Das Löwenrudel ist komplett
Mit dem Einzug eines Löwenmännchen ist das Löwenrudel im Zoo Zürich nun komplett. Im Moment erkundet der Kater den Lebensraum Panthera noch allein. Die Zusammenführung mit den beiden Löwinnen wird zeitnah stattfinden. Gehört und gesehen hat er seine beiden Partnerinnen bereits. Zusammen sollen sie künftig für Nachwuchs sorgen und zum Erhalt der Reservepopulation der stark bedrohten Asiatischen Löwen beitragen.
Löwenkater Jadoo war Anfang Oktober aus dem Tiergarten Nürnberg nach Zürich gereist. Nach einer vierwöchigen Quarantänezeit lebt er sich nun im Lebensraum Panthera ein und wird schon bald die beiden Löwenweibchen Xallu und Xolani kennenlernen. Alle drei Katzen haben eine Zuchtempfehlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) der Europäischen Vereinigung der Zoos und Aquarien (EAZA). Das Löwenmännchen wurde im September 2023 in Nürnberg geboren und ist mit zwei Jahren noch ein junges Tier. Auch die beiden Weibchen wurden 2023 geboren. Geschlechtsreif werden Asiatische Löwen (Panthera leo persica) frühestens mit drei Jahren.
Eine einzige Population
«Die weltweit einzige noch existierende wildlebende Population des Asiatischen Löwen lebt im indischen Gir-Nationalpark und den angrenzenden Gebieten. Der Bestand wird auf etwa 670 Tiere geschätzt. Auch wenn die Population aktuell als stabil gilt, reicht ein unvorhergesehenes Ereignis, um die Art an den Rand der Auslöschung zu drängen. Umso wichtiger ist es daher, dass nun eine junge Zuchtgruppe im Zoo Zürich lebt und wir so zum Erhalt der stark bedrohten Art beitragen können», erklärt Zoodirektor Severin Dressen.
Der Lebensraum der Tiere in der indischen Wildnis ist stark begrenzt und die Kapazitätsgrenzen des Nationalparks sind erreicht. Eine Ausweitung der Schutzgebiete ist unter anderem aus politischen Gründen aktuell nicht möglich. Die Population kann somit kaum noch wachsen oder neue Areale besiedeln. Auch besteht für die Tiere keine Möglichkeit auszuweichen, sollten Ereignisse wie Waldbrände oder eingeschleppte Krankheiten auftreten. Diese können somit schnell schwerwiegende Konsequenzen für die restliche Population der stark bedrohten Art haben.
Umso wichtiger ist es, langfristig eine genetisch diverse Reservepopulation des Asiatischen Löwen in Zoos und damit ausserhalb des natürlichen Lebensraums als Absicherung der wilden Bestände stabil zu halten. Aktuell beteiligen sich 41 Zoos der EAZA mit 112 Tieren am wissenschaftlich koordinierten Europäischen Erhaltungszuchtprogramm.
Verschiedene Gefährdungen
Bei vielen Arten – so auch beim Asiatischen Löwen – sind Schutzmassnahmen vor Ort allein nicht ausreichend. Oftmals sind die noch bestehenden Lebensräume fragil, sehr klein oder stark fragmentiert. Hinzu kommen Gefährdungen, beispielweise durch Wilderei und illegalen Tierhandel, durch Tierseuchen, invasive Arten oder Mensch-Tier-Konflikte. Der Schutz einer Art ist dann erfolgreich, wenn verschiedene Massnahmen gemeinsam wirken, so wie es auch der One Plan Approach der Weltnaturschutzunion IUCN vorsieht, an dessen Umsetzung sich der Zoo Zürich mit seiner Arbeit als moderner Zoo beteiligt.
One Plan Approach (OPA) |
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| Der One Plan Approach (OPA) der Weltnaturschutzunion IUCN wurde 2011 ins Leben gerufen. Er sieht die Kombination verschiedener Artenschutzmassnahmen sowohl vor Ort als auch ausserhalb des natürlichen Lebensraums vor, um so ein Maximum an Schutz für gefährdete Arten zu erzielen. Der OPA versteht sich als ganzheitlicher Ansatz, bei dem alle Massnahmen zur Bewahrung der Artenvielfalt ineinandergreifen und voneinander profitieren. Entsprechend sind dem OPA nicht nur wissenschaftlich geführte Zoos verpflichtet, sondern auch lokale Naturschutzorganisationen, Regierungen sowie zahlreiche weitere am Natur- und Artenschutz beteiligte Organisationen. Statt nebeneinanderher zu arbeiten, propagiert der OPA eine gemeinsame Sichtweise. So wird beispielsweise das Wissen und die Forschung zu gefährdeten Arten aus Zoos auch in die Naturschutzprojekte vor Ort transferiert und umgekehrt. Artenschutz ist eine Mammutaufgabe, die nur gelingt, wenn alle Akteure Hand in Hand zusammenarbeiten. |
VIDEO
Das Video ist unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
BILDER
Die Bilder sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
Die beiden Löwenweibchen leben bereits seit der Eröffnung von Panthera im Zoo Zürich. Foto: Zoo Zürich, Enzo Franchini.