Aussergewöhnlich und bedroht: Der Orangeaugen-Laubfrosch
Er ist knallgrün, hat blaue Flanken und leuchtend orangene Augen: Der Orangeaugen-Laubfrosch fällt auf. Nicht nur äusserlich, auch durch sein Verhalten. Er ist nachtaktiv und verharrt tagsüber in einer Ruhestellung. Dafür faltet er sich klein zusammen. Die Art ist bedroht und in grossen Teilen ihres natürlichen Verbreitungsgebiets bereits ausgestorben. Grösste Gefahr – wie für weltweit viele Amphibien – ist der Chytridpilz. Ziel ist es, den einzigartigen Frosch in unserer Forschungsstation zu züchten und zu erforschen und so zum Arterhalt beizutragen.
Der erste Blick auf der Suche nach dem Orangeaugen-Laubfrosch (Agalychnis annae) im Raum 3 in der Forschungsstation mag etwas irritieren. Denn den Forsch effektiv zu erkennen, ist gar nicht so einfach. Das liegt an seinem speziellen Verhalten.
Wie ein grüner Stein
Der Orangeaugen-Laubfrosch ist mehrheitlich nachtaktiv. Tagsüber faltet er sich klein zusammen und verharrt reglos in einer Art Ruhemodus. Die Gliedmassen liegen dafür eng am Körper, die Augen sind nur noch kleine Schlitze. Die Art gehört zur Familie der Greiffrösche, weshalb der Orangeaugen-Laubfrosch ein ausgesprochen guter Kletterer ist.
Diese Fähigkeit zeigt sich auch am Tag. Der Frosch ist wenig anspruchsvoll bei der Wahl seines Ruheorts. In der Forschungsstation verharren die Tiere daher nicht nur auf Blättern, sondern auch an den Glasscheiben ihrer Behausung. Dies ermöglicht den Zoogästen einen einzigartigen Einblick. Sieht der Frosch von oben aus wie ein grüner Stein, wirkt er von unten – durch die Glasscheibe betrachtet – wie ein Saugnapf.
Lautstark und wechselhaft
Ebenfalls besonders ist die Fähigkeit des Frosches, seine Farbe zu ändern. Tagsüber ist seine Färbung eher blass. Während der aktiven Phase in der Dämmerung und nachts verstärkt sie sich und wird kräftiger. Dieser Prozess nennt sich Metachrose und hilft dem Frosch bei der Tarnung, der Kommunikation oder auch der Temperaturregulierung.
Das natürliche Verbreitungsgebiet des Orangeaugen-Laubfrosches sind die tropischen Wälder Costa Ricas. Dort bewohnt er als guter Kletterer vor allem die unteren, feuchten Baumetagen. Er verfügt über ein grosses Repertoire an werbenden, aber auch warnenden Lauten und Rufen. Die Männchen locken so entweder Weibchen an oder grenzen ihr Territorium gegenüber Konkurrenten ab.
Pilz als grösste Gefahr
Neben Lebensraumverlust durch Abholzung und den sich ändernden klimatischen Bedingungen durch den Klimawandel ist die Existenz des Frosches vor allem durch den Chytridpilz stark bedroht. Dieser Pilz (Batrachochytrium dendrobatidis) befällt ausschliesslich Amphibien und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer der grössten Bedrohungen für Amphibienarten weltweit entwickelt.
Er ist mit ein Grund, warum Amphibien als die am stärksten gefährdete Wirbeltierklasse überhaupt gelten. 41 Prozent aller Amphibienarten weltweit drohen zu verschwinden. Auch alle in der Schweiz beheimateten Amphibienarten können durch den Chytridpilz befallen werden, weshalb der Pilz auch hierzulande als ernste Bedrohung der Amphibienvielfalt gilt.
Was ist der Chytridpilz? |
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| Der Chytridpilz ist ein infektiöser Pilz, der die Haut von Amphibien befällt. Er verursacht eine Verdickung der Hornschicht, vermutlich als Abwehrreaktion des Körpers. Diese Veränderung beeinträchtigt essenzielle Körperfunktionen der betroffenen Tiere wie die Thermoregulation oder die Wasseraufnahme. Auch atmen Amphibien unter anderem über ihre feuchte Haut. Durch den Pilzbefall ist dieser Sauerstoffaustausch kaum noch möglich, was die Überlebenschancen der betroffenen Tiere drastisch verringert und in den meisten Fällen zum Tod führt. Der Ursprung des Pilzes liegt vermutlich in Asien. Tatsächlich sind viele dort lebende Amphibienarten resistent gegen den Pilz, was diese Theorie untermauert. In den 1980er Jahren wurde der Pilz von dort verschleppt und verbreitete sich zunächst vor allem in Südamerika und Australien. Inzwischen hat er sich jedoch zu einer globalen Epidemie entwickelt und gilt als eine der grössten Bedrohungen für Amphibien weltweit. Der Pilz wird intensiv erforscht und es existieren erste wirksame Gegenmassnahmen, welche unter Laborbedingungen funktionieren. Eine flächendeckende Anwendung in der Wildnis ist jedoch äusserst schwierig bis unmöglich. |
Für die Zukunft von Fröschen
Als Naturschutzorganisation mit den vier Hauptaufgaben Naturschutz, Artenschutz, Forschung und Bildung setzt sich der Zoo Zürich für den Erhalt des bedrohten Orangeaugen-Laubfrosches sowie weiterer gefährdeter Amphibienarten ein. Die Forschungsstation bietet durch ihre wie Klimakammern funktionierenden Forschungsräume dafür ideale Bedingungen.
Zudem unterhält der Zoo Zürich bereits seit 2006 das Naturschutzprojekt Amphibian Survival, welches sich in Kolumbien ganz gezielt der Erforschung und dem Schutz von über 70 Froscharten widmet. Kolumbien zählt zu den Ländern mit der grössten Vielfalt an Amphibien weltweit und ist ein Hotspot der Biodiversität.
VIDEOS
Die Videos sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
Orangeaugen-Laubfrosch (mit UT)
Video: Zoo Zürich, Tim Benz
Orangeaugen-Laubfrosch (roh)
Video: Zoo Zürich, Tim Benz
BILDER
Die Bilder sind unter Quellenangabe zur redaktionellen Berichterstattung über den Zoo Zürich freigegeben.
Foto: Zoo Zürich, Albert Schmidmeister.