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  • Nachwuchs des Orangeaugen-Laubfrosches auf Hand.

    Forschungsstation: Grosser Erfolg für kleinen Frosch

    Seit einem Jahr gewährt die Forschungsstation unseren Zoogästen einen Einblick in einen wichtigen Teil der Arbeit eines modernen Zoos. Neben dem Artenschutz, dem Naturschutz und der Bildung ist dies die Forschung. Ein Beispiel ist die Erforschung von Zucht- und Haltungsbedingungen für gefährdete Tierarten. Sie sind die Basis für den Aufbau und Erhalt von Reservepopulationen und somit für erfolgreichen Artenschutz ausserhalb des natürlichen Lebensraums. Die Forschungsstation bietet hierfür ideale Voraussetzungen – beispielsweise bei der Frage: Wie bringt man den Orangeaugen-Laubfrosch zum Laichen?

    Rund 60 kugelrunde Eier kleben als dicker Klumpen versteckt unter einem Blatt im Terrarium des Orangeaugen-Laubfrosches in der Forschungsstation. Der Laich – so unscheinbar er wirken mag – ist etwas Besonderes. Er ist der Grundstein für den Aufbau einer Reservepopulation des in seinem ursprünglichen Lebensraum bedrohten und stellenweise sogar ausgestorbenen Frosches. 

    «Wir retten eine Art»

    Hochmotiviert hatte sich das Team der Forschungsstation vor einigen Monaten an die Arbeit gemacht. Aus ein paar dutzend Kaulquappen und einer Handvoll Froschlaich – beides Konfiskate, entdeckt am Flughafen Zürich, Rückführung unmöglich – gelang es unserem Team, 30 Frösche aufzuziehen. Ein erster wichtiger Schritt war getan. Nur wie weiter? Wie animiert man 30 Orangeaugen-Laubfrösche zur Fortpflanzung? 

    Es folgte eine intensive Literaturrecherche sowie ein Austausch mit allen verfügbaren Froschspezialist*innen. Das Problem: Es existieren so gut wie keine weiteren Tiere dieser Art in Europa. Ein kleiner Bestand lebt in einem Naturkundemuseum in England, ein einzelnes Tier in einem weiteren Zoo in Deutschland und ein paar Exemplare bei zwei Privathaltern. Kurzum, eine koordinierte Haltung und kontrollierte Vermehrung der bedrohten Art ausserhalb ihres natürlichen Lebensraums gibt es nicht.

    Schnell war klar, das ist eine Chance, die es unbedingt zu nutzen gilt. «Wir hatten also plötzlich 30 Frösche einer bedrohten Art, deren Situation in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet alles andere als positiv ist. Und zeitgleich existiert keine Reservepopulation, obwohl es diese unbedingt geben sollte. Also haben wir uns hingesetzt, alles verfügbare Wissen zur Zucht und Haltung zusammengetragen und uns an die Arbeit gemacht», erklärt Zoodirektor Severin Dressen. «Die Situation in der Forschungsstation bietet uns hierfür optimale Bedingungen. Mit unserer Arbeit können wir eine solide Basis schaffen und mithelfen, eine Art zu retten.»

    Heimat mit schlechten Aussichten

    Das natürliche Verbreitungsgebiet des Orangeaugen-Laubfrosches sind die feuchten Tieflandregenwälder Costa Ricas. Dort leben jedoch kaum noch Tiere, die Art ist weitgehend verschwunden. Restpopulationen finden sich stattdessen in städtischen Gebieten und Vororten, beispielsweise in Hotelanlagen mit Teichen oder auf Kaffeeplantagen. Einige Tiere oder deren Laich sind vermutlich dahin verschleppt worden und haben überlebt. 

    Die Nähe zum Menschen birgt jedoch ein grosses Risiko. So kommt es immer wieder zur Zerstörung von Laich und Kaulquappen, der Lebensraum, die Gewässer sind oft stark verschmutzt und die Verbreitung von Krankheitserregern wie dem Chytridpilz – dem weltweit gefährlichsten Feind der Amphibien – wird gefördert. Es braucht also wenig und der Frosch ist Geschichte. 

    Was ist der Chytridpilz?

    Der Chytridpilz ist ein infektiöser Pilz, der die Haut von Amphibien befällt. Er verursacht eine Verdickung der Hornschicht, vermutlich als Abwehrreaktion des Körpers. Diese Veränderung beeinträchtigt essenzielle Körperfunktionen der betroffenen Tiere wie die Thermoregulation oder die Wasseraufnahme. Auch atmen Amphibien unter anderem über ihre feuchte Haut. Durch den Pilzbefall ist dieser Sauerstoffaustausch kaum noch möglich, was die Überlebenschancen der betroffenen Tiere drastisch verringert und in den meisten Fällen zum Tod führt. Der Ursprung des Pilzes liegt vermutlich in Asien. Tatsächlich sind viele dort lebende Amphibienarten resistent gegen den Pilz, was diese Theorie untermauert. In den 1980er Jahren wurde der Pilz von dort verschleppt und verbreitete sich zunächst vor allem in Südamerika und Australien. Inzwischen hat er sich jedoch zu einer globalen Epidemie entwickelt und gilt als eine der grössten Bedrohungen für Amphibien weltweit. Der Pilz wird intensiv erforscht und es existieren erste wirksame Gegenmassnahmen, welche unter Laborbedingungen funktionieren. Eine flächendeckende Anwendung in der Wildnis ist jedoch äusserst schwierig bis unmöglich.

    Suchen und schulen weiterer Halter

    Dank der technischen Gegebenheiten in der Forschungsstation war es möglich, zunächst eine Trockenzeit und danach eine Regenzeit zu simulieren – so wie es die rudimentär vorhandene Literatur empfiehlt. Auch die Temperaturen wurden exakt reguliert. Und tatsächlich, am dritten Tag der simulierten Regenzeit konnte die erste Laichablage beobachtet werden. Viele weitere sollten folgen. Die harte Arbeit, die gute Vorbereitung und Planung des Teams begannen sich auszuzahlen. 

    Alle Schritte, die zum Erfolg führten, hat das Team der Forschungsstation dokumentiert und festgehalten. In Zusammenarbeit mit der nach wissenschaftlichen Standards arbeitenden Organisation Citizen Conservation entstehen daraus nun die ersten Richtlinien zum Aufbau und Erhalt einer Reservepopulation. In einem weiteren Schritt werden nun nicht nur die Nachzuchten, sondern auch das gesammelte Wissen geteilt und verbreitet. Bereits zehn weitere Zoos in Europa haben Interesse angemeldet. Das ist eine gute Basis, um erfolgreich an das bisher Erreichte anzuknüpfen.

    Der Zucht- und Haltungserfolg beim Orangeaugen-Laubfrosch ist nur ein Beispiel für die wichtige Arbeit innerhalb der Forschungsstation. Ähnliche Zuchterfolge gibt es bei neun weiteren Arten. Diese reichen vom Vincente-Baumsteiger, ebenfalls eine Froschart, über den Buckelkärpfling bis hin zur Türkisblauen Riesenstabschrecke.

    Live mitverfolgen

    Mehr Wissen generieren, bestehende Abläufe optimieren, Reservepopulationen etablieren und erhalten – all das ist zentral für den Erhalt der Biodiversität. Die Forschungsstation im Zoo Zürich bietet dafür die idealen Bedingungen. Darüber hinaus macht sie die gesamte Arbeit in all ihren Details sichtbar für unsere Zoogäste. Das Simulieren der Regenzeit, die Ei-Ablage, der Schlupf, die Metamorphose zum Frosch, das Dokumentieren aller Schritte – alles findet öffentlich statt und kann Tag für Tag live mitverfolgt werden. Wir schützen eben vor allem das, was wir kennen.

    Um gefährdeten Arten eine Zukunft zu geben, braucht es Wissen und Forschung, den Schutz intakter Lebensräume, funktionierende Reservepopulationen und die Aufmerksamkeit und das Interesse vieler: Forschung, Naturschutz, Artenschutz und Bildung – die vier Hauptaufgaben eines modernen Zoos.

    VIDEOS

    Die Videos sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.

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    Nachzucht Forschungsstation (UT)

    Video: Zoo Zürich, Tim Benz.

    Nachzucht Forschungsstation (roh)

    Video: Zoo Zürich, Tim Benz.

    BILDER

    Die Bilder sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.

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    Orangeaugen-Laubfrosch bei der Paarung.

    Orangeaugen-Laubfrosch bei der Paarung. Foto: Zoo Zürich, Monika Bader.