GZSZ: Gefährdete Ziesel in schwierigen Zeiten
In den warmen Sommermonaten sind viele Tierarten im Zoo Zürich besonders aktiv. Zu ihnen zählen auch die Europäischen Ziesel. Die stark bedrohten Kleinnager gehören noch nicht allzu lang zu den Bewohnern des Zoos und haben dieses Jahr zum ersten Mal Jungtiere. Das bringt nochmals extra Schwung in die ohnehin schon quirlige Wohngemeinschaft – beste Voraussetzungen für eine tierische Soap.
Sie wuseln, sie flitzen, sie knabbern und ab und zu kriegen sie sich auch in die Haare – oder eher ins Fell. Kurzum: bei unseren Europäischen Zieseln (Spermophilus citellus) ist jetzt, in der warmen Jahreszeit, immer etwas los. Noch etwas mehr als üblich auch deshalb, weil sich kürzlich der Ende April geborene Nachwuchs erstmals ausserhalb des unterirdischen Höhlensystems zeigte und nun bei Sonnenschein täglich beobachtet werden kann.
Besser als jede Soap
Eine Zeit lang bei den Europäischen Zieseln unterhalb des Australienhauses im Zoo zu stehen und ihren Alltag aufmerksam zu beobachten, ist also ein bisschen so, als würde man eine Soap gucken. Während der eine Ziesel die Erdhaufen vor dem heimischen Eingangsloch verschiebt, ist ein anderer mit dem Rupfen von Grasbüscheln beschäftigt. Ein dritter Ziesel, der gerade noch in einer Wahnsinnsgeschwindigkeit sein Hinterbein als Kratzbürste benutzt hatte, hält plötzlich kurz inne, stellt sich auf die Hinterbeine und scannt den Himmel. Doch die Krähe ist schon weitergeflogen. Und zwei Meter weiter macht ein selbstbewusstes Jungtier einem Alten ein saftiges Randenstück streitig. Langeweile kennen Ziesel definitiv nicht.
Untermalt wird das bunte Treiben von einer ebenso eindrücklichen Geräuschkulisse. Denn auch auf der Tonebene haben die quirligen Nager einiges zu bieten. Das Spektrum reicht von kommunikativem Zirpen, über eine Art Grunzen bis hin zu lautstarken Alarmrufen. Acht verschiedene Arten von Rufen sind beim Europäischen Ziesel bisher bekannt.
Opportunistisch statt sozial
Europäische Ziesel sind tagaktiv, leben in Kolonien, gelten aber nicht als besonders sozial. Die unterirdischen Erdbauten sind unverbunden. Jedes Tier bewohnt seine eigene, etwa 1,5 Meter tiefe Höhle. Das Kolonieleben dient vor allem der Sicherheit. Kleinnager haben von Natur aus viele Feinde und das Leben zwischen Vielen erhöht die Chance, dass es bei Gefahr einen anderen trifft. Hilfreich ist auch das Mehraugen-Prinzip: Wird ein Räuber entdeckt, gibt der Entdecker einen Warnruf von sich. Ein solcher Warnruf alarmiert nicht nur generell über eine Gefahr, sondern gibt je nach Ruf sogar Auskunft über den Schweregrad der Bedrohung.
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Europäischen Ziesels erstreckt sich über Mittel- und Südeuropa, etwa von Tschechien bis in die Türkei. Weil es in diesen Regionen während den Wintermonaten sehr kalt werden kann und das Nahrungsangebot knapp ist, hält der Ziesel einen Winterschlaf. Von Oktober bis März zieht er sich in seinen Bau zurück.
Ein Leben auf der Überholspur
Die aktive Phase eines Ziesels umfasst somit nur wenige Monate. In dieser Zeit passiert entsprechend viel. Die Männchen erwachen oft etwas früher als die Weibchen aus dem Winterschlaf und beginnen ihr Territorium abzustecken. Noch kurz die Energiereserven auffrischen und schon beginnt die Paarungszeit. Die Saison ist kurz, da gilt es effizient zu sein. Besonders erfolgreiche Männchen paaren sich daher gleich mit mehreren Weibchen.
Die Aufzucht der Jungtiere ist dann reine Frauensache. Nach maximal 28 Tagen Tragzeit kommen 5-9 Jungtiere blind, nackt und hilflos zu Welt und verbringen die ersten Wochen im Bau. Erst nach etwa einem Monat verlassen sie die unterirdische Höhle. Doch bereits drei Wochen später sind sie kaum noch von den adulten Tieren zu unterscheiden und komplett selbstständig. Den Spätsommer verbringen Ziesel dann vor allem damit, sich Fettreserven für den kommenden Winter anzufressen und ein eigenes Heim zu graben oder bereits bestehende Höhlen zu erweitern oder Instand zu setzen. Das Leben des Europäischen Ziesels ist ein Leben wie auf der Überholspur.
Stark bedroht und schlechte Aussichten
Dieses ohnehin schon intensive Dasein des Kleinnagers wird zusätzlich durch den anhaltenden Verlust von Lebensraum, die starke Fragmentierung der Populationen und den Klimawandel erschwert. Die letzte Bestandserhebung von 2023 durch die Rote Liste der gefährdeten Arten der Weltnaturschutzunion IUCN zeichnet eher eine düstere Zukunft für den Europäischen Ziesel. In Deutschland und Kroatien ist die Art bereits ausgestorben. Dramatische Einbrüche der Bestände von über 50 Prozent werden auch für die noch bestehenden Vorkommen in den kommenden Jahrzehnten erwartet. Aktuell ist der Europäische Ziesel auf der Roten Liste als stark bedroht gelistet.
Hoffnung macht dagegen ein Wiederansiedlungsprojekt, welches derzeit in Tschechien läuft. Der Zoo Zürich plant, sich ebenfalls an diesem zu beteiligen und künftig so noch gezielter zum Erhalt der Art beizutragen. Wiederansiedlungen sind jedoch nur sinnvoll, wenn ausreichend und dauerhaft geschützter Lebensraum für Tiere aus der Reservepopulation zur Verfügung stehen.
GZSZ: Gefährdete Ziesel in schwierigen Zeiten
Video: Zoo Zürich, Tim Benz
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Video: Zoo Zürich, Tim Benz
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Die Rohschnitt-Version des Videos ist unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
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Die Bilder sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini
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Foto: Zoo Zürich, Tim Benz