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Kobaltblaue Baumkobolde und mehr Frosch denn Huhn

Blauer BaumwaranNeu im Exotarium eingezogen sind die 2001 erstmals beschriebenen Blauen Baumwarane sowie Mountain Chicken

Warane interessierten die Gelehrten seit dem Altertum. Herodot bezeichnete diese Reptilien als Landkrokodile. Im alten Ägypten wurden die Tiere auf Denkmälern in Stein gehauen. 1758 beschrieb Linné die erste Waranart. Acht Jahre später, in der 2. Auflage der Systema Naturae, kamen bereits weitere Arten dazu. Die Systematik der Warane ist bis heute im Fluss und Gegenstand hitziger Diskussionen. Derzeit werden rund 53 Arten unterschieden.

Die Ur-Warane lebten vor rund 100 Millionen Jahren. Fossile Funde lassen vermuten, dass Warane früher auch in Europa und Nordamerika verbreitet waren. Die modernen Warane entwickelten sich vor etwa 20 Millionen Jahren. Heute beschränkt sich das Verbreitungsgebiet aller Vertreter der Gattung Varanus auf die warmen und heissen Gebiete Afrikas, Südasiens und die Region Australien. Die grösste Waranart erreichte fast 7 Meter Körperlänge und wog über eine halbe Tonne. Dieser Riesenwaran aus Australien ist erst vor rund 25'000 Jahren ausgestorben. Der grösste rezente Vertreter, der Komodowaran, erreicht vergleichsweise "bescheidene" 3.5 Meter und 150 kg. Und die kleinsten Warane messen nur gerade 23cm und wiegen 20g.

Alle Warane haben fünfzehige Gliedmassen, die mit kräftigen Krallen ausgestattet sind. Der Kopf sitzt auf einem langen Hals, die Augen haben runde Pupillen und die Zunge ist lang und gespalten. Warane besitzen, wie andere Reptilien auch, ein hochempfindliches Geruchsorgan, das Jacobson’sche Organ. Damit lassen sich Nahrungsquellen orten und Rivalen oder Geschlechtspartner erkennen.

Warane konnten fast alle Lebensräume erobern. Sie bewohnen Sandwüsten, Grassteppen, Baumsavannen, Mangrovenwälder und auch tropische Regenwälder. Sie klettern, schwimmen, tauchen und rennen. Einige einfach etwas besser oder schneller als andere.

Blauer BaumwaranDer Blaue Baumwaran (Varanus macraei)

Der Blaue Baumwaran ist ein hochspezialisierter Kletterer. Seine langen, messerscharfen Krallen lassen ihn auch an nassen, glatten Oberflächen Halt finden. Rasant und elegant kann er sich dank seines schlanken Körpers durch das Geäst bewegen. Trotz einer Körperlänge von rund einem Meter wiegen die Tiere nur etwa 200g. Erstaunlich ist die Fähigkeit, den Greifschwanz als fünfte Extremität zu nutzen.

Der Blaue Baumwaran wurde erst im Jahr 2001 beschrieben. Seine Verbreitung ist auf die winzige Insel Batanta (nordwestlich des indonesischen Teils von Neuguinea) beschränkt. Über die Biologie des Blauen Baumwaranes ist so gut wie nichts bekannt. Die wenigen biologischen Daten stammen von Erfahrungen und Beobachtungen aus dem Terrarienbereich.

Die im Zoo Zürich gezeigten Tiere stammen aus dem Zoo in Pilsen (Tschechien) und aus privaten Haltungen in Deutschland. Ziel ist es, innerhalb einiger Zoos in Europa eine gesunde, sich selbst erhaltende Population aufzubauen. Im Zoo Zürich werden derzeit sieben Tiere in zwei Gruppen gezeigt. Unter der Regie von Reviertierpfleger Roland Steiner erhoffen wir uns schon in diesem Jahr die ersten Gelege. Die Art wurde durch die Weltnaturschutzorganisation IUCN noch nicht evaluiert und ist entsprechend nicht auf der Roten Liste zu finden. Die Gefahr allerdings ist gross, dass auch diese Art als stark gefährdet eingestuft werden wird. Batanta ist nur 450 km2 gross.

Antillen OchsenfroschAntillen Ochsenfrosch – wenn das Überleben zur Zoosache wird

Der Antillen Ochsenfrosch ist eine der bedrohtesten Froscharten überhaupt. Ursprünglich auf mehreren Antilleninseln beheimatet, lebt er heute nur noch auf Dominica und Montserrat. Einer der Hauptfaktoren für den Bestandesrückgang ist die Übernutzung durch den menschlichen Verzehr. Dieser Ochsenfrosch ist einer der grössten Frösche überhaupt und sein Fleisch (im Besonderen seine Schenkel) ist ergiebig und schmackhaft. In vielen westindischen Rezeptbüchern hat das nach Huhn schmeckende Fleisch Eingang gefunden. Vulkanische Tätigkeit, Habitatzerstörung und invasive Arten verstärken zusätzlich den Druck auf die geschwächten Bestände.

Im Jahre 2002 wurde auf Dominica der Chytridpilz (Chytridiomycose) festgestellt. Der Ochsenfrosch ist äussert sensibel auf diese Erkrankung und stirbt wenige Tage nach der Infektion. Anfangs 2009 wurden auf Montserrat sterbende Ochsenfrösche beobachtet. Eine kurzfristig aufgebotene Feldexpedition rapportierte verheerende Zustände: Viele Gebiete mit ehemals dichten Ochsenfroschbeständen waren froschfrei, in anderen Gebieten fanden sich hunderte sterbende oder bereits tote Tiere. Schnell war die Ursache gefunden: Chytridiomycose. Nur wenige, etwas isoliert gelegene Vorkommen schienen noch gesund.

In einer bisher einmaligen Rettungsaktion wurden Ochsenfrösche evakuiert und in Zoo-Anlagen mit hoher biologischer Sicherheit nach Europa gebracht. Diese Tiere bilden eine Reservepopulation, aus der in Zukunft auch Tiere wieder ausgewildert werden können. Diese Aktion ist integrierter Bestandteil eines übergeordneten Rettungsplanes für diese Art, welcher zudem die Aspekte Forschung, Habitatschutz und Aufklärung beinhaltet. Der Antillen Ochsenfrosch wird auf der Roten Liste als "unmittelbar vom Aussterben bedroht" geführt.

Hochinteressant ist die Fortpflanzungsbiologie dieser "Bergfrösche". Zur Befruchtung der Eier begibt sich das Paar in den Untergrund. Möglicherweise einige Meter unter der Bodenoberfläche werden die Eier in ein Schaumnest abgelegt. Die Mutter bleibt daraufhin beim Gelege. Sie füttert die geschlüpften Kaulquappen mit unbefruchteten Eiern, die sie regelmässig ablegt. Dank dieser eiweissreichen Ernährung wachsen die Quappen schnell und erreichen bald eine Länge von mehreren Zentimetern. Danach wandeln sie sich zu kleinen Fröschen um, welche noch einige Zeit den Schutz in der Nähe der Mutter geniessen.

Diese Beobachtungen konnten vor wenigen Jahren im Jersey Zoo an Tieren im Terrarium gemacht werden. Das Paar im Terrarium stammt ebenfalls aus Jersey. Die Frösche sind, trotz ihrer Grösse, nur schwer im dichten Laub zu entdecken. Nur sporadisch präsentieren sich diese heimlichen Amphibien exponiert den Besuchern.

Dr. Samuel Furrer, Kurator




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