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  • Kleiner Antillen-Leguan im Exotarium des Zoo Zürich.
    Antillen-Ochsenfrosch im Zoo Zürich.

    Medien-Apéro März: Antillen-Leguan und Antillen-Ochsenfrosch

    Vom Kochtopf auf die Rote Liste: ein Frosch, der englisch «Mountain Chicken» heisst, und ein Leguan mit dem lateinischen Namen «sehr köstlich» landeten früher oft im Kochtopf. Auch deswegen sind sie heute vom Aussterben bedroht. Der Antillen-Leguan ist neu im Zoo Zürich eingezogen und bewohnt nun eine Anlage mit dem Antillen-Ochsenfrosch. Der Zoo Zürich setzt sich für das Überleben beider Arten ein.

    Viele Tierarten sind durch die menschliche Vorliebe für ihr Fleisch ausgestorben oder an den Rand der Ausrottung gedrängt worden. Auf Inseln lebende Populationen sind aufgrund ihrer beschränkten Grösse besonders anfällig dafür. So hat der Mensch beispielsweise verschiedene Inselpopulationen der Galapagos-Riesenschildkröten ausgerottet, weil er sie als lebenden Proviant auf die Schiffe mitnahm. Auch den Antillen-Leguan und den Antillen-Ochsenfrosch hat der Mensch ihres Fleisches wegen bejagt und die Bestände so stark reduziert. Heute stehen beide Arten aber jeweils noch grösseren Bedrohungen gegenüber.

    Das «Berg-Poulet» und sein Problem mit einem Pilz

    Mit einer Grösse von bis zu zwanzig Zentimetern und einem Gewicht von bis zu einem Kilogramm stand der Antillen-Ochsenfrosch lange auf dem Speiseplan der menschlichen Bewohner der Antillen-Inselgruppe. Er wurde so stark bejagt, dass er auf einigen Inseln ausstarb. Heute kommt der Frosch nur noch auf den Inseln Dominica und Montserrat vor. Bis 2002 wurden auf Dominica jedes Jahr 8000–36'000 Tiere gefangen. Sie landeten als Nationalgericht im Kochtopf.

    Dann brach die Population auf Dominica in den Jahren 2002 bis 2004 massiv ein, und von 2009 bis 2010 jene auf Montserrat ebenfalls. Heute gibt es auf Dominica wahrscheinlich weniger als 200 wildlebende Tiere, auf Montserrat könnte die Art sogar ausgestorben sein. Grund für diesen akuten und extremen Rückgang der Populationen ist die Verbreitung des Chytridpilzes auf den beiden Inseln. Der Pilz gilt weltweit als ein Hauptgrund für den zum Teil katastrophalen Rückgang vieler Amphibienpopulationen. Die Jagd auf den Ochsenfrosch ist heute auf beiden Inseln verboten. Die Populationen gehen aber weiterhin zurück.

    Antillen-Ochsenfrösche sind nachtaktiv und verbringen den Grossteil des Tages in Erdhöhlen. Während der Nacht gehen sie auf die Jagd nach Insekten und Spinnen aber auch nach kleinen Reptilien, Nagetieren und sogar anderen Fröschen. Die Ochsenfrösche bauen in Erdhöhlen Schaumnester für ihre Kaulquappen. Diese brauchen kein Wasser und werden von der Mutter mit unbefruchteten Eiern gefüttert.

    Der Leguan und seine gefährlichen Vettern

    Auch die Jagd nach den Antillen-Leguanen war einst über das ganz Verbreitungsgebiet der Art üblich. Heute ist die Jagd verboten. In einigen Gebieten ging sie jedoch erst zurück, als die Populationen bereits zusammengebrochen waren und es sich für die Jäger schlicht nicht mehr lohnte, die seltenen Tiere zu suchen. Von einigen Inseln ist die Art inzwischen ganz verschwunden. Nach starken Hurrikanen im Jahr 2017 ist die Wilderei an vielen Orten wegen Nahrungsknappheit wieder angestiegen, was zu einer weiteren Abnahme der Leguan-Population geführt hat.

    Neben der Wilderei ist heute ein naher Verwandter des Antillen-Leguans seine grösste Bedrohung: der Grüne Leguan. Der Mensch hat ihn auf vielen Inseln ausgesetzt oder unbeabsichtigt eingeführt. Der Grüne Leguan kreuzt sich mit den Antillen-Leguanen, was zu einer Hybridisierung der beiden Arten führt. Zudem vermehrt sich der Grüne Leguan schneller als der Antillen-Leguan, was eine starke Verdrängung Letzterens zur Folge hat.

    Weiter setzt die wiedererstarkte Wilderei den verbleibenden Populationen des Antillen-Leguans zu. Eine zunehmende Fragmentierung des Lebensraumes auf den Inseln führt dazu, dass sich die einzelnen Populationen nicht mehr untereinander mischen können. Viele Leguane sterben bei Strassenunfällen, und Katzen und Hunde töten vor allem Jungtiere. Schafe und Ziegen zerstören die Vegetation und damit die Nahrungsgrundlage der Echse. In einigen Gebieten hat man die Ziegen und Schafe entfernt und die Landschaft renaturiert. Hier zeigen erste Auswilderungsprojekte positive Ergebnisse.

    Heute geht man von einer Population von 13'000–20'000 Antillen-Leguanen aus. Gelingt es nicht, den jetzigen Rückgang zu stoppen, werden in 30–40 Jahren nur noch etwa 13% der heutigen Populationen vorhanden sein.

    Mit einer Grösse von bis zu 120 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 3,5 Kilogramm gehört der Kleine Antillen-Leguan zu den grossen Leguan-Arten. Als Jungtiere noch leuchtend grün wechselt die Farbe im Alter zu einem dunklen Grau, wobei der Kopf heller bleibt. Daher wird die Art gelegentlich auch als Weisskopfleguan bezeichnet.

    Je nach Grösse und Population legen weibliche Tiere 4–30 Eier in sandigem oder aschehaltigem Boden ab. Nach etwa drei Monaten schlüpfen die Jungtiere und verstecken sich in niedrigen Büschen und Sträuchern, wo sie genug Nahrung finden. Mit zunehmendem Alter halten sie sich dann vermehrt auf höheren Bäumen auf. Primär vegetarisch ernährend, fressen Leguane Blätter, Blüten und Früchte.

    Tiere im Zoo Zürich

    Weltweit halten Zoos gerade einmal 43 Antillen-Leguane; darunter neu 3 Tiere im Zoo Zürich. Bei den Antillen-Ochsenfröschen ist die Population der Zootiere mit etwa 200 Tieren sogar grösser als die wildlebende Population. Im Zoo Zürich leben derzeit 11 Ochsenfrösche. Mit wahrscheinlich weniger als 500 Tieren weltweit gehört der Antillen-Ochsenfrosch zu den bedrohtesten Tierarten, die der Zoo Zürich hält.

    Mit der Zucht beider bedrohten Arten versucht man, neue Erkenntnisse zu Fortpflanzung, Haltung und Wachstum zu gewinnen, die für den Schutz der wilden Populationen hilfreich sind. Zudem kann man in Zoos eine gesunde Population der Tiere für allfällige Wiederansiedlungsprojekte in den Antillen züchten.

    VIDEOS

    Videos unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.

    Video mit Untertiteln

    Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder & Sandro Schönbächler

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    Copyright: Zoo Zürich, Nicole Schnyder & Sandro Schönbächler

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    BILDER

    Bilder unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.

    Kleiner Antillen-Leguan im Exotarium des Zoo Zürich.

    Kleiner Antillen-Leguan.
    Copyright: Zoo Zürich, Pascal Marty

    Kleiner Antillen-Leguan im Exotarium des Zoo Zürich.

    Kleiner Antillen-Leguan.
    Copyright: Zoo Zürich, Pascal Marty

    Kleiner Antillen-Leguan im Exotarium des Zoo Zürich.

    Kleiner Antillen-Leguan.
    Copyright: Zoo Zürich, Pascal Marty

    Kleiner Antillen-Leguan im Exotarium des Zoo Zürich.

    Kleiner Antillen-Leguan.
    Copyright: Zoo Zürich, Pascal Marty

    Antillen-Ochsenfrosch im Zoo Zürich.

    Antillen-Ochsenfrosch.
    Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini

    Antillen-Ochsenfrosch im Zoo Zürich.

    Antillen-Ochsenfrosch.
    Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini

    Nasenbär liegt im Zoo Zürich auf dem Rücken.

    Antillen-Ochsenfrosch.
    Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini