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  • Rendering der Pantanal Voliere, Aussenansicht, Stand 2024.

    Fakten zum Stahlbau der Pantanal Voliere

    Mit den bisherigen zwei veröffentlichten Statements hier auf der Webseite zoo.ch/medien verfolgte der Zoo Zürich bewusst eine moderate Informationspolitik. Diese erfolgte jeweils als Reaktion auf eine proaktive Kontaktaufnahme durch die Firma Baltensperger mit der Politik oder den Medien zu dem Thema. Die Kommunikationsstrategie des Zoos hatte das Ziel, der Firma Baltensperger nicht zu schaden. Nach verschiedenen weiteren medialen und politischen Vorstössen der Stahlbaufirma erachten wir es als relevant, die Fakten aus der Sicht des Zoos nochmals zu präsentieren.

    Ziele und Konstruktionsweise der Pantanal Voliere (Baustart 2024)

    • Neues Leuchtturmprojekt zum Schutz gefährdeter Arten des südamerikanischen Pantanals im Rahmen der langfristigen Strategie des Zoos, einzigartige Lebensräume zur Erreichung der Zoo-Ziele Naturschutz, Artenschutz, Forschung und Bildung zu schaffen (u.a. Masoala Regenwald 2003, Kaeng Krachan Elefantenpark 2014, Lewa Savanne 2020).
    • Voliere wird durch zehn freitragende Stahlbögen gestützt; ohne zusätzlichen Pfosten in der Mitte.
    • Zusammensetzung der einzelnen Bogenteile erfolgt mittels einer Unterkonstruktion, worauf in Höhen von bis zu 35 Metern die Stahlbögen zusammengeschweisst werden.
    • Ist die erforderliche Präzision an einem Ende der Voliere nicht gewährleistet, ergeben sich zwangsläufig erhebliche Abweichungen am gegenüberliegenden Ende; dies hat direkte Auswirkungen auf Sicherheit und strukturelle Stabilität der Voliere, die auch Wind- und Sturmbeanspruchung zuverlässig standhalten muss.
    • Tief- und Hochbau in der ersten Phase termingerecht abgeschlossen; ab März 2026 erste Hintergrundanlagen für Vögel in Betrieb.

    Zusammenarbeit mit der Stahlbaufirma Baltensperger

    • Renommierte Schweizer Stahlbaufirma Baltensperger erhielt den Auftrag im Jahr 2023; rund die Hälfte der Wertschöpfung wäre im Ausland erfolgt.
    • Stahlbaufirma musste in diesem Projekt eine anspruchsvolle technische Konstruktion mit explizit vertraglich vereinbarten Toleranzen von 5 mm realisieren.
    • Geplante Volieren-Konstruktion ist technisch machbar; führende Stahlbaufirmen im Ausland bestätigen dies. Am bis heute fertiggestellten kleinen Teil der Unterkonstruktion hat es auch die Firma Baltensperger bewiesen; nur statt innerhalb der ursprünglich geplanten drei Wochen erst nach sechs Monaten.
    • Anpassungen in der Geometrie der Unterkonstruktionsstrukturen nach Abschluss des Werkvertrages hielten sich im üblichen Rahmen für Bauprojekte in dieser Grössenordnung.
    • Schon früh in der Stahlbauphase gab es durch die Firma Baltensperger bedeutende Abweichungen von den Vertragsvorgaben bezüglich Technik, Terminen und Kosten – trotz intensiver Unterstützung des Zoos.
    • Mehrere Krisengespräche blieben ohne nachhaltige Wirkung.

    Beendigung der Zusammenarbeit mit der Stahlbaufirma Baltensperger

    • September 2025: Trotz intensiver Unterstützungsbemühungen durch den Zoo zeigt sich kein erkennbarer Fortschritt bei den Stahlbauarbeiten. Es zeichnet sich eine ernsthafte Gefährdung des Projekts ab.
    • November 2025: Der Zoo schätzt eine Fertigstellung der Voliere durch die Stahlbaufirma Baltensperger, nachdem sie zwei Fristen für die Erstellung weiterer Bauteile verstreichen liess, als unrealistisch ein.
    • Dezember 2025: Der Zoo entscheidet sich das erste Mal in den letzten Jahrzehnten der Bauaktivitäten einen Leistungsverzicht gegenüber einem Baupartner zu deklarieren und das Projekt mit einem anderen Partner fertig zu bauen.
    • In der Folge ruft der Zoo die ihm gemäss Werkvertrag übergebenen Bankgarantien ab; diese dienten ausschliesslich dazu, durch den Zoo bereits geleistete Vorauszahlungen abzusichern, für die bisher keine Gegenleistungen erbracht wurden.
    • Zur Überraschung des Zoos führt dieser vom Gesetz für solche Fälle vorgesehene Schritt dazu, dass die Stahlbaufirma Baltensperger möglicherweise Insolvenz anmelden muss und dadurch die Arbeitsplätze von Mitarbeiter*innen der Firma in ernsthafte Gefahr geraten. Der Zoo nimmt dies mit grossem Bedauern zur Kenntnis.
    • Nach Ansicht des Zoos kann das Abrufen einer Bankgarantie nicht der alleinige Grund für den Konkurs eines Unternehmens dieser Grösse sein.

    Finanzielle Eckwerte

    • Der Zoo hatte der Firma Baltensperger rund 75 % der Vertragssumme (Fr. 9.5 Mio.) vorausbezahlt.
    • Fr. 4 Mio. waren mit einer im Werkvertrag festgehaltenen Bankgarantie für die nicht erbrachte Leistung gesichert.
    • Erhalten hat der Zoo bisher nur nutzbare Teile im Wert von Fr. 0.7 Mio.
    • Wert aller bereits produzierten Stahlteile in Höri und beim polnischen Subunternehmer beträgt Fr. 4.2 Mio. (exklusive Nachbesserungen, Transport und Lagerung).
    • Auch nach Abruf der Bankgarantie ergibt sich somit ein Plus für die Stahlbaufirma (Fr. 5.5 Mio.); Baltensperger weigerte sich trotzdem die produzierten Stahlträger herauszugeben.

    Versuch einer einvernehmlichen Lösung

    • Der Zoo bietet eine grosszügige Offerte für die Lieferung der bereits produzierten Stahlbogenteile; obwohl vom Zoo bereits finanziell abgegolten.
    • Ziel: Nachhaltige Nutzung der bereits produzierten Stahlbogenteile, welche durch Anpassungsarbeiten weiterverwendet werden können; dies gilt leider nicht für die bereits produzierten Teile der Unterkonstruktion.
    • Offerte wurde von der Firma Baltensperger als komplett ungenügend abgelehnt; verlangt wurde die Zahlung der fast gesamten Vertragssumme.
    • Der Zoo hat daraufhin die Verhandlungen mit der Firma Baltensperger am 14. Januar 2026 für beendet erklärt.

    Weiteres Vorgehen

    • Der Zoo Zürich arbeitet daran, die Stahlbauarbeiten an der Voliere mit einem neuen Umsetzungspartner so schnell wie möglich wieder aufzunehmen.
    • Die Vergabegespräche laufen zurzeit noch.
    • Erst wenn das neue Stahlbau-Unternehmen feststeht, kann der Terminplan mit der geänderten Ausgangslage aktualisiert werden und ein neues Eröffnungsdatum für den Lebensraum Pantanal Voliere abgeschätzt werden.

    BILDER

    Die Bilder sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.

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    Drohnenaufnahme Baustelle Pantanal Voliere

    Foto: Zoo Zürich, Tim Benz.