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Junger Chile-Flamingo im Zoo Zürich.
Junge Capybaras im Pantanal des Zoo Zürich.
Junger Chile-Flamingo im Zoo Zürich.
Junge Capybaras im Pantanal des Zoo Zürich.

Medien-Apéro August: Chile-Flamingo & Capybara

Befiederte und behaarte Jungtiere mit Schwimmhäuten: Nach mehrjährigem Unterbruch wieder Brutstimmung in der Kolonie der Chile-Flamingos und Vierlinge bei den Capybaras.

Der Chile-Flamingo: Lange Beine mit rotem Intertarsalgelenk

Flamingos sind gesellige Vögel, die sich in kleineren Gruppen oder Kolonien von bis zu mehreren zehntausend Individuen zusammenfinden. Auch das Brutgeschäft ist eine gesellige Angelegenheit: In nächster Nachbarschaft zueinander werden im seichten Wasser aus Schlamm und Erde kegelartige Nesthügel errichtet, in deren zentrale Mulde ein einzelnes Ei gelegt und während rund dreissig Tagen bebrütet wird. Die Vögel schreiten nicht jedes Jahr zur Brut, verschiedene günstige Faktoren müssen jeweils zusammentreffen. Das gilt auch für Flamingos in Menschenobhut, und da ist nicht klar, was letztlich die entscheidende Faktorenkombination ist.

Wechselhafte Brutaktivitäten

Seit 1951 hat der Zoo Zürich Chile-Flamingos in seinem Tierbestand. Ausgehend von wenigen Individuen wurde der Bestand schrittweise aufgestockt. 1972 kam es zur ersten Brut, und bis 1984 brüteten die Vögel regelmässig. Dann stockte es, und von 1986 bis zur Eröffnung 1989 waren die Flamingos von Massnahmen im Zusammenhang mit dem Bau des Exotariums betroffen. Einzelnen Nestbauaktivitäten folgten 1993, 1994 und 1996 dann wieder Bruten. 1999 folgte in nächster Nachbarschaft zu den Flamingos der Umbau des Eingangsbereiches. Bis dahin bestand die Flamingokolonie aus Chile- und Kubaflamingos. Die etwas grösseren Kubaflamingos starteten jeweils früh im Jahr ins Brutgeschäft und wirkten quasi als Katalysatoren, um auch die Chile-Flamingos «in die Gänge» zu bringen.

Im Jahr 2000 wurden die Kubaflamingos gegen eine weitere Gruppe Chile-Flamingos eingetauscht. Erst in den Jahren 2007 bis 2009 brüteten die Chile-Flamingos erneut und zogen einige Jungvögel auf (einer davon, der den «Freiflug» wählte, wurde Anfang 2010 am Flachsee Unterlunkhofen abgeschossen). Die letzte grössere «Störung» war dann der Umzug der Flamingos 2012 in die neue Anlage im Pantanal.

In den nachfolgenden Jahren zeigten die Flamingos wohl immer wieder Balzaktivitäten. Dabei lassen sie in der Gruppe in leichter Vorwärtsbewegung mit gestrecktem Hals den Kopf ruckartig nach links oder rechts schnellen. Aber zum Nestbau kam es nicht. Der Bodengrund am potentiellen Brutstandort wurde optimiert, künstliche Bruthügel wurden hingestellt.

Dieses Jahr setze die Balz schon im April ein. Selbst kühlere Tage vermochten die Aktivität nicht zu unterbrechen. Die grossen künstlichen Bruthügel wurden, wenn auch schwierig zu besteigen, attraktiv, und hier wurden auch Anfang Mai die ersten Eier gelegt. Zwischen diesen Bruthügeln fingen dann andere Paare an, selber Nesthügel zu bauen und Eier zu legen. Da immer wieder einzelne Eier in die Brüche gingen, wurden exponierte Eier in den Inkubator genommen und durch Gipseier ersetzt.

Nach vielen Jahren wieder ein Jungvogel

Am 26. Juni schlüpfte das erste Küken, aus einem Ei, das wenige Tage zuvor aus dem Inkubator den Eltern wieder unterlegt worden war. Frisch geschlüpft ist das Daunenkleid weiss und der Schnabel noch gerade. Im Alter von etwa einer Woche verlässt das Küken den Nesthügel und schliesst sich, wenn vorhanden, einem «Kindergarten» an. Flamingoküken werden von den Eltern mit einer «Kropfmilch» gefüttert, einer Nährflüssigkeit, die im Bereich Speiseröhre und Vormagen gebildet und hochgewürgt wird.

Weitere vier Küken sind zwischen dem 23. Juni und dem 16. August geschlüpft, wobei zwei davon im Alter von zwei bis drei Wochen verstarben. Viele Eier werden weiterhin bebrütet, sodass durchaus weitere Küken schlüpfen können. Noch immer werden neue Nester hochgezogen und neue Eier gelegt. Das Brutfieber hat die Kolonie richtig erfasst.

Älteste Vögel des Zoos

Flamingos sind langlebige Tiere. Nebst dem erst wenige Tage alten Küken gibt es in der 58 erwachsene Vögel umfassenden Kolonie 3 Individuen, die 1965 nach Zürich gekommen sind.

Das Capybara oder Wasserschwein: Überdimensioniertes Meerschweinchen

Capybaras sind seit 1966 im Zoo Zürich zuhause. Als grösste Vertreter der Nagetiere erreichen sie ein Körpergewicht von bis zu über fünfzig Kilogramm. Auch diese Tiere sind gesellig und leben sozial in Familienverbänden oder Gruppen. Der Name Wasserschwein nimmt den Umstand auf, dass Capybaras eng ans Wasser gebunden sind und im Uferbereich von Seen und Flüssen leben. Eine Anpassung an diesen Lebensraum sind die mit Schwimmhäuten verbundenen Zehenglieder. Bei Gefahr flüchten Capybaras ins Wasser.

Die Tragzeit dauert etwa fünf Monate, ein Wurf kann zwei bis acht Junge umfassen. Junge Capybaras sind Nestflüchter, schon kurz nach der Geburt folgen sie ihren Elternnach. Das Geburtsgewicht liegt bei etwa eineinhalb Kilogramm. Schon früh nehmen die Jungen feste Nahrung zu sich, gesäugt werden sie während etwa drei Monaten.

Geburtskomplikationen und gesunde Vierlinge

Im Zoo Zürich wurden 2013 letztmals Junge erfolgreich aufgezogen. Ein 2017 geborener Wurf wurde vom Weibchen verbissen und überlebte nicht.
Zum 2012 in Zürich geborenen Männchen gesellten sich letztes Jahr zwei junge Weibchen aus München. Eines dieser Weibchen zeigte im März dieses Jahres Anzeichen einer Geburt. Da sich dabei Komplikationen abzeichneten, führten die Zootierärzte einen Kaiserschnitt durch und entwickelten ein einzelnes, bereits totes Jungtier von 4,1 Kilogramm! Die Geburtsschwierigkeiten führten ein paar Tage später auch zum Tod der Mutter.

Der füllig werdende Bauch des anderen Weibchens kündete etwas später eine weitere Geburt an. Um mögliche Risiken vorgängig zu erkennen, bestand der Plan, mittels einer Röntgenaufnahme mit einem mobilen Gerät Anzahl und Grösse der zu erwartenden Jungen zu bestimmen. Doch bevor dies gelang, brachte das Weibchen am 27. Juli auf der Aussenanlage vier muntere Junge zur Welt. Sie wurde dabei vom Männchen unterstützt, das den Geburtsplatz im Auge behielt und mithalf, die Jungen trocken zu lecken. Die Jungen suchen sowohl die Nähe der Mutter wie des Vaters und folgen auch beiden Elternteilen nach.

Vielgestaltige Wohngemeinschaft

Die Capybaras bewohnen im Südamerika-Bereich des Zoos – als Nachbarn der Flamingos – eine Gemeinschaftsanlage. Ihre Mitbewohner sind die Flachlandtapire und Ameisenbären sowie Halsband-Wehrvögel (auch Tschajas genannt) und Schwarzhalsschwäne.

Videos

Videos unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über die Capybaras und die Chile-Flamingos des Zoo Zürich freigegeben.

Video: Zoo Zürich, Nicole Schnyder | Ronny Kyller

Video: Zoo Zürich, Nicole Schnyder

Bilder

Bilder unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über die Capybaras und die Chile-Flamingos des Zoo Zürich freigegeben.

Junge Capybaras mit Mutter im Pantanal des Zoo Zürich.

Junge Capybaras mit Mutter.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini

Junges Capybara im Pantanal des Zoo Zürich.

Junges Capybara.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini

Capybaras im Pantanal des Zoo Zürich.

Junges Capybara mit Mutter.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini

Capybaras im Pantanal des Zoo Zürich.

Junge Capybaras mit Vater.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini

Ameisenbär, junge Capybaras und Tschaja im Pantanal des Zoo Zürich.

Junge Capybaras mit Ameisenbär und Tschaja.
Copyright: Zoo Zürich, Robert Zingg

Junge und erwachsene Flamingos im Pantanal des Zoo Zürich.

Junge und erwachsene Flamingos.
Copyright: Zoo Zürich, Robert Zingg

Junger Flamingo im Pantanal des Zoo Zürich.

Junger Flamingo mit Elterntier.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini

Junger Chile-Flamingo im Pantanal des Zoo Zürich.

Junger Flamingo.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini

Chile-Flamingos im Pantanal des Zoo Zürich.

Junger Flamingo auf Bruthügel.
Copyright: Zoo Zürich, Leyla Davis

Junger Chile-Flamingo im Pantanal des Zoo Zürich.

Junger Flamingo.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini