’ Club
Video: Forschungsprojekt allgemein – Version mit Untertiteln
Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder; UZH Faculty of Science/billionwords/Designers’ Club
Video: Forschungsprojekt allgemein – Version ohne Untertitel
Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder; UZH Faculty of Science/billionwords/Designers’ Club
BILDER
Bilder sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
Erdmännchen an einem Wachposten im Zoo Zürich.
Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder
Masterstudentin Anja Diefenbacher untersucht im Zoo Zürich die Entwicklung des Rufrepertoires bei jungen Erdmännchen.
Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder
Forscherin Anja Diefenbacher von der Universität Zürich zeichnet Töne von den Erdmännchen auf.
Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder
Wie entwickeln sich die Ruftöne von jungen Erdmännchen?
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Zum Stimmenrepertoire junge Erdmännchen ist noch nicht viel bekannt.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Die Doktorandin Nikola Falk von der Universität Zürich misst im Zoo die Reaktion der Erdmännchen auf die Rufe von nah-verwandten Mangustenarten
Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder
Erdmännchen im Zoo Zürich.
Copyright: Zoo Zürich, Dennis Mettler
Die Doktorandin Nikola Falk von der Universität Zürich bei ihrer Forschung im Zoo Zürich.
Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder
Erdmännchen-Gruppe im Zoo Zürich.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Der Zoo Zürich beteiligte sich am Landkauf in der Kalahari-Wüste.
Copyright: Universität Zürich, Dominik Behr
Forscherin im Kalahari Research Centre in Südafrika.
Copyright: Universität Zürich, Dominik Behr
Forscherin im Kalahari Research Centre in Südafrika.
Copyright: Universität Zürich, Dominik Behr
Eine Gruppe Erdmännchen im Kalahari Research Centre in Südafrika.
Copyright: Universität Zürich, Dominik Behr