Direkt zum Inhalt
  • Grevyzebra-Hengst Rashidi auf der Lewa Savanne.

    Medien-Anlass September: Neuer Zebrahengst in der Lewa-WG

    Auf der Lewa Savanne lebt ein neuer Grevyzebra-Hengst. Die Männchen der Grevyzebras sind territoriale Einzelgänger, die ein Revier beanspruchen und dies auch verteidigen. Daher ist der Hengst seit Juli Schritt für Schritt an das Leben in Gesellschaft mit anderen Tierarten gewöhnt worden. Inzwischen hat er sich gut eingelebt und seinen Platz in der Savannen-WG gefunden.

    Das Leben in einer WG kann anspruchsvoll sein. Fehlen klare Regeln, gibt es früher oder später garantiert Zoff. Und selbst wenn Regeln vorhanden sind, braucht es trotzdem immer auch eine gewisse Toleranz- und Anpassungsfähigkeit. Was für menschliche Wohngemeinschaften gilt, gilt in gewisser Weise auch für tierische. Und so musste unser neuer Grevyzebra-Hengst erst einmal lernen, wie das mit dem Zusammenleben auf der Lewa Savanne funktioniert.

    Gestaffeltes Kennenlernen

    Zebrahengst Rashidi ist Anfang Juni in den Zoo Zürich gezogen. Zuvor lebte er im Zoo Lissabon in Portugal und wurde dort zusammen mit seinem Bruder gehalten. Das Zusammenleben mit anderen Tierarten war ihm fremd. Das Gewöhnen an das vergesellschaftete Zusammenleben mit mehreren Arten auf der Lewa Savanne erfolgte daher schrittweise über mehrere Wochen. 

    Rückblick: Nach einer ersten Eingewöhnung im Stall darf der Hengst den der eigentlichen Savanne vorgelagerten Aussenbereich erst einmal allein erkunden. Dies ich wichtig für eine erste Orientierung, da Zebras zu den Fluchttieren gehören, die bei Gefahr weglaufen. Sollte sich der Hengst also durch irgendeine Situation bedroht fühlen, muss er wissen, wohin er ausweichen kann. 

    Ungewöhnliche Sozialstruktur

    Nach dieser Orientierungsphase folgt der zweite Schritt, das Kennenlernen der Mitbewohner. Zuerst die Impalas, die deutlich kleiner sind als Grevyzebras und somit keine Gefahr darstellen. Das Kennenlernen verläuft reibungslos.

    Am Tag darauf folgen die Artgenossinnen. Vier Grevyzebra-Weibchen leben bei uns im Zoo. Anders als andere Zebraarten leben Grevyzebras nicht in einer Haremsstruktur mit einem Männchen als Oberhaupt. Grevyzebra-Hengste sind Einzelgänger mit eigenem Revier. Die Weibchen leben zusammen mit ihren Jungtieren in Herden, die üblicherweise verschiedene Reviere durchstreifen. Annährungen gibt es nur zur Paarungszeit.

    Erfolgreiche Annäherung

    Entsprechend reagieren die Zebraweibchen zunächst abwehrend auf den neuen Hengst, der einige Huftritte kassiert und auf Abstand gehalten wird. Dies ist ein natürliches Verhalten. Es folgen mehrere wilde Verfolgungsjagden quer über die Savanne. Da dem Hengst diese noch unbekannt ist, bleibt er immer wieder stehen, um sich zu orientieren. 

    Bereits am nächsten Tag hat sich die anfängliche Aufregung gelegt und nach einigen Tagen des Zusammenlebens wird der neue Hengst von den Weibchen toleriert. Auf die Zebraweibchen folgen die Perlhühner, die Blauhalsstrausse und die Netzgiraffen. Das Kennenlernen verläuft problemlos, zu letzteren hält der Hengst Abstand und geht Begegnungen aus dem Weg. 

    Ganz zum Schluss kommen die Breitmaulnashörner und die Säbelantilopen dazu. Aufgrund der Anwesenheit von mehreren Jungtieren ist ein Kennenlernen der Säbelantilopen erst möglich, wenn die Jungtiere ein gewisses Alter erreicht haben und nicht mehr völlig schutzlos sind. 

    Nashörner – die Platzhirsche

    Die Breitmaulnashörner dagegen sind die wohl schwierigste Tierart für ein erfolgreiches Zusammenleben mit dem neuen Hengst. Sie sind die grössten, schwersten und stärksten Bewohner der Savanne und wissen das auch. Als territoriales Tier sind Grevyzebra-Hengste aber darauf bedacht, ihr Revier zu verteidigen.

    Die Grösse des Gegners ist dabei teilweise zweitrangig, weshalb die Gefahr besteht, dass es zu Auseinandersetzungen zwischen Nashorn und Zebrahengst kommt, was für den Hengst gefährlich sein kann. Das Kennenlernen erfolgt daher in zwei Gruppen und bislang verhält sich der Hengst ruhig. 

    Das vergesellschaftete Zusammenleben von verschiedenen Tierarten in einer Anlage ist eine komplexe Haltungsform, die für die Tiere jedoch einen Mehrwert bringt. Dadurch ist kein Tag wie der andere, alle Arten müssen sich immer wieder miteinander auseinandersetzen. Das fordert und fördert die kognitiven Fähigkeiten und entspricht den Gegebenheiten in der Natur.

    Lebensraum schwindet

    Das natürliche Hauptverbreitungsgebiet der Grevyzebras ist Kenia. Dort existiert eine kleine, aber derzeit stabile Population von etwa 2400 Tieren. Eine kleinere Population von etwa 200 Tieren existiert in Äthiopien, diese nimmt jedoch stark ab. Auf der Roten Liste der gefährdeten Arten werden Grevyzebras daher als stark bedroht geführt. Die grösste Bedrohung sind der Verlust von Lebensraum durch zunehmend intensive Land- und Viehwirtschaft sowie die Jagd. 

    Für den Erhalt der Art setzt sich der Zoo Zürich auf mehreren Ebenen ein. Er beteiligt sich am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP für Grevyzebras für eine stabile Reservepopulation in Zoos. Mit verschiedenen Bildungsangeboten trägt er dazu bei, seine Gäste für den Schutz der Tiere zu sensibilisieren. 

    Positive Entwicklung in Lewa

    Und als Naturschutzpartner des Schutzgebiets Lewa Wildlife Conservancy in Kenia setzt der Zoo sich aktiv für den Erhalt der Art in ihrem natürlichen Lebensraum ein. Durch Schutzbemühungen, der durch den Zoo finanzierten Rangerteams, konnte die Population in Lewa im Jahr 2023 um 19 Prozent zulegen. Derzeit gibt es 359 Tiere in Lewa. Im Jahr 2022 waren es noch 310.

    VIDEOS

    Die Videos sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.

    VIDEOS HERUNTERLADEN

    Video mit Untertiteln

    Copyright: Zoo Zürich, Birte Fröhlich, Nicole Schnyder, Sandro Schönbächler

    Rohschnitt ohne UT

    Copyright: Zoo Zürich, Birte Fröhlich, Nicole Schnyder, Sandro Schönbächler

    BILDER

    Die Bilder sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben. 

    BILDER HERUNTERLADEN

    Grevyzebra-Hengst Rashidi mit Stuten auf der Lewa Savanne.