Inkaseeschwalben: Eleganz bis in die Federspitzen
Im Zoo Zürich können neu Inkaseeschwalben beobachtet werden. Die Vögel mit den markanten weissen Federn im Gesicht zählen zu den auffälligsten Küstenbewohnern Südamerikas und gelten als gefährdet. Einst millionenfach vorhanden, existieren heute noch etwa 150'000 Tiere in der Natur. Artenschutz gehört zu den Hauptaufgaben des Zoo Zürich. Mit dem Einzug der Vögel beteiligt sich der Zoo daher auch am Erhalt einer Reservepopulation ausserhalb ihres natürlichen Lebensraums.
Das auffälligste Merkmal der Inkaseeschwalbe (Larosterna inca) ist ihr weisser «Schnurrbart» – der korrekterweise kein Bart ist, sondern aus Backenfedern besteht. Jeweils links und rechts vom knallroten Schnabel ziehen sich lange schneeweisse Federn, geschwungen wie ein aufwendig gepflegter Schnurrbart, über das ansonsten schwarze Erscheinungsbild des Vogels. Hätte nicht die Evolution diese anmutig und elegant wirkende Vogelart geschaffen, kämen wohl nur die Modemacher der Belle Époque in Frage – jener Zeit, in der der Herr von Welt zum wohlgeformten Schnurrbart edlen schwarzen Zwirn trug.
Eine gewisse Form von Statussymbol ist der Federschmuck jedoch auch beim Vogel – wobei ihn sowohl Männchen wie Weibchen tragen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass der weisse «Schnurrbart» mit dem Gesundheitszustand der Tiere zusammenhängt. Untersuchungen haben gezeigt: Je länger und üppiger die Federn, desto besser die körperliche Verfassung. Ein grosser Pluspunkt bei der Balz, denn er verspricht gesünderen und resistenteren Nachwuchs.
Markante und auffällige Stellen oder eine Form von Schmuck finden sich häufig bei Tieren – oft im Kopf- oder Genitalbereich. Auf den ersten Blick haben sie keinen klaren Nutzen oder bringen keinen Überlebensvorteil. Tatsächlich spielen derartige Äusserlichkeiten jedoch häufig eine wichtige Rolle in der Kommunikation.
Geschickte Fischjäger
Ihren Namen verdankt die Inkaseeschwalbe (Larosterna inca) auch dem legendären Volk der Inka. Das natürliche Verbreitungsgebiet des Vogels erstreckt sich entlang der Pazifikküste von Peru bis nach Chile – dort, wo einst das Volk der Inka lebte.
Als Küstenbewohner sind Inkaseeschwalben ausgezeichnete Fischjäger. Ihre Hauptnahrungsquelle sind Sardellen, die im Pazifik in immens grossen Schwärmen vorkommen und reichlich Beute versprechen. Anhaltende Überfischung sowie klimabedingte Veränderungen von Meeresströmungen und Wassertemperaturen führen jedoch dazu, dass die Fischschwärme zunehmend unregelmässiger auftreten oder gar ganz ausbleiben. Sardellen werden bei uns im Zoo nicht verfüttert. Die Inkaseeschwalben erhalten stattdessen einen hochwertigen Mix aus Muscheln, Fischen, Mehlwürmern und spezifischen Pellets für fischfressende Vögel.
Badefreudig und gesellig
Zwar konnte sich die Inkaseeschwalbe in der Vergangenheit nach starken Einbrüchen bisher immer wieder erholen. Insgesamt sind die Bestände jedoch von einst Millionen von Tieren auf nur noch rund 150'000 zusammengeschrumpft. Auf der Roten Liste der gefährdeten Arten der Weltnaturschutzunion IUCN gilt die Inkaseeschwalbe daher als gefährdet, Tendenz weiter abnehmend. Eine zunehmende Gefahr stellt auch die Vogelgrippe dar, die gerade bei in Kolonien lebenden Wasservögeln verheerende Auswirkungen haben kann. Im Rahmen seiner Artenschutzbemühungen beteiligt sich der Zoo Zürich daher am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für die Art.
Sieben Männchen und fünf Weibchen sind Anfang April in die Voliere beim Haupteingang eingezogen. Diese teilen sie sich aktuell mit den ebenfalls ursprünglich aus Südamerika stammenden und wie die Inkaseeschwalben wasserliebenden Roten Ibissen (Eudocimus ruber). Als Koloniebrüter sind die Inkaseeschwalben sehr gesellig und lassen sich häufig beim ausgiebigen und gemeinsamen Baden beobachten.
VIDEOS
Die Videos sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
Neu im Zoo Zürich: Inkaseeschwalben
Video: Zoo Zürich, Tim Benz.
Neu im Zoo Zürich: Inkaseeschwalben (Rohschnitt)
Video: Zoo Zürich, Tim Benz.
BILDER
Die Bilder sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
Inkaseeschwalben sind sehr gesellig. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.
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Bereit zum Abflug. Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.