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Rotrücken-Baumsteiger im Zoo Zürich.
Maranon-Pfeilgiftfrosch mit Jungtieren auf dem Rücken.
Goldener Pfeilgiftfrosch im Zoo Zürich.
Blauer Pfeilgiftfrosch im Zoo Zürich.

Medien-Apéro Januar: Frösche

Sie sind klein, farbig, stark bedroht und innovative Nachwuchsbetreuer: die südamerikanischen Baumsteigerfrösche.

Wenn im Untertitel «Frösche» steht, muss es sich beim vorliegenden Thema um Amphibien handeln. Froschlurche (Frösche und Kröten) sowie Schwanzlurche (Molche und Salamander) sind uns vertraut. Es gehört aber noch eine dritte Ordnung dazu: Blindwühlen, wurm- bis schlangenähnliche Vertreter ohne Gliedmassen.

Amphibien, ein aus dem Griechischen abgeleitetes Wort, bedeutet «doppellebig» oder «zwei Lebensphasen». Dies nimmt Bezug darauf, dass die Jugendstadien eng an Wasser gebunden sind, während die erwachsenen Tiere meist an Land leben: Aus einem Ei schlüpft eine Larve, die im Wasser lebt und über Kiemen atmet, um nach einer Metamorphose mit Lungenatmung an Land zu gehen. So sieht bei Amphibien der «Normalfall» aus. Die vielfältigen Herausforderungen an diese Lebensweise in den unterschiedlichsten Lebensräumen – von Gewässern bis zu Wüstengebieten – haben im Laufe der Entwicklung aber zu einer Vielzahl von alternativen Entwicklungsformen und Brutpflegeverhalten geführt. Es gibt Arten, die im Larvenstadium verharren oder lebendgebärend sind, Eier in grosser Zahl ablegen oder ihren wenigen Eiern eine besondere Betreuung zukommen lassen. Die Varianten sind zahllos, aber alle haben das Ziel, den Nachkommen unter bestimmten ökologischen Randbedingungen in einer von Konkurrenten und Fressfeinden gut bestückten Umwelt ein Überleben zu ermöglichen.

Look, but don’t touch!

Für unser Auge besonders attraktiv sind die sich meist in bunten und grellen Farben präsentierenden Baumsteigerfrösche aus Süd- und Mittelamerika. Diese Farbenfreude dient zum Teil der Tarnung, hat aber auch einen ernsthaften Hintergrund: Es handelt sich um eine Warnfärbung, schützen sich doch viele dieser Frösche mit potenten Hautgiften vor Fressfeinden.

Wahl geeigneter Larvengewässer

Für den Lebensraum Regenwald müsste man annehmen, dass die für die Fortpflanzung der Frösche benötigten Wasserstellen reichlich vorhanden sind. Grössere Gewässer haben wohl ein grosses Nahrungsangebot, beherbergen aber auch viele Fressfeinde. Kleinstgewässer bieten da besseren Schutz, enthalten aber nur wenig Nahrung. Mit einer geeigneten «Bewirtschaftung» werden diese Kleinstgewässer wie etwa Bromelientrichter aber zu begehrten Kinderstuben.

Nur wenige Kaulquappen, dafür intensive Nachwuchsbetreuung

In einer Gruppe grösserer Baumsteigerfrösche (um 30-50 mm, zum Beispiel Färberfrosch und Gebänderter Pfeilgiftfrosch) übernimmt das Männchen die Betreuung des Geleges. Auf einem Blatt in der Laubstreu setzt das Männchen Sperma ab, auf das das Weibchen ein paar wenige Eier ablegt. Das Männchen befeuchtet das Gelege regelmässig. Es transportiert dann die geschlüpften Kaulquappen auf dem Rücken zu Kleinstgewässern wie wassergefüllten Blattachseln von Bromelien oder Baumhöhlen. Hier durchlaufen die Kaulquappen – meist einzeln, da sie zu Kannibalismus neigen – ihre weitere Entwicklung selbständig.

In einer anderen Gruppe mittelgrosser boden- oder baumlebender Arten (um 25-35 mm, zum Beispiel Harlekin-Baumsteiger (im Zoo Zürich noch hinter den Kulissen)) geht die Brutpflege noch einen Schritt weiter. Das Männchen betreut das Gelege, den Transport der Kaulquappen übernimmt aber das Weibchen. Einzeln bringt sie die Kaulquappen in die Blattachseln von Bromelien. Alle paar Tage sucht sie diese Stellen wieder auf und «füttert» ihre Larven mit unbefruchteten Nähreiern – der einzigen Nahrung dieser Kaulquappen. Dieser Hauslieferdienst hält etwa zweieinhalb bis drei Monate an, dann wandelt sich die Kaulquappe zum Frosch.

Eine gewisse Arbeitsteilung praktiziert eine weitere Gruppe eher kleiner, strauch- oder baumbewohnender Arten (um 20 mm, zum Beispiel Rotrücken-Baumsteiger). Sie treten paarweise oder in Kleingruppen auf. Das Männchen betreut den Laich und verteilt die Kaulquappen in Bromelientrichter. Es lockt dann regelmässig das Weibchen zu den Standorten der Larven, wo dieses durch die Ablage von Nähreiern zu deren Ernährung beiträgt.

Für diese Brutpflegeverhalten müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. So müssen verschiedene Arten gut klettern können, wachsen doch die Bromelien eher in der Höhe. Sollen diese Bromelien exklusiv genutzt werden – Vermeidung von Konkurrenz -, müssen Territorien etabliert und gegen Artgenossen verteidigt werden. Und weiter müssen die Tiere gute Ortkenntnisse erwerben, um die Standorte ihrer Kaulquappen immer wieder aufsuchen zu können.

Langjährige Erfahrung in der Zucht von Baumsteigerfröschen

Rund zehn Arten und Unterarten von Baumsteigerfröschen pflegt der Zoo Zürich in seinem Bestand. Während bei einzelnen Arten die Zucht relativ einfach gelingt, müssen bei anderen Arten grosse Anstrengungen unternommen werden. Bei diesen ist insbesondere die Simulation des Brutpflegeverhalten der Elterntiere sehr komplex.

Engagement des Zoo Zürich im Amphibienschutz

Die Amphibienbestände sind weltweit stark bedroht, und so hat der Zoo Zürich den Amphibienschutz mit dem Projekt «Amphibian Survival» zu einem tragenden Element seines Naturschutzengagements gemacht. Kolumbien zum Beispiel beherbergt eine äusserst grosse Artenvielfalt an Amphibien. Hier ist der Zoo Zürich eine Partnerschaft eingegangen mit der Wildlife Conservation Society, dem Zoo Cali und den fünf Nationalparks mit dem Ziel, einen strategischen Plan zum Schutz und Erhalt bedrohter Amphibienbestände zu entwickeln und umzusetzen. Wichtige Schritte sind hierbei eine Inventarisierung der Amphibienbestände (wegen des langandauernden Bürgerkrieges waren viele Gebiete nicht frei zugänglich), eine Beurteilung der vom Menschen ausgehenden Gefährdungsursachen (Entwaldung, Waldweide, Mülldeponien, Erosion) und deren Reduktion, Vermittlung von spezifischen Techniken (Methodik zum Nachweis von Chytridpilz) und den Aufbau gesicherter Zuchtpopulationen ausgewählter Amphibienarten im Zoo von Cali.

Video

Video unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.

Naturschutzprojekt Amphibian Survival

Das Naturschutzprojekt Amphibian Survival.
Video: Frogs & Friends, Zoo Zürich

Bilder

Bilder unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.

Goldener Pfeilgiftfrosch im Zoo Zürich.

Goldener Pfeilgiftfrosch.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini

Maranon-Pfeilgiftfrosch mit Jungtieren auf dem Rücken.

Marañón-Pfeilgiftfrosch mit Jungtieren auf dem Rücken.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini

Blaue Pfeilgiftfrösche im Zoo Zürich.

Blaue Pfeilgiftfrösche.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini

Rotrücken-Baumsteiger im Zoo Zürich.

Rotrücken-Baumsteiger.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini

Gold-Baumsteiger im Zoo Zürich.

Gold-Baumsteiger.
Copyright: Zoo Zürich, Karsten Blum

Gelbgebänderter Pfeilgiftfrosch im Zoo Zürich.

Gelbgebänderter Pfeilgiftfrosch.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini