• Amurtiger Fedor im Zoo Zürich.
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15.03.17

Medien-Apéro März: Amurtiger

Amurtiger auf Stippvisite: Das Amurtigerweibchen Elena erhält temporären Besuch eines Katers aus Münster.

Amurtiger leben in grossen Territorien, die mehrere hundert Quadratkilometer umfassen können. Sie sind Einzelgänger und stets auf Wanderschaft, suchen wildreiche Gebiete auf und halten Ausschau nach potentiellen Partnern.

Im Zoo Zürich hat das Amurtigerweibchen Elena letztes Jahr ihren Partner Coto verloren. Sie hat seither, vorwiegend in den Abendstunden, mit ihren Rufen weiträumig auf sich aufmerksam gemacht, aber nie eine Antwort erhalten. Bis vor kurzem. Auf seiner «Wanderschaft» ist der 2¾-jährige Kater Fedor aus dem Münsterland ins Schweizer Mittelland auf den Zürichberg gekommen. Nach gegenseitigem akustischen Kennenlernen hatten die beiden Tiere auch schon Sichtkontakt, und sie scheinen sich freundlich gesinnt.

Der Amur- oder Sibirische Tiger ist der grösste Vertreter der Tiger. Männchen erreichen mit 180 bis gegen 300 Kilogramm ein stattliches Gewicht. In den 1940-er Jahren sank der Bestand der Amurtiger auf rund 40 Tiere. Nur dank strenger Schutzmassnahmen hat sich der Bestand wieder erholt und wird gegenwärtig auf etwa 500 Tiere geschätzt.

Fester Bestandteil des Tierbestands

Schon bei der Eröffnung des Zoo Zürich 1929 zählte ein Paar Sibirischer Tiger zum Tierbestand. Abgesehen von einem Unterbruch von 1945 bis 1961 sind die Grosskatzen bis heute fester Bestandteil des Tierprogramms. 2001 wurde die heutige Tigeranlage in der zoogeografischen Zone «Eurasien» eröffnet. Bewohnt wurde sie zuletzt vom Paar Coto und Elena. Coto wurde in Zürich geboren, seine Mutter Kora war noch ein Wildfang. Elena hat ihren Ursprung in München. Das Paar hatte 2011 drei Junge, die erfolgreich aufwuchsen. Im vergangenen August musste Coto aus gesundheitlichen Gründen euthanasiert werden (Mitteilung). Die Suche nach einem neuen Partner für Elena erwies sich als schwierig, das Zuchtprogramm konnte vorerst keinen Ersatz anbieten.

Internationale Begegnung

In dieser Situation kam die «Wanderschaft» des Amurtiger-Katers Fedor gerade gelegen. Fedor wurde im Juni 2014 im niederländischen Zoo von Amersfoort geboren. Im Juli 2016 wechselte er in den Allwetterzoo Münster als neuer Partner der Tigerdame Nely. Der Allwetterzoo Münster hat nun die Möglichkeit, die Tigeranlage zu erneuern und mehr als vierfach zu vergrössern. Für die Bauzeit sind die Tiger in neue Gebiete «ausgewandert», Nely in den Zoo Krefeld, Fedor nach Zürich.

Fedor ist ein kräftig gewachsener junger Kater. Bei seiner Abreise in Münster brachte er 168 Kilogramm auf die Waage. In seinen Adern fliesst auch ein bisschen Zürcher Blut: Sein Ururgrossvater mütterlicherseits ist der 1993 in Zürich geborene und nach Toronto ausgewanderte Tonghua, seine Urururgrossmutter die bereits oben erwähnte Kora.

Fedor war nach seiner Ankunft in Zürich Mitte Januar zunächst in der Quarantäne untergebracht. Schon von dort aus wird er mit Elena kommuniziert haben. Nun ist er daran, sein temporäres Zuhause kennen zu lernen. Gitterkontakt mit seiner neuen «Lebensabschnitt-Partnerin» hatte er bereits, die Begrüssung war interessiert und freundlich. Es ist beabsichtigt, ihn mit Elena zusammen zu bringen.

Elena ihrerseits hat auch einen Bezug zu Münster: Ihre Urgrosseltern mütterlicherseits lebten im Allwetterzoo Münster. All diese Verwandtschaftsbeziehungen zeigen, wie international ausgerichtet und vernetzt ein solches Zuchtprogramm ist. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm EEP umfasst rund 300 Tiere in gegen 120 Institutionen und wird vom Zoo London aus koordiniert.

Ein bisschen Hoffnung

Elena hat Jahrgang 2004 und ist so doch etwas älter als Fedor. Wenn ein neues Paar zusammengeführt wird – und wenn es auch nur temporär ist – taucht auch gleich die Frage auf, ob es Nachwuchs geben kann, darf oder soll. Es darf. Aber da gibt es eine gewichtige Einschränkung: Vom Zuchtprogramm hatte der Zoo Zürich die letzten Jahre die Aufforderung, mit den Tigern nicht zu züchten. Elena erhielt deshalb mehrmals ein Hormonimplantat, um eine Trächtigkeit zu verhindern. Diese Implantate können, auch wenn sie wieder entfernt wurden, einen Einfluss auf die Fruchtbarkeit haben. Wir wissen also nicht, ob Elena überhaupt nochmals Junge haben kann. Wir würden uns jedenfalls über eine Vaterschaft von Fedor freuen (auch wenn er nur kurz in Zürich weilt – Tigerinnen sind sowieso alleinerziehend).

Tiger sind imposante Grosskatzen, sie stehen zuoberst in der Nahrungskette. Das Verbreitungsgebiet des Amurtigers liegt im Fernen Osten Russlands und im dortigen Grenzgebiet zu China und Nordkorea. Ausgedehnte Gebirgs-, Nadel- und Laubwälder sowie buschbestandene Graslandschaften mit weiten Wasserläufen und -flächen bilden den natürlichen Lebensraum des Amurtigers. Die Nahrungsgrundlage bieten insbesondere verschiedene Hirscharten und Wildschweine.

Tiger gelten in ihrem Bestand als stark bedroht. Die wichtigsten Bedrohungsfaktoren sind Lebensraumzerstörung (grossflächige Abholzungen, vom Menschen verursachte Waldbrände), Überbejagung der Beutetier-Populationen und Wilderei. Drei Tiger-Unterarten wurden bereits ausgerottet. Es braucht unser aller Anstrengungen, damit nicht weitere das gleiche Schicksal erfahren.

Patenschaft für Fedor

Durch die Übernahme einer Patenschaft kommt man seinem Lieblingstier näher, erhält zusätzliche Informationen, begleitet es in seinem Leben und freut sich an seinem Verhalten. Eine Patenschaft bringt viel Freude. So auch bei der neuen Patin von Fedor, die mit grosser Vorfreude im letzten Herbst beschloss, eine Patenschaft für den Tiger zu übernehmen. Die Ankunft ihres Patentieres hat sie leider nicht mehr erlebt. An ihrer Stelle ist es deshalb ihre Familie, die heute den Neuankömmling Fedor begrüsst und die Freude der Patin weiterträgt.

Bilder unter Quellenangabe zur redaktionellen Verwendung frei.

Amurtiger Fedor im Zoo Zürich.
Amurtiger Fedor im Zoo Zürich.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Amurtiger Fedor im Zoo Zürich.
Amurtiger Fedor im Zoo Zürich.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Amurtiger Fedor im Zoo Zürich.
Amurtiger Fedor im Zoo Zürich.
Copyright: Zoo Zürich, Peter Bolliger
Amurtiger Fedor im Zoo Zürich.
Amurtiger Fedor im Zoo Zürich.
Copyright: Zoo Zürich, Peter Bolliger
Skorpions-Krustenechse im Zoo Zürich.
Amurtiger Fedor im Zoo Zürich.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Amurtiger Fedor im Zoo Zürich.
Amurtiger Fedor im Zoo Zürich.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Amurtiger Fedor im Zoo Zürich.
Amurtiger Fedor im Zoo Zürich.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini
Amurtiger Fedor im Zoo Zürich.
Amurtiger Fedor im Zoo Zürich.
Copyright: Zoo Zürich, Enzo Franchini

Videos unter Quellenangabe zur redaktionellen Verwendung frei.

Eine Live-Webcam bietet Einblick in die Anlage der Amurtiger:

Wölfe in der Tigeranlage

In unregelmässigen Abständen machen die Mongolischen Wölfe einen Ausflug in die Tigeranlage.